Am Antikriegstag für "Abrüsten statt Aufrüsten"

Das Motto "Nie wieder Krieg" erfordert aktives Handeln
3.9.2018: Am diesjährigen Antikriegstag war der "Friedenskreis Castrop-Rauxel" im neuen "Aktionsbündnis für den Frieden" aktiv für die Kampagne "Abrüsten statt aufrüsten". Unter dem Motto "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!" demonstrieren Gewerkschaften und Friedensgruppen seit 1957 am 1. September, dem Jahrestag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen 1939, um an die schrecklichen Folgen von Krieg, Gewalt und Faschismus zu erinnern. Im Bündnis bestand Einigkeit darüber, dass der Tag angesichts der wachsenden Kriegsgefahr über das Erinnern hinaus nicht ohne Gegenwartsbezug begangen werden sollte. Deshalb wurden Unterschriften unter den Apell "Abrüsten statt Aufrüsten" gesammelt.
Im Juli diesen Jahres hatte sich in Castrop-Rauxel das überparteiliche "Aktionsbündnis für den Frieden" gegründet, an dem bisher DGB, Bündnis 90 DIE GRÜNEN, SGV, DIE LINKE., SPD, ADFC, Friedenskreis Castrop-Rauxel u. a. teilnehmen. Als erste Aufgabe wurde erfolgreich eine Veranstaltung zum Antikriegstag am 1. September 2018 durchgeführt:

Nach vorbereitenden Gesprächen mit der Lokalredaktion wurde sie in den Ruhrnachrichten vom 31.8.2018 ganzseitig angekündigt. Über einen redaktionellen Beitrag hinaus konnte dabei ein Vertreter aller am Bündnis beteiligten Organisationen Stellung nehmen zu der Frage: Was bedeutet Frieden? Wir dokumentieren hier die verschiedenen persönlichen Antworten in der Reihenfolge der Nachnamen:
Ingo Boxhammer von der Partei "die Linke":

"Ohne Frieden ist alles nichts."

Notburga Henke (BUND)

"Wenn kein Staat mehr nach Weltherrschaft strebt, wenn alle Waffen vernichtet sein werden, wenn alle Menschen auf unserer Erde eine Gemeinschaft bilden und nicht mehr gegeneinander aufgehetzt werden, dann können wir in Frieden leben."

Martin Kühl-Lukas vom ADFC:

"Frieden ist in jedem Fall mehr als die Abwesenheit von Gewalt und Krieg. Frieden muss zusammen gesehen werden mit Freundschaft, Eintracht, Gerechtigkeit und Respekt in Wort und Tat anderen Menschen gegenüber. Leider gibt es auf dieser Welt zu viel aggressives, interessengeleitetes Potenzial, so dass Frieden immer etwas ist, das es prozesshaft zu erreichen gilt, aber vermutlich dauerhaft nicht erreicht werden kann."

Jördis Land (Friedenskreis Castrop-Rauxel):

"Frieden ist die Lösung von zwischenstaatlichen und sozialen Problemen mit zivilen Mitteln und nicht die einseitige Durchsetzung von Interessen durch Gewaltanwendung. Dieses kostbare Gut muss verteidigt werden, denn ohne Frieden werden auch in persönlichen Beziehungen immer mehr Gewalt und 'Zwang wirksam."

Katrin Lasser-Moryson:

,,Frieden ist für mich mehr als die Abwesenheit von Gewalt: Gleiche Chancen, Respekt und die Möglichkeit, sich frei zu entfalten, sind unabdingbar für ein friedliches Miteinander."
Petra Lückel (Flüchtlingshife):

"Frieden ist ein Menschenrecht! Jeder Mensch, egal welcher Herkunft, Religion, Hautfarbe oder politischer Einstellung, hat das Recht, in Frieden zu leben!"

Ulla Mintrop-Werkle:

"Frieden wünschen sich Menschen auf der ganzen Welt. Frieden bedeutet ein menschenwürdiges Leben für alle ohne Hunger und Gewalt, Schutz der Menschenrechte, persönliche Sicherheit, Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Frieden ist ein Prozess, an dem wir uns beteiligen müssen, um soziale Ungerechtigkeit, Unfreiheit und Gewalt zu verhindern."

Manfred Pietschmann (SGV):

"Der Frieden auf der ganzen Welt wird nur gelingen, wenn die sozialen Ungleichheiten beseitigt werden: Das sind die eigentlichen Ursachen für Gewalt und Krieg, entfacht durch die weltweit agierende Waffenindustrie. Darüber hinaus ist Frieden für mich die Kunst, Konflikte so wirksam zu lösen, dass die streitenden Parteien durch gute Kompromisse auf Dauer zum Frieden zurückkehren. Voraussetzung dafür aber sind Toleranz, Überzeugungsarbeit und Einfühlungsvermögen, verbunden mit großer Empathie. Gelingen kann das aber nur, wenn man auch mit sich selbst und seiner Umwelt in Frieden lebt. Dazu gehört, auch sein eigenes Handeln immer wieder auf Friedfertigkeit zu überprüfen."

