Die letzte Warnung?
"...ohne Europa um Erlaubnis zu fragen"

Ralph Peters ist Offizier a.D. des amerikanischen Heeres. Er hat Bücher geschrieben. Er ist ein Propagandist der Neo-Konservativen in Amerika. Jetzt stellte im die FAZ am 15.5.2003 auf S.31 unter der Überschrift Ihr Deutschen widert uns an eine Menge Raum zur Verfügung, um mal so richtig vom Leder zu ziehen. Hören wir die schrille Stimme der Neo-Kons, die sich natürlich für die Stimme Amerikas hält.
Mit Blick auf die euopäischen Proteste gegen den Irak Krieg heißt es: "Wir dachten, ihr wäret erwachsen, aber von der anderen Seite des Atlantiks aus wirkt ihr wie verzogene Kinder. Und eure jüngsten Wutausbrüche haben Big Daddy Amerika veranlaßt, euch auf den Stufen des strategischen Waisenhauses auszusetzen.... Nun habt ihr uns aufgeweckt, und wir sehen, daß Europas Einfluß nur ein Erbe von Albträumen war. Wir werden eure blutbeschmierten, verrotteten Regeln für das internationale System nicht länger hinnehmen, sondern unsere eigenen Regeln schaffen. Ihr werdet nicht viele unserer neuen Regeln mögen...."

Auch den europäischen Regierungen wird kräftig der Militärmarsch geblasen: "Infolge einer Reihe bemerkenswerter Fehlkalkulationen haben Frankreich und Deutschland ihren Rückhalt verloren - nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen Welt. Ihr hattet euren Moment in der antiamerikanischen Sonne. Aber um zwölf Uhr mittags erwiest ihr euch als machtlos und unfähig.... Nach den Ereignissen des 11. September 2001 werden wir nicht warten, bis wir wieder angegriffen werden, sondern vorsorglich überall dort zuschlagen, wo wir das für notwendig halten, und das werden wir tun, ohne Europa noch einmal um Erlaubnis zu fragen..."

Vor allem Kanzler Schröder kriegt sein Fett ab: "Bundeskanzler Schröder hat uns erstaunt. Wir wußten schon lange, daß er ein politischer Scharlatan ist, aber das Ausmaß seiner Demagogie und seine amateurhafte Unfähigkeit, die Folgen seines Geschreis vorauszusehen, haben uns denn doch verblüfft. Wir sehen in Schröder einen Mann, der keinerlei Überzeugungen besitzt, ein politisches Tier von solcher Verkommenheit, daß er allenfalls den europäischen Karikaturen amerikanischer Schmalspurpolitiker ähnelt..."
Schön ist auch die Belehrung über das Wesen der Texaner: "Präsident Bush ist ein Texaner... Sie reden nicht kunstvoll daher, aber sie handeln entschlossen. Sie sind keine Relativisten. Texaner glauben, daß es einen Unterschied zwischen Gut und Böse gibt... Es ist nicht ratsam, einem Texaner öffentlich entgegenzutreten, sofern man nicht die Absicht - und die Mittel - hat, die Sache bis zum Ende durchzufechten. Den Texanern ist es sogar vollkommen egal, wo auf der Landkarte Europa liegt. Im Augenblick sind wir (die Amerikaner) alle Texaner. Ihr habt uns keine Wahl gelassen."

Das reicht jetzt. Wer will, kann sich den ausführlichen Text im FAZ-Archiv antun. Der Link steht untern. Aber was will uns Ralph, der bemühte Schriftsteller, mit vielen drastischen Worten sagen?

Man könnte das Gemenge aus Beschimpfung und Drohung als Geschreibsel eines durchgekallten Ex-Militärs abtun, dem der Kasernenhofton zur zweiten Natur geworden ist. Aber es ist immerhin die FAZ, die diese Tirade seiner speziell geschäfts-orientieren Leserschaft präsentiert. Und die Redaktion stellt Peters mit den Worten der New York Times als "scharfsinnigsten Beobachter" vor, als "Tom Clancy des denkenden Menschen". Armer Clancy, arme Menschen. Uns fällt nur auf, dass Peters verbales Werkzeug ("Die Deutschen denken..." "Die Europäer haben..." "Die Texaner sind so...." "Wir Amerikaner wollen...") kaum das Niveau einer x-beliebigen Rentner-Debatte bei Tchibo erreicht. Aber macht das die Sache harmloser? Nirgendwo steht geschrieben, dass Macht und Erfolg an feinsinnige Analyse und gute Prosa gebunden ist.

Warum präsentiert uns die FAZ diesen Beitrag zu diesem Zeitpunkt? Klar, die FAZ gehört nicht gerade zu den Sponsoren der Friedensbewegung. Aber muß man sich dann ausgerechnet mit den schrillsten Vertretern der Neo-Kons gemein machen? Vielleicht geht es um mehr. Vielleicht ist man in den Büros der FAZ von ganz ähnlichen Befürchtungen befallen wie die Friedensbewegung, nämlich von der Vorstellung eines alles dominierenden Amerikanischen Imperiums, dem erklärten Ziel der Neo-Kons. Nein nein, die FAZ läuft nicht zur Friedensbewegung über und ruft zum Widerstand auf. Bei ihr dürfte sich die Furcht darauf konzentrieren, dass eine nicht vollständig angepaßte Bundesregierung die privilegierte und umsatz-sichernde Vasallenrolle Deutschlands durch vorlautes Friedensgetue gefährden könnte. Und in diesem Zusammenhang macht das Getöse des Militaristen einen Sinn...

Und spätestens nach der >Zustimmung der Bundesregierung zur UNO-Resolution 1483 zieht auch wieder Ruhe in die FAZ Büros ein. Man kann Entwarnung geben. Basta-Schröders "Nein" zur aktiven Kriegsbeteiligung war doch nicht so gemeint. Durchatmen. War nur ein kleiner Ausrutscher. Stress wegen der Agenda, Sie verstehen? Jetzt ist er wieder lieb.

Und um die nächste Bundesregierung muss einem wirklich nicht bange sein. Denen ist Vasallentum eine Herzensangelegenheit. Denn wie sagt Frau Merkel in ihren besinnlichen Stunden: Von Amerika lernen, heisst siegen lernen! Und ein Imperium verlangt nun mal nach klaren Hierarchien. Da dürfte Peters Feststellung auf breite Zustimmung stoßen: "Tut mir leid, aber Gallien erteilt Rom keine Befehle." Basta.
25.05.2003