Es ist nicht vorbei: Aktion auf dem Lambertus-Platz
Mit "Unerhört" und "We Shall Overcome" wurde der Ostermarsch vorbereitet
Am gestrigen Samstag fanden wieder weltweit Aktionen gegen den Irak-Krieg und die damit verbundene Politik statt. Der Friedenskreis beteiligte sich wegen der geänderten Situation nicht an zentralen Aktionen, sondern nutzte den Samstagmorgen, um am Lambertusplatz für den Ostermarsch 2003 zu werben.
     Die Gruppe "Unerhört" war wieder einmal mit Liedern der Friedensbewegung und eigenen Stücken dabei. Und sie fand nicht nur begeisterte Zuhörer: War es das inspirierende Spiel? War es das sonnige Frühlingswetter? Jedenfalls kam es gegen 11 Uhr 30 mit "We Shall Overcome" zu einer Weltpremiere, nämlich zur Bildung der längsten spontanen (!) Menschenkette, die je den Lambertusplatz zierte.
Davor und danach wurden Flugblätter zum Ostermarsch verteilt. Die Aufnahme nicht gerade euphorisch. "Der Krieg ist doch zu Ende. Jetzt könnt ihr aufhören", war eine der typischen Meinungen. Können wir das wirklich? Die Teilnehmer an der Aktion, neben dem Friedenskreis Mitglieder von GEW, Grünen, SPD und PDS, waren durchweg anderer Meinung, denn mit dem militärischen Sieg ist eben kein einziges Problem gelöst. Also muß auch die Friedensbewegung weiter aktiv sein. In welcher Form? Das wird man beraten. Unter anderem auf den Treffen des Friedenskreises, zu denen jeder eingeladen ist.
     Der militärische Sieg der Kriegs-Koalition war absehbar. Aber damit sind weder die Probleme des Irak gelöst noch die vielen Toten des Krieges vergessen. Man möchte in Washington und London zur Tagesordnung übergehen. Die Bombenwerfer möchten sich in Ruhe um die Beute kümmern. Denn nicht nur am Öl, auch am Wiederaufbau wollen sie verdienen. Aber wer soll die Kosten tragen? Und was ist mit der Bevölkerung des Irak? Welche Rolle wird sie in einem von Leid und Zerstörung gezeichneten Land in Zukunft spielen?

     Viele Fragen. Niemand kann sie derzeit schlüssig beantworten. Aber eines ist sicher: Wenn man Bush und seine "Ratgeber" gewähren läßt, wenn die weltweite Friedensbewegung nachläßt - dann wird der Irak-Krieg nur der Beginn einer aggressiven, allzeit kriegsbereiten Geopolitik alten Musters sein. Die Drohungen gegen Syrien und Iran sind nicht mehr zu überhören.
     Schon jetzt wird der Irak-Krieg nach dem militärischen Sieg der Kriegskoalition auf die hinteren Zeitungsseiten verlegt. Die Toten im Irak sind noch nicht alle bestattet, da beginnt bereits das würdelose Gerangel um lukrative Aufträge für den "Wirtschaftsaufbau". (Wahrscheinlich ist damit wirklich nur die "Wirtschaft" des Irak gemeint, von der sich alle (!) ein großes Stück abschneiden wollen). Was Wunder, daß in den Medien die Friedensaktionen vom Samstag kaum noch erwähnt werden. Deshalb zur Information: Am 12. April kamen 25.000 Kriegsgegner auf der Kundgebung in Berlin zusammen. 500.000 trafen sich in Rom. 100.000 versammelten sich zu einer Schweigeminute für die Toten des Krieges in London und erneuerten ihren Protest gegen den Kriegskurs der Blair-Regierung. Gewiß, es sind nicht mehr Millionen, die den Aufrufen folgen. Aber im Widerstand gegen den Irak-Krieg haben viele die Zeichen der Zeit erkannt und werden nichts vergessen.
13.04.2003