Sabine Seibel (DGB):

"Frieden ist ein unglaubliches Geschenk der Zeit. Und dieses Geschenk mahnt uns, jeden Tag erneut und unverzagt für seinen Erhalt einzustehen!"
Am Antikriegstag selber stellte sich das Aktionsbündnis mit einem großen gemeinsamen Informationsstand der Öffentlichkeit vor, während der ADFC gleichzeitig auf einer "Friedensfahrt" durch Castrop-Rauxel Orte aufsuchte, die von den Zerstörungen im zweiten Weltkrieg besonders betroffen waren. Mit Fotos, die Klaus Michael Lehmann zur Verfügung gestellt hatte, wurden auch am Infostand einige dieser lokalen Kriegsfolgen dokumentiert. Ausgelegt wurde außerdem der Aufruf des DGB, der auf die Bedeutung des diesjährigen 1. September als Antikriegstag einging und am Ende dazu aufrief, den Appell "Abrüsten statt Aufrüsten" zu unterschreiben. Mit diesem Appell haben sich am 6.11.2017 vier Gewerkschaftsvorsitzende, ein Nobelpreisträger, führende Vertreter der Friedens- und Umweltbewegung, bekannte Künstler, kritische Wissenschaftler sowie Engagierte aus den Bewegungen für Nachhaltigkeit und eine gerechte Welt an die Öffentlichkeit gewendet. Mehr als 80.000 Unterzeichnende fordern inzwischen von der Bundesregierung: "Keine Erhöhung der Rüstungsausgaben - Abrüsten ist das Gebot der Stunde." Nicht nur bei der Aktion zum Antikriegstag in Castrop-Rauxel, bundesweit wurden am 1. 9. Unterschriften gesammelt, um dem Teil der Bevölkerung, der mit dem 2%vom BIP-Ziel für Militärausgaben nicht einverstanden ist, eine Stimme zu geben.
Die Forderung des Antikriegstages: "Nie wieder Krieg", deren beängstigende Aktualität das "Aktionsbündnisses für den Frieden" in Castrop-Rauxel zusammen führte, stand auch auf der Schleife eines großen Kranzes, der anschließend durch die Innenstadt zum "Mahnmal für die Opfer der Hitler-Diktatur" in der Leonhardstraße getragen und dort nach einer Ansprache der stellvertretenden Bürgermeisterin Katrin Lasser-Moryson und der Vorsitzenden des DGB Castrop-Rauxel, Sabine Seidel, niedergelegt wurde. Motiviert durch die persönlichen Erfahrungen und antimilitaristischen Einstellungen ihrer Familien sowie aktuelle Entwicklungen wie die Vorfälle in Chemnitz riefen beide dazu auf, gegen Krieg und Rassismus einzutreten. Damit fand nicht nur die Veranstaltung zum Antikriegstag 2018 einen angemessenen Abschluss, damit wurde auch die Aufgabe für weitere Aktivitäten des Aktionsbündnisses formuliert.

Der Friedenskreis war an der Vorbereitung und der Durchführung dieser Veranstaltung beteiligt. Er begrüßte vor allem den Gegenwartsbezug auf den Appell "Abrüsten statt Aufrüsten", der das Gedenken an die Opfer und die Lehren der Vergangenheit übersetzt in aktives Handeln in der Gegenwart. Gingen doch beiden Weltkriegen Jahre intensiver materieller Aufrüstung voran. Das Ziel dabei war weniger die Sicherung der Verteidigungsfähigkeit als die Herstellung militärischer Überlegenheit und die Annahme, diese erreicht zu haben, ebnete den Weg für die jeweiligen Kriegserklärungen. Die schrecklichen Folgen mahnen uns, den gegenwärtigen NATO-Beschluss zur Erhöhung der Rüstungsausgaben auf 2% des Bruttoinlandsproduktes nicht kritiklos hinzunehmen: Nach aktuellen Berechnungen des renommierten internationalen Friedensforschungsinstituts SIPRI in Stockholm übertreffen die Militärausgaben der NATO die russischen bereits jetzt um das 16fache. Warum sollen sie darüber hinaus fast verdoppelt werden, wenn Russland gleichzeitig seine Militärausgaben bereits 2016 und 2017 um 20% gesenkt hat und auch 2018 und 2019 weitere Senkungen vornimmt? Diese Tatsachen stehen im Widerspruch zu der immer wieder angeführten Bedrohung durch Russland, gegen die man zusätzliche Verteidigungsmaßnahmen ergreifen müsse. Sie passen bei nüchterner Betrachtung eher zu einem neuen Anlauf, militärische Überlegenheit abzusichern. Bezahlen werden wir die dafür erforderliche Steigerung des "Verteidigungshaushaltes" in Deutschland um ca. 30 Mrd. Euro schon während der nächsten Jahre mit drastischen Kürzungen im Sozialbereich. Bezahlen werden wir die politische Einstellung, dass den Mitteln zur militärischen Konfliktlösung immer mehr Priorität vor zivilen Konfliktlösungen eingeräumt wird, außerdem mit der wachsenden Gefahr, dass auch Europa wieder zum Kriegsschauplatz wird. Aktuell werden die Kriege, an denen auch die Bundeswehr beteiligt ist, so weit entfernt ausgetragen, dass in den Medien erfolgreich der Eindruck vermittelt werden kann, Deutschland befände sich nicht im Krieg. Nicht nur die Opfer der Vergangenheit, auch die gegenwärtigen Kriegsopfer mahnen zu einer Umkehr zu ziviler Konfliktlösung.
03.09.2018