Friedlicher Protest nicht erwünscht

Bochum: Kein Werben fürs Sterben
7.5.2017: Zusammen mit dem Bochumer Friedensplenum, terre des hommes, der GEW und weiteren Aktiven hat der Friedenskreis Castrop-Rauxel am 5.5.2017 bei der Berufsinformationsmesse in der Jahrhunderthalle Bochum gegen Bundeswehr-Werbung unter Jugendlichen ab 14 Jahren protestiert. Obwohl der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes Jahr 2014 die Bundesrepublik aufgefordert hat, auf die Rekrutierung von Minderjährigen und Werbeaktivitäten der Bundeswehr bei unter 18-Jährigen zu verzichten, bietet die Stadt Bochum der Bundeswehr auf der Bochumer Berufsbildungsmesse und in den Job-Centern die Möglichkeit, bereits unter 14jährigen für einen Beruf zu werben, der einschließt, Menschen zu töten oder selbst getötet zu werden.

In den letzten Jahren hat die Bundeswehr ihre Werbefeldzüge unter Jugendlichen systematisch erweitert. In "Karrierebüros", Arbeitsagenturen, Schulen, Universitäten, auf "YouTube" und sogar bei Volksfesten soll ihr Auftreten zur Normalität werden. Nach Angaben von SchülerInnen der Nelson-Mandela-Schule in Bochum sind dort z.B. aktuell große Mengen an Collegeblöcken von der Bundeswehr angekommen. Auf der Titelseite wirbt die Bundeswehr mit dem Slogan: "Nach der Schule liegt dir die Welt zu Füssen. Mach sie sicherer". Auf der Innenseite wird spekuliert ob ein echter Kamerad nicht mehr wiegen würde als 1.000 Freunde im Netz.

Bereits im Vorfeld der Messe hatten deshalb verschiedene Gruppen und Organisationen an die SPD und die Grünen im Bochumer Stadtrat appelliert, diesen neuerlichen Auftritt der Bundeswehr zu unterbinden, denn die Messe wird von der stadteigenen Veranstaltungs-GmbH durchgeführt. Als dies vergeblich war, beschlossen Bochumer Friedensplenum, terre des hommes, GEW und andere, vor Ort gegen den Bundeswehrstand zu protestieren.

Aber friedlicher Protest vor dem Bundeswehrstand war nicht erwünscht und das Grundrecht auf Meinungsfreiheit wurde zugunsten der Bundeswehrwerbung beschnitten: Obwohl sich die Demonstranten zunächst mit der Polizei auf einen Kompromiss geeinigt hatten, nämlich das Transparent einzurollen und nur als Person zu demonstrieren, verlangte Herr Andreas Kuchajda, Geschäftsführer der Bochumer Veranstaltungs-GmbH, dass Hausverbote gegen die Aktiven ausgesprochen wurden und sie auf polizeiliche Anordnung das Gebäude verlassen mussten.

Das Friedensplenum hat dann außerhalb der Halle weiter Informationsblätter an die Schülerinnen und Schüler verteilt. Besucher und Mitarbeiter der Jahrhunderthalle, die den Polizeieinsatz beobachtet hatten, kamen anschließend zum Information-Stand des Friedensplenums und äußerten ihre Sympathie und Unterstützung.







Bundeswehr

Arbeitgeber mit Risiken und Nebenwirkungen


Von Horsta Krum



Die Bundeswehr wirbt junge Leute mit dem Versprechen "Hier sicherst du deine Zukunft und die von Deutschland".

Zu Risiken und Nebenwirkungen

fragen Sie

beispielsweise die "Heimkehrer", die von Auslandseinsätzen

verwundet oder mit einer PTBS zurückkommen

(posttraumatischen Belastungsstörung)

und die sich im zivilen Leben nicht mehr zurechtfinden.

Zur sicheren Zukunft von Deutschland: s.u.



In der Bundeswehr, so die Werbung, können Sie "Teamgeist leben und persönlich wachsen".

Zu Risiken und Nebenwirkungen

fragen Sie,

wie es um harte Rituale und sexuelle Belästigungen bestellt ist,

beispielsweise in der vierten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231 in Bayern.

Dort wird gegen vier Unteroffiziere und zehn Mannschaftssoldaten ermittelt.

Dieser Fall ist beileibe nicht der einzige ...



Die Kleidung der Bundeswehr-Angehörigen, so die Werbung, ist eine "neu entwickelte Kampfbekleidung mit Flammschutz, Insektenabwehr" usw., alles "in -funktionellem Design" und "höchstmöglichem Tragekomfort".

Zu Risiken und Nebenwirkungen

fragen Sie

die Männer und Frauen,

die sich ihre Schutzkleidung selbst kaufen.

Und zu "höchstmöglichem Tragekomfort" fragen Sie die Soldatinnen

mit kleinen Füßen. Für sie wird es vorläufig keine passenden Stiefel geben.



Die Werbung lässt gern Soldatinnen und Soldaten zu Wort kommen, die in der Bundeswehr ihren "Traumjob" gefunden haben, denen ihre Arbeit "Spaß" macht und für die es "nichts Schöneres" gibt. "Wenn ich mit meinem Eurofighter abhebe, dann ist das ein ganz besonderes Gefühl. Knapp 2.500 km/h und modernste Technik."

Zu Risiken und Nebenwirkungen

können Sie Tote nicht mehr befragen.

In den Auslandseinsätzen heißen getötete Zivilisten

"Kollateralschäden".

Befragen, wie gesagt, können Sie diese nicht,

aber

Sie sollten sich nicht wundern

über zunehmenden Terrorismus.
07.05.2017