"Sie fragen - wir liefern"
Wohl dem, der seinen eigenen Geheimdienst hat

Die groteske Suche der Besatzer nach der Kriegsbegründung war in den letzten Wochen >ständiges Thema dieser Website. Jetzt hat auch der Spiegel entdeckt, dass irgendetwas an der Sache mit den Massenvernichtungswaffen nicht stimmt. Unter der Überschrift "Die verzweifelte Suche nach dem Kriegsgrund" kolportiert das Magazin Berichte über Streitigkeiten innerhalb der Bush-Gruppe.

Vor allem zwischen CIA-Chef Tenet und Pentagon-Chef Rumsfeld sollen die Fetzen fliegen. Tenet hat Anweisung gegeben, alle Dossiers, die zum Thema Massenvernichtungswaffen im Irak erstellt wurden und die zur Begründung des Überfalls auf den Irak dienten, nachträglich auf Stichhaltigkeit zu prüfen. Auch bei vielen amerikanischen Politikern kommt nach dem Siegestaumel die Ernüchterung. Man stellt plötzlich fest, dass alle dem Kongress und der UNO vorgelegten Beweise einer näheren Prüfung wohl nicht standhalten.

Nun sind mir Streitigkeiten zwischen Politikern ziemlich gleichgültig. Kein toter Iraker wird lebendig, wenn jetzt innerhalb der Bush-Gruppe die Grabenkämpfe über die Verteilung der Beute beginnt: Aufträge, Posten, Kompetenzen... Dennoch sollten wir uns zwei Punkte klar vor Augen führen:

Die Bush-Gruppe hat zu jedem Zeitpunkt massiv auf ihre Geheimdienste eingewirkt. Entsprechende Enthüllungen lassen CIA-Leute zur Zeit gezielt über die New York Times verbreiten. Bush und Rumsfeld wollten mit allen Mitteln Berichte erzwingen, um die Position der Regierung in der Irak-Politik zu stützen. Als die Suche nach den riesigen Waffenpotentialen gründlich danebenging, sollte die CIA flugs die Verbindung zwischen Saddam und Al Quaida durch Dokumente untermauern. Da es solche Verbindungen offenbar nicht gab, fühlt sich Bush durch seinen Geheimdienst "verraten". (Das geht bei dem ganz schnell. Fragen Sie mal bei Schröder nach.) Zur Strafe wird jetzt die Pentagon-eigene Defense Intelligence Agency (DIA) ausgebaut, von der man sich termingerechte Lieferung der "Argumente" verspricht.

Diese Erfahrungen sollten uns auch gegen zukünftige Kampagnen mit ihren hurra-patriotischen Nebenwirkungen immunisieren. Denn all die großartigen Reden und Argumente vor und nach dem Irak-Krieg geben uns nur die traurige Gewißheit, dass regierungsamltliche "unumstößliche Beweise", auch wenn sie aus allen Medien posaunt werden, dennoch nicht vertrauenswürdiger sind als eine x-beliebige Wahlkampfrede. Die Frage von Krieg und Frieden ist viel zu ernst, um sie den Politikern und ihren hilfswilligen Wühlern zu überlassen.
24.05.2003