"Nein zu Krieg und Terror!

Nein zur weiteren Aufrüstung Deutschlands und der EU!"


Ostermarsch 2017
18.4.2017: Der Ostermarsch Rhein/Ruhr stand unter dem Motto "Nein zu Krieg und Terror! Nein zur weiteren Aufrüstung Deutschlands und der EU!" 30 Erstunterzeichner aus Politik und Kultur, zahlreiche Gruppen und Initiativen sowie über 350 Einzelpersonen hatten zu der dreitägigen Friedensaktion zwischen Düsseldorf und Dortmund aufgerufen, um angesichts der wachsenden Kriegsgefahr eine neue Politik zu fordern. Etwa tausendachthundert Menschen demonstrierten dann an drei Ostertagen gegen Krieg und Rüstung, gegen eine Erhöhung der Militärausgaben und für die zivile Lösung von Konflikten. Auch die mehr als 90 Demonstrationen der Friedensbewegung in weiteren bundesdeutschen Städten setzten ein Zeichen gegen Krieg und Militarisierung. Der Friedenskreis Castrop-Rauxel beteiligte sich an der Fahrrad-Etappe von Essen nach Bochum am Ostersonntag und an der Demonstration durch Dortmund am Montag.
Der Ostermarsch Rhein Ruhr startete bereits am Karfreitag in Gronau, um ein Zeichen gegen die atomaren Aufrüstungspläne zu setzen. 250 Teilnehmer zogen durch die Innenstadt zur Urananreicherungsanlage von Urenco. Dr. Angelika Claußen von der Vereinigung "Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs" forderte die Bundesregierung auf, an den gegenwärtigen UNO-Verhandlungen für ein Verbot von Atomwaffen teilzunehmen, "bevor es zu spät ist.



In Düsseldorf verurteilte die Bundestagsabgeordnete der LINKEN Sevim Dagedelen, vor mehr als 600 Demonstranten u.a. den Angriff des US-Präsidenten auf Syrien und brachte die Forderung der Friedensbewegung zum Ausdruck, dass die deutsche Bundesregierung dies klar und deutlich als Völkerrechtsbruch benennt und dagegen eintritt, dass US- oder NATO-Militärbasen in Deutschland für die angekündigten weiteren Verbrechen des US-Präsidenten genutzt werden. Statt des deutschen Militärengagements in Syrien und anderswo erfordert die aktuelle Hungerkrise in Afrika effektive Hilfe durch die Bundesrepublik Deutschland.
Am Sonntag beteiligte sich der Friedenskreis Castrop-Rauxel an der traditionellen Fahrradetappe zwischen Essen und Bochum. Am Zwischenstopp in Gelsenkirchen wurde vor dem Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes im Stadtgarten ein Kranz niedergelegt. Dann sprach Uli Sander, Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des NS-Regimes: "Der Ostermarsch steht immer für den Frieden und zum Gedenken an die Opfer". Der Schwur der Überlebenden "Nie wieder Krieg" bekommt gegenwärtig von Jahr zu Jahr mehr Aktualität. In Bochum wandte sich der stellv. Bundesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft, Michael Schulze von Glaßer gegen die Werbestrategie der Bundeswehr und forderte vor allem einen Stopp der Rekrutierung Minderjähriger. Norbert Arndt, der stellv. Geschäftsführer von ver.di in Bochum und Hernestellte klar, dass Kriege nie für Menschenrechte oder für irgendwelche sonst vorgeschobenen Rechtfertigungen geführt werden, sondern es ginge um immer um Interessen, Kapitalismus und Krieg müssten immer im Zusammenhang gesehen werden.
Ein Tag später war der Ostermarsch wieder zu Fuß von Bochum nach Dortmund unterwegs. Beim Auftakt in der evangelischen Kirche in Bochum Werne wiesen die Pfarrerinnen Susanne Kuhles und Eva -Maria Ranft auf eine irreführende Übersetzung im Johannesevangelium hin: Richtig heiße es nicht "Selig sind die Friedfertigen.." sondern "Selig sind die Friedensstifter.." Nicht die Menschen, die friedlich stillhalten, sondern die, die sich aktiv für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, handelten zu allen Zeiten im Sinne des Evangeliums. Die DGB-Gewerkschaftssekretärin Anne Sandner verband die Ablehnung von höheren Rüstungsausgaben mit der Forderung nach ausreichender sozialer Sicherung.
Im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld protestierte der Ostermarsch auch gegen den Rechtsextremismus. Dort hatten Neonazis im vergangenen Jahr versucht, sich unter den Ostermarsch zu mischen, um ihn zu stören, was von der Polizei mit Hinweis auf das freie Demonstrationsrecht zunächst nicht verhindert wurde. Deshalb wurde die Kundgebung hier in diesem jahr explizit als Demo gegen rechte Gewalt bei der Polizei angemeldet und verlief ohne Provokationen.

