Was hat Polen da verloren?

"Endziel Erdöl" und ein Stück vom Siegerkuchen

Wir haben keinen Augenblick daran gezweifelt. Alles Gerede von den Massenvernichtungswaffen, von der Befreiung der Iraker, von der humanitären Mission... all das war von Anfang an kalter Kaffee. Leider gibt es aber noch genügend Leute, die dem pathetischen Gesäusel der Mediendarsteller glauben, die man aus Tradition als Politiker bezeichnet. Einer von ihnen, der polnische Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz, hat offenbar noch Schulungsbedarf. Der Mann sagte nämlich tatsächlich, worum es geht.

Für Polen sei der Zugang zu den irakischen Erdölfeldern das "Endziel" gewesen: "Wir verbergen nicht, dass wir wollen, dass polnische petrochemische Unternehmen endlich unmittelbaren Zugang zu Rohstoffen haben", sagte der Außenminister nach der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages zwischen dem Konzern Kellog, Brown & Root (KBR) und der polnischen Erdölfirma Nafta Polska SA. KBR ist eine Tochterfirma des berüchtigten Halliburton-Konzerns, dessen Chef der heutige US-Vizepräsident Cheney gewesen ist und dem durch die US-Regierung die komplette "Rekonstruktion" der irakischen Erdölförderung übertragen wurde.

In dem Vertrag geht es folgerichtig um die Zusammenarbeit beim "Wiederaufbau des Irak". So nennt man als Sieger die räuberische Aneignung des irakischen Öls. Um das "Endziel" zu erreichen, hatte sich Polen ohne jeden Anflug von Nachdenklichkeit oder gar Zweifeln, dafür aber mit viel Gesäusel (siehe oben) der "Koalition der Willigen" unter Führung der USA angeschlossen- zwar nur mit 250 Soldaten, aber immerhin. Ungeschminkt erweisen sich die Kriegs-Willigen als Öl-Willige und kassieren dafür ihren Teil vom Kuchen. Sogar ein eigenes Stück Irak unter polnischer Verwaltung ist dabei. Da heißt es ran ans Öl. Denn wer weiß, wie lange das noch gut geht.
03.07.2003