Damit Sie wissen, wo die Rente hingeht:

Eurofighter für die Angriffsarmee und Futter für den Größenwahn

15 Milliarden Euro sind eine Menge Geld. Bei solchen Summen sagt der Politiker sehr gerne mit überzeugungsfester Stimme: Die Soziale Sicherheit ist nicht mehr finanzierbar. Oder: Das soziale System ist an seine Grenzen gekommen. Punktum. Andererseits: 15 Milliarden Euro sind ein Pappenstiel. Gibt es dafür doch 180 Eurofighter Marke Typhoon. Und die Luft-Boden-Rakete Taurus gibt es zum Stückpreis von 1 Mio. Euro als kostenpflichtiges Zubehör. Und 1250 Iris-T-Raketen für zusammen 540 Millionen Euro. Und für 8 Milliarden Euro gibts demnächst noch ein paar Airbus, damit die Soldaten schnell dahin fliegen können, wo die deutsche Freiheit bedroht ist. Und das ganze sind nur die Anschaffungspreise von heute, ohne die "militärtypischen Kostensteigerungsraten", wie man in der Branche sagt.
Und das ist noch nicht alles. Rund 150 Milliarden Euro (in Preisen von 2003) wird der >zusätzliche Finanzbedarf der Bundeswehr in den nächsten 10 bis 15 Jahren betragen. Und die Machtträume unserer Politiker werden die Sache noch vorantreiben. Jetzt ist einem hessischen Politiker in brutalstmöglicher Weise klar geworden, dass es vielleicht am Hindukusch oder im Kongobecken gar keine Landebahnen für die schönen neuen Kriegsspielzeuge gibt. Also sagt Roland "Gollum" Koch: "Deutschland braucht einen Flugzeugträger." (Seine Begründung: Um Terroristen zu jagen!!!) Zwar zeigt die Forderung, dass Koch auch von Kriegstechnik keine Ahnung hat. Aber es macht doch deutlich, von welchem Geist unsere "führenden" Politiker erfüllt sind: Größenwahn. Machtgier. Paranoia.

Komme ihnen keiner in die Quere und sage: Diese Art von Verteidigung ist nicht finanzierbar. Oder gar: Was haben wir mit Angriffs-Jets tausende von Kilometern fern der Heimat zu verteidigen? Solche Fragen werden in Berlin und Brüssel ungern gehört. Die Berliner Riege will, dass Deutschland eine militärische Rolle spielt. Basta! Und wer die notfalls militärische Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen als Imperialismus bezeichnet, wird nie wieder zum Golf eingeladen- oder schlimmeres. Auch Politiker, die es besser wissen sollten, sind offenbar bereit, für diese abenteuerliche Politik die Systeme der sozialen Sicherung, den relativ breit gestreuten Wohlstand, die Lebensqualität und letztlich auch die Sicherheit zu opfern. (Denn man kann nicht überall den starken Mann markieren und glauben, dafür würde man auf Dauer auch noch mit Rosen umkränzt.)
Natürlich ist der Eurofighter ein gutes Geschäft. Die Firma EADS, zweitgrößter europäischer Rüstungskonzern, konnte im Aktionärsbericht tolle Zahlen vorzeigen. Besonders stolz sind sie darauf, mit dem Eurofighter einen neuen Markt erschlossen zu haben. Sollen doch auch andere in aller Welt bald das Privileg genießen, sich mit zweifacher Schallgeschwindigkeit auf "feindliche Städte" zu werfen. Nicht umsonst heißt es Eurofighter und nicht etwa Eurodefence. Und dass man das "modernste Kampfflugzeug der Welt" nach den verheerenden Wirbelstürmen als "Typhoon" bezeichnet, hat vermutlich mit dem besonderen militärischen Humor zu tun, dem wir neuerdings die Floskel "robuste Mission" für den Kriegseinsatz in fremden Ländern verdanken.

Wie schaffen das unsere Politiker nur? 35 Jahre lang hat man erklärt: Wir brauchen nur deshalb eine starke Bundeswehr, weil wir das Gleichgewicht mit dem Osten zu wahren haben. Die Älteren erinnern sich an das, was man den "Kalten Krieg" nannte. Dann vor 13 Jahren: Der Warschauer Vertrag (das östliche Gegenstück zur Nato) verschwand von der Bühne und aus den "Ostblockstaaten" wurden Musterschüler der Weltbank oder sogar 150prozentige Nato-isten. Tatsächlich: Kein Feind mehr da. Gut so, dachten damals viele. Zu früh gefreut. Denn allen Gesetzen gesunden Menschenverstandes zum Trotz gibt es heute mehr "Verteidigung" als je zu vor. Auf drei Kontinenten wird inzwischen die deutsche und westliche Freiheit verteidigt, stets in Sichtweite von Pipelines und Bohrtürmen. Mit dieser deutschen Freiheit ist es überhaupt wundervoll. Immer mehr treibt sie sich außerhalb des Landes herum. Wenn das so weiter geht, wird der Artikel im Lande selbst bald spürbar knapp werden.

Aber unseren Neo-Militaristen, die eine Militäraktion wie eine Investition mit Renditeerwartung betreiben, ist das einerlei: Wenn es auch immer weniger im Lande geben wird, was mit Fug und Recht verteidigenswert wäre- man hat wenigstens den Eurofighter. Und Raketen. Und vielleicht einen Flugzeugträger. Und eine Weltkarte mit allen Einsatzorten und Truppenbewegungen. Da eine unbotmäßige Regierung. Bumm. Dort ein Bin Laden-Doppelgänger. BummBumm. Hier ein Land, dass seine Schulden nicht zahlt oder mit seinem Erdöl nichts rechtes anzufangen weiß. BummBummBumm.

Im Entwurf der >Strategischen Leitlinien für die neue EU-Armee heißt es: "Als eine Union mit 25 Mitgliedern, die insgesamt 160 Milliarden Euro für die Verteidigung aufwendet, sollten wir nötigenfalls in der Lage sein, mehrere Operationen gleichzeitig aufrechtzuerhalten. Wir müssen eine strategische Kultur entwickeln, die ein frühzeitiges, rasches und wenn nötig robustes Eingreifen begünstigt."

Hat man schon mal -ganz robust, strategisch und kulturvoll- daran gedacht, dass "Viel Feind Viel Ehr" für Deutschland immer mit vielen kleinen, schwarz umrandeten Anzeigen in unseren Zeitungen endete?
02.07.2003