Stimmungsbild per Umfrage

Nun steht der Demokratie im Irak nichts mehr im Wege. Die erste Umfrage nach dem Krieg hat stattgefunden. Und Spiegel online meldet: "Iraker wollen Besatzung - vorläufig". Wie schön. Das neu gegründete Irakische Zentrum für Forschung und strategische Studien befragte 1100 Menschen in Bagdad. Aber tatsächlich sind die Ergebnisse für die Besatzungsmächte eher depriminierend.

So dulden zwar 51% der befragten Bagdader die US-Besatzung, aber nur bis zur Bildung einer eigenen irakischen Regierung. Und wenn laut Umfrage nur 17 Prozent der Bagdader einen sofortigen Abzug wünschen, ungeachtet der dadurch entstehenden Sicherheitsprobleme, spricht das wohl eher für gesunden Realismus der Mehrheit und, wie uns die Veranstalter der Umfrage erläutern, für massives Misstrauen gegenüber den aus dem Ausland eingereisten neuen politischen Gruppen.

Die Rolle der Besatzungstruppen wird mit großer Mehrheit als schlecht eingestuft, wenn es um die Sicherheit im Land, den Wiederaufbau, die Wirtschaft und die Führung des Gesundheitssystems geht. Nur für die in Bagdad weitgehend wieder hergestellte Versorgung mit Strom und Wasser geben knapp die Hälfte der Befragten eine mittlere Bewertung. Auch nicht toll.

Nur 6 Prozent der Befragten stimmten der Behauptung zu, die Besatzer seien "zum Wohle Iraks" im Lande. 59 Prozent waren überzeugt, dass es nur um Interessen der USA und Großbritanniens gehe. Wen wundert es?

Was uns die Ergebnisse sagen? Eigentlich sehr wenig. Die interessanteren Fragen, ob man den Krieg begrüßt habe, ob man für den Verkauf der irakischen Ölquellen an ausländische Konzerne sei, wie man zu US-Militärstützpunkten im Irak stehe und wann man mit einem Abzug der Besatzer rechne- solche und ähnliche Fragen standen entweder nicht auf dem Fragebogen oder fielen der Zensur zum Opfer.
18.06.2003