"So viel wird täglich verdient..."
Was werden diese Leute denken?

Der Journalist Robert Fisk berichtet im Independent über den Alltag im Irak aus der Stadt Nasiriyah. Und darüber, wie die Menschen nach dem Krieg reagieren. Erleichtert und verbittert. Wobei die Erleichterung offenbar zunehmend der Verbitterung weicht. Wir zitieren aus dem aktuellen Beitrag:
"Dann ist da noch dieses Confetti aus Tageszeitungen, das täglich auf Bagdads Bürgersteigen ausliegt. Die Zeitungen teilen ihren Lesern mit, wieviel die USA durch ihre Geschäfte am Krieg verdienen. Die irakischen Flughäfen werden versteigert, die Hafenmeisterei des Ports von Umm Kasar hat sich ein US-Unternehmen für $8,4 Millionen geschnappt. Ein Lobbyist dieses Unternehmens war ganz zufällig George Bushs stellvertretender Assistent, als Bush noch Gouverneur von Texas war. Auch Halliburton, zufällig die alte Firma von Vize-Präsident Dick Cheney, hat umfangreiche Verträge (Löschen irakischer Ölquellen, Errichtung von US-Basen in Kuwait, Transport britischer Panzer) abgeschlossen. Und die Verträge über den Wiederaufbau des Irak wird höchstwahrscheinlich der >Gigant Bechtel absahnen. Dessen senior Vize-Präsident ist niemand anderes als der pensionierte General Jack Sheehan, der auch in Bushs 'Verteidigungspolitischem Beirat' sitzt. Die Firma Bechtel ist übrigens jene Firma, die - wie die UN-Abrüstungsaktion im Vorkriegs-Irak ergab (was Washington sofort zensierte) -, Saddam früher mal geholfen hat, eine Anlage zur Äthylen-Herstellung zu bauen; Äthylen braucht man zur Senfgasproduktion. Im Bechtel-Vorstand sitzt zudem der frühere US-Außenminister George Schultz, der - wieder so ein Zufall - dem Beratergremium des 'Committe for the Liberation of Irak' (Komitee zur Befreiung des Irak) vorsitzt, und dieses Komitee unterhält natürlich enge Kontakte ins Weißen Haus. Der Wiederaufbau Iraks kostet vermutlich $100 Milliarden. Diese Kosten - und jetzt kommt das Allerfeinste - werden die Iraker selbst bezahlen müssen, aus ihren künftigen Öleinnahmen, was wiederum den US-Ölgesellschaften zugutekommt.

Den Irakern ist das alles bewusst. Was werden diese Leute wohl denken, wenn sie, so wie ich jetzt, an einer der großen Schnellstraßen südlich, westlich von Bagdad stehen und die langen Militärkonvois der Amerikaner vorbeiziehen sehen?"
02.06.2003