Über den Umgang der Medien mit Russland und der Wahrheit

Attentat auf Skripal - Attentat auf die Wahrheit
18.3.2018: In der Berichterstattung über Russland dominiert immer mehr ein Schwarz-weiß-Schema, bei dem Putin die Rolle des Bösen zugeschrieben wird. Beispielhaft ist das zu sehen an den Aussagen über den Anschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter. Nicht zu Wort kommen Stimmen wie die des ehemaligen britischen Botschafters Craig Murray, der auf seiner Homepage mitteilt, dass die Wissenschaftler, die in Salesbury das Gift untersuchten haben, gar nicht in der Lage gewesen seien, dieses als aus russischer Produktion stammend zu identifizieren. Es sei aber Druck auf sie ausgeübt worden, dies zu behaupten. Dagegen dominiert die Vorverurteilung Russlands ohne reale Beweise. Wie z.B. bei den Tagesthemen gleichzeitig der Eindruck einer ausgewogenen Berichterstattung erzeugt wird, untersucht Jens Berger auf den NachdenkenSeiten.

Die Briten machen Russland schon wenige Stunden nach dem Anschlag verantwortlich. Argumentiert wird damit, dass er mit einem Gift ausgeübt worden sei, das noch in der Sowjetunion hergestellt wurde. Tatsächlich ist nicht einmal die Existenz derartiger Nervengifte gesichert.

Das Leitmedium Tagesschau widmet dem Thema am 15.3.2018 unter dem Titel "Fall Skripal - was bislang bekannt ist" Hintergrundinformationen in Form von Fragen und Antworten. Jens Berger untersucht auf den Nachdenkenseiten, wie dabei durch das Weglassen zahlreicher Informationen ein vermeintlich objektiver Antwortkatalog präsentiert wird, tatsächlich aber Stimmung gegen Russland gemacht wird.

Weitere Informationen liefert Jans Beger in dem Beitrag "Die Salisbury Tales – was verschweigen Medien und Politik im Falle des vergifteten russischen Doppelagenten?"

Inzwischen sind Frankreich, die USA und ebenso die Bundesregierung der unbewiesenen britischen Einschätzung gefolgt und haben weitere Sanktionen gegen Russland eingeleitet. Die Eskalation nach Drehbuch läuft ein weiteres Mal vor unseren Augen ab. Wer erinnert sich noch, dass mit vorgetäuschten Vorwürfen über Massenvernichtungsmitteln im Irak ein Krieg angezettelt wurde, der bis heute Nachwirkungen hat? "Verantwortung übernehmen" geht anders. Vorschnelle Vorverurteilungen und Sanktionen gegen Russland haben ein hohes Eskalationspotenzial. Der allseits anerkannte verstorbene Wissenschaftler Steven Hawking schrieb er in der britischen Tageszeitung "The Guardian" im Dezember 2016: "Wir haben jetzt die Technologie, um den Planeten zu zerstören, auf dem wir leben, aber wir haben noch nicht die Fähigkeit entwickelt, sie daraus zu entfernen. Vielleicht in einigen Jahrhunderten werden wir menschliche Kolonien auf anderen Sternen eingerichtet haben, aber in diesem Augenblick haben wir nur einen einzigen Planeten, und wir müssen zusammen daran arbeiten, ihn zu schützen".



Eine allgemeine Einschätzung zur Berichterstattung über Russland gibt die ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD, Gabriele Krone-Schmalz in einem sehr lesenswerten Interview mit den NachDenkSeiten über die angeschlagenen Beziehungen zu Russland, Schieflagen in der journalistischen Berichterstattung und die Möglichkeiten, die zu einer Verbesserung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Russland führen könnten.
18.03.2018