Auf der Abschlusskundgebung in Dortmund verdeutlichte Lühr Henken vom Bundesauschuss Friedensratschlag in einer beachtenswerten Rede das Motto des Ostermarsches "Wir brauchen eine neue Politik". Auch er wandte sich gegen die vorbehaltlose Unterstützung der Bundesregierung für den völkerrechtswidrigen US-Militärschlag in Syrien und forderte eine Abkehr von der eskalierenden Konfrontationspolitik.

Die vollständigen Texte der Redebeiträge sind auf der Internetseite friedenskooperative.de zu finden. Wir dokumentieren hier die Rede von Lühr Henken:

- Es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Ostermarschiererinnen, liebe Ostermarschierer,

als wenn die Welt nicht schon genug aus den Fugen wäre. So viele Flüchtlinge wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg; große Hungersnot im Osten Afrikas und im Jemen; Kriege in Afghanistan, Pakistan, dem Jemen, Irak, Syrien, der Türkei, Libyen, Mali, Nigeria, Kongo, Sudan und Süd-Sudan. Das sind nur die Offensichtlichsten. Ungelöste Dauerkonfliktherde, an denen Atommächte beteiligt sind, wie der zwischen Russland und dem so genannten Westen, in Nah-Ost, Kaschmir, Korea und um das Südchinesische Meer. Viele der Konflikte scheinen weit weg zu sein. Sie sind uns seltener bewusst, weil sie uns nicht persönlich betreffen. Schlagartig wird vielen in diesen Tagen jedoch klar, wie sehr wir hier in Europa nah an den Konflikten liegen. Mit Russland so und so, mit Syrien und Libyen auch, aber nun auch mit Korea. Das ist neu.

Der Giftgasanschlag in der syrischen Provinz Idlib und der Kriegsakt des neuen US-Präsidenten auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt in der Provinz Homs lässt weltweit die Alarmglocken läuten. Der erstmalige Einsatz der US-Großbombe in Afghanistan und die US-Flugzeugträgergruppe vor der koreanischen Küste scheinen auch nichts Gutes zu verheißen. Die Menschen rätseln. Sind das Eintagsfliegen oder steckt dahinter eine Strategie? Anders gefragt: Wollen die USA in Syrien und in Nord-Korea in den Krieg ziehen?

Ich sage hier ganz klar: Letzteres lässt sich daraus noch nicht ablesen. Eine Strategie vermag ich nicht zu erkennen. Gefährlich ist das Verhalten Trumps allemal. Richtig bleibt: Krieg verschlimmert die Lage. Diese Konflikte lassen sich nur durch Verhandlungen lösen.

Zu Syrien: Der Einsatz von Giftgas ist geächtet und stellt ein Verbrechen dar. Die Verachtung ist den Tätern gewiss - wer die Täter auch immer sind. Hier beginnt das Problem. Wer sind die Täter?

