Neue US-Atomwaffen:
... und der Lüge geht langsam die Luft aus

Schon vor einem Jahr wurden die Mini-Nukes angekündigt. Das sind keine Kaugummis mit Nuss-Geschmack. Das sind ganz neue, kleine, daher gut handhabbare Atomwaffen. Mit allen Eigenschaften, an denen Militärs sich erfreuen: Zerstören vollständig, aber auf kleinem Raum. Sie passen ins Handgepäck und machen den Aufenthalt dort, wo sie gezündet werden, im berechenbaren Umkreis auf Jahre hin äußerst unerfreulich. Kurz: Ein Traum für jeden Terroristen.

Das zuständige Komitee des US-Senats verabschiedete eine Gesetzesinitiative, die den Weg zur Entwicklung der neuen taktischen Waffe ebnet. Damit verbunden: 15,5 Millionen Dollar für die erste Entwicklungsstufe. Außerdem schlägt das Komitee vor, das Atomwaffen-Testgelände in Nevada mit 25 Millionen Dollar auf den aktuellen technischen Standard nachzurüsten. Was heißt da Teststopp für Atombomben? Das gilt nur für andere. Der Gesetzesentwurf wird jetzt dem Senat und dem Repräsentantenhaus zugeleitet, deren Mitglieder darüber beschließen. Bei der aktuellen republikanischen Mehrheit wohl nur eine Formsache. Mit den neuen Waffen wird die US-Nuklearstrategie auf die Höhe der Bush-Doktrin gebracht: Von der Abschreckung zur Anwendung! Denn eine Präsidenten-Direktive vom vorigen Jahr besagt klar, dass nukleare Waffen bei entsprechender Bedrohung auch eingesetzt werden sollen.

Weit weg unter irakischer Sonne geht indessen die groteske Suche nach den Massenvernichtungswaffen des Diktators weiter. Immer daran denken: Das waren die weltbedrohenden Waffen, die dem Irak-Krieg den Anschein der Legitimität geben sollten. Doch der Erfolg der Waffensuche ist wie bei der Diktatorensuche gleich Null. Nur ein Unterschied besteht: Vom Diktator weiß man wenigstens, daß es ihn gibt (oder doch gegeben hat). Hinsichtlich der Waffen ist das mehr als zweifelhaft.

Man hat die UN-Inspektoren beschimpft. Man hat sie zu lächerlichen Knalltüten ernannt. Bush selbst hat kübelweise Spott über sie ausgegossen. Hans Blix hat für Monate den unbeliebtesten Job gehabt. Nun liegt für alle, deren Gedächtnis mehr als eine Tagesschau lang hält, offen zutage, dass die Inspektoren hervorragend gearbeitet haben, obwohl man ihnen nicht einmal ausreichend Zeit ließ.

Die angebliche Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen erweist sich letztenendes als Riesenlüge der Bush & Blair Demolition Company. Denken wir daran, daß vielleicht schon im nächsten Jahr mit ähnlichen Bedrohungslügen der Einsatz von Mini-Nukes gerechtfertigt und eine neue Dimension der aggressiven Kriegsführung eröffnet werden könnte.

Um die Waffen im Irak zu finden, ruft man die Bevölkerung per Radio zu anonymen Informationen auf. "Die mögliche Belohnung kann dazu beitragen, Ihren Lebensstandard zu verbessern", heißt es salbungsvoll. Niemand meldet sich. Zumindest niemand, der wirklich etwas mitzuteilen hätte. Auch die verhafteten Gefolgsleute des Diktators bringen nichts ans Licht. Kaum zu glauben, wo sich doch sonst solche Figuren mit allerlei Geschichten ins neue Leben schwadronieren. Zahlt man nicht genug? Droht man nicht genug? Oder gibt es einfach nichts zu melden? Einige Spezialeinheiten der US-Armee, mit viel Pressetamtam vor Wochen eingerichtet, um es den "Weicheiern von der UNO" mal zu zeigen, wurden inzwischen ganz ohne Tamtam aufgelöst. Jetzt hört man von hohen Militärs nur noch blödsinnige Ausreden: "Zu tief vergraben...", "Im Krieg restlos zerstört...", und sogar: "Als zivile Güter getarnt..."

Nur eines wird man von Bush und Blair und ihren Helfern niemals hören: Eine Entschuldigung gegenüber der Weltöffentlichkeit, der man, gegen den Einspruch der UN-Inspektoren, mit Bedrohungsszenarien den Krieg schmackhaft machen wollte. Denn sie wußten und sie wissen genau, was sie tun.
14.05.2003