Der Krieg als saubere Sache?

Wissen Sie, was "saubere Kriegführung" ist? Ein Schlagwort aus der Promotion-Abteilung des Pentagon und ein aussichtsreicher Kandidat für das Unwort des Jahres. Fast platzend vor Stolz über ihre modernen Präzisionswaffen wurden die Militärs nicht müde, uns den Irak-Krieg als sauberen Krieg anzukündigen. Und nach dem Sieg sang Bush das Loblied über einen "mit chirurgischer Präzision" durchgeführten Feldzug von "beispielhafter Kühnheit". Aber die Realität sieht natürlich anders aus.

Am 6.5.2003 gaben unabhängige Beobachter allein für die zivilen Opfer der unmittelbaren Kriegshandlungen eine Zahl von 4000 bis 5200 bekannt. Diesen toten Zivilisten stehen (offiziell) 138 getötete und 495 verletzte US-Soldaten gegenüber. Über die Zahl der getöteten irakischen Soldaten ist nichts bekannt.
Zu den getöteten Zivilisten zählen die Opfer der Streubomben: Diese Bomben bestehen aus vielen hundert sogenannten Bomblets, die über eine große Fläche gestreut werden und anschließend explodieren. Manche dieser Bomblets enthalten zusätzlich Stahlkugeln, die eine noch größere Wirkung in der Fläche entfalten. Was die Bomben so besonders tückisch macht, ist nicht nur die Flächenwirkung, die nicht vorhersehbar ist und fast immer auch zivile Ziele umfaßt. Auch die hohe Blindgängerquote von 10 bis 30% der Bomblets fordert weit über das Kriegsende hinaus zivile Opfer. Während das Pentagon offiziell nur 1 ziviles Opfer der Streubomben zugibt, gibt ein internationales Untersuchungsteam am 6.5.2003 nach Auswertung der Unterlagen eine deutliche höhere Zahl an. Dort ist von 200 (gesichert) bis 372 Todesopfern die Rede; hinzu kommen noch 172 wahrscheinliche Fälle, die nicht exakt verifiziert werden konnten. Viele der Opfer sind Kinder, die ahnungslos die nicht explodierte Munition aufgehoben haben. Noch heute werden täglich die Opfer der Streubomben in Krankenhäuser eingeliefert.

Nach offiziellen Angaben wurden im Irak 28.000 Bomben abgeworfen, 70 Prozent davon präzisionsgesteuert, was immer das heißen mag. Darunter waren 1.500 Streubomben, einige davon bewußt in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten abgesetzt. Dazu Generalstabchef Richard Myers, einer der Erfinder des "sauberen Kriegs": "Das waren harte Entscheidungen, und es ist unglücklich, dass wir uns zur Bombardierung von Zielen in zivilen Regionen entscheiden mussten. Aber der Krieg ist nun mal keine saubere Angelegenheit, sondern ein sehr hässliches Geschäft." Mußten Sie wirklich? Warum? Wegen des Geschäfts?
22.05.2003