Wir haben eine geschichtliche Parallele: der Sarin-Anschlag im syrischen Ghouta im August 2013 mit Hunderten von Toten. "Der Westen" bezichtigte damals unisono - wie heute - postwendend Assad der Täterschaft. Die USA drohten ihm mit Krieg, weil er die von Obama gezogene "rote Linie" überschritten habe. Jedoch, nach Untersuchung des Sarins stellte sich heraus, dass es nicht aus den Arsenalen der Regierung stammen konnte. Der Nachweis, dass Assad der Täter war, konnte nicht erbracht werden. Und es stellte sich auch heraus, dass Al-Kaida in Syrien, die al-Nusra-Front, in der Lage war, mit türkischer Hilfe Sarin zu produzieren. Die Frage drängt sich auf: Welche Kriegspartei in Syrien hat ein Interesse daran, die USA zum Kriegseintritt zu bewegen? Assad oder seine Gegner?

Dieselbe Frage stellt sich heute erneut. Wem nützt der Giftgasangriff? Macht es für Assad Sinn, Giftgas einzusetzen, wo er gewiss sein kann, dass dann - zu Recht - Fluch und Schande der Welt über ihn hereinbrechen? Ich frage: Kann ein Staatschef so dumm sein? Wohl kaum. Die Täterschaft ist für mich ungeklärt.

Über die Reaktion Trumps und die der Bundesregierung muss geredet werden. Der US-Präsident hat mit seinem Angriffsbefehl zweifach Recht gebrochen. Zunächst die UN-Charta. Sie lässt nur unter zwei Bedingungen Angriffe auf UN-Mitgliedsstaaten zu: Im Falle von Selbstverteidigung und im Fall des Vorliegens eines UN-Mandats. Ein UN-Mandat gab es nicht. Notwehr liegt auch nicht vor, denn die USA sind nicht angegriffen worden. Trumps Angriff ist klar ein Völkerrechtsbruch.

Und der zweite Rechtsbruch? Der Angriff verstößt gegen die Chemiewaffenkonvention, der die USA angehören. Die besagt, dass bei Verdacht auf den Einsatz von C-Waffen die Organisation für das Verbot von C-Waffen (OPCW) eine Untersuchung anberaumt. Wird der Verdacht bestätigt, befindet der UN-Sicherheitsrat darüber, ob militärische Mittel eingesetzt werden. Zwar hat die OPCW unverzüglich Untersuchungen eingeleitet. Ergebnisse liegen jedoch nicht vor. Ohne das Ergebnis abzuwarten, zu bombardieren, ist Rechtsbruch. Ich sage: Trump gehört zusammen mit den Giftgasmördern, wenn sie denn gefunden sind, auf die Anklagebank.

Und was macht die Bundesregierung? Frühzeitig hat sie sich darauf festgelegt, dass Assad die Verantwortung für den Giftgasmord trägt und hält den US-Angriff auf Syrien für "nachvollziehbar". Eine Infragestellung klingt anders, eine Verurteilung ganz anders.

Ich fordere die Bundesregierung auf, die eklatanten Verstöße der US-Regierung gegen das Völkerrecht zu verurteilen!

Geschieht dies nicht, dann liegt ein Verstoß seitens der Bundesregierung gegen das Grundgesetz vor. Denn Artikel 25 des Grundgesetzes lautet: "Die allgemeinen Regeln des Völkerrechtes sind Bestandteil des Bundesrechtes. Sie gehen den Gesetzen vor und erzeugen Rechte und Pflichten unmittelbar für die Bewohner des Bundesgebietes." Und die Pflicht ist es hier, Rechtsbruch auch als solchen zu benennen.

Die Frage stellt sich, was folgt aus dem Marschflugkörperangriff? Für Syrien bedeutet er unmittelbar, dass die Anti-Assad-Kräfte eine verstärkte militärische Unterstützung von außen fordern und dass diese Seite ihr Ziel des Regime Changes, also eine Zukunft Syriens ohne Assad, bekräftigt. Die andere Seite treibt das US-Vorgehen zum Schulterschluss. Die Folge ist also: Die Gegensätze verhärten sich.

Wird dadurch die Chance auf Verhandlungslösungen erhöht? Eher nicht. Noch einmal: Der Syrien-Krieg kann nur über Verhandlungen auf allen Ebenen beendet werden. Zwischen den USA und Russland, zwischen dem Iran und Saudi-Arabien - und innersyrisch.

Trumps Angriff löst vielerorts Verunsicherung aus. Er untermauert damit seine Unberechenbarkeit. Seine früheren, als grundsätzlich zu verstehenden Aussagen, die USA unter seiner Präsidentschaft wollten kein Weltpolizist mehr sein, und die Politik des Regime Change sei falsch, scheinen nicht mehr zu gelten. Aber was dann? Trumps Handlungen erscheinen getrieben, impulsiv, damit konfus und konzeptionslos.

Nicht so gegenüber Russland. Hier verfahren USA und NATO zweigleisig. Ihre Devise ist: Dialog und Aufrüstung. Das zeigte sich auch wieder beim Besuch des US-Außenministers Tillerson in Moskau. Lange Gespräche, wenig Greifbares. Aber immerhin: eine bilaterale Arbeitsgruppe soll an einer Verbesserung des Verhältnisses arbeiten.

Die US- und NATO-Aufrüstung läuft seit längerem. Der US-Rüstungshaushalt soll im kommenden Jahr um zehn Prozent ansteigen. Ob Trump das Geld dafür aus dem zivilen Bereich tatsächlich bekommt, ist allerdings noch nicht ausgemacht. Im atomaren Bereich läuft bereits ein Aufrüstungsprogramm, das in zehn Jahren 350 Milliarden Dollar verschlingt. Trump hat gesagt, er will, dass die USA immer über mehr Atomwaffen verfügen sollen als andere. Eben: America first. Auch die Russen rüsten atomar auf. Ihre Kosten dafür betragen 100 Milliarden Dollar.

Zurzeit führen die Vereinten Nationen eine Konferenz zur Abschaffung der Atomwaffen durch. Besonders skandalös ist, dass die Bundesregierung und andere NATO-Staaten sich weigern, an dieser Konferenz teilzunehmen. Damit blockieren sie die atomare Abrüstung und verletzen den Atomwaffensperrvertrag, der diese Abrüstung vorschreibt.

Ich fordere die Bundesregierung auf: Nehmen Sie an den UN-Verhandlungen zur Ächtung der Atomwaffen teil! Entziehen Sie den USA die Stationierungserlaubnis ihrer Atomwaffen in Büchel!

Die NATO-Staaten setzen ihre Einkreisungspolitik gegenüber Russland fort. Die Begründung, damit einen russischen Angriff abschrecken zu wollen, ist geradezu absurd. Ein Angriff Russlands auf die NATO käme angesichts der Kräfteverhältnisse einem Selbstmord gleich. Es herrscht ein krasses Ungleichgewicht. Leicht zu erkennen an den Militärausgaben. Die NATO gibt dafür 13 mal mehr aus als Russland. Die Zahl der NATO-Soldaten unter Waffen ist viermal so hoch wie die russische. 3,4 Mio. zu 900.000.

Die baltischen Staaten sind klein. Folgende Frage stellt sich doch: Weshalb sollte Russland wegen des kleinen Baltikums überhaupt einen Gedanken darauf verschwenden, einen Angriff auf die NATO vorzubereiten? Die russischen Signale sind auch ganz andere: Es senkte seine Militärausgaben 2016 um fünf Prozent und die Ausgaben für neue Waffen um zehn Prozent. Wie dankte es die NATO?

Sie baut eine superschnelle