Heiße Luft und leichter Wasserstoff

Wir haben das >Powell Mobil und seine dubiose Geschichte schon vorgestellt, jene mysteriösen zwei LKWs, die bei Straßenkontrollen im Irak schon Mitte April aufgegriffen wurden und die seitdem als schlagende Beweise für die Existenz der Massenvernichtungswaffen des Irak durch die Medien gistern. Wie damals schon vorhergesagt, löst sich auch diesmal wieder der Beweis in heiße Luft auf - genauer gesagt: in leichteren Wasserstoff. Aber wenigstens hat diese Story so etwas wie eine Pointe.

Der englische Guardian berichtet am 8. Juni: Der britische Geheimdienst MI6 hat zusammen mit Wissenschaftlern und militärischen Experten eine Untersuchung der LKW-Auflieger durchgeführt. Die Experten äußerten danach umfassende Zweifel an der Nutzung der Auflieger als Biolabore. Genau wie die US-Experten vom CIA vorher. Das hat allerdings ihren obersten Boss kalt gelassen. Noch Ende Mai preist Präsident Bush im >polnischen Fernsehen eben diese LKWs als Beweise(!) für die Existenz von Massenvernichtungswaffen an. Ignoranz? Arroganz? Oder ein Gefühl gott-ähnlicher Unangreifbeitkeit?

Der Guardian zitiert die Arbeitsgruppe des CIA: "Führenden Irakischen Beamten vom al-Kindi Forschungs- und Entwicklungsinstitut in Mosul wurden Bilder der mobilen Produktionsanlagen gezeigt, und sie behaupteten, dass die Auflieger benutzt wurden, um Wasserstoff für Wetterballons der Artillerie herzustellen." Solche Ballons werden aufgelassen, um durch genaue Messung von Wind und Windrichtung exakter zu treffen; und solche Anlagen müssen mobil sein.

Die Nachforschungen der Zeitung Observer ergaben, dass das irakische Militär tatsächlich solche Wasserstoff-Anlagen besessen hat. Diese Anlagen sind unter dem Namen Artillery Meteorological System, kurz AMET, allgemein bekannt. Sie wurden dem Diktator durch die britisch-italienische Firma Marconi im Jahre 1987 höschstselbst verkauft. Und die Firma AMS ist keine Garagenklitsche, sondern setzt als Spezialist für militärische Navigationssysteme im Jahr mehr als 1,2 Mrd. Euro um.

Natürlich hat man die Nutzung der Anlagen frühzeitig gekannt. Man brauchte doch nur irgendeinen irakischen Offizier nach der Verwendung zu fragen. Und gewiß lesen auch die Leute vom Rüstungskonzern AMS irgendeine Zeitung und waren schnell in der Lage, den Geheimdienst auf die richtige Spur zu setzen. Das ganze Getöne um die LKWs zeigt nur, wie weit die Kriegsherren gehen werden, um ihre Ziele propagandistisch durchzusetzen. Und das ist, steht zu befürchten, erst der Anfang.
13.06.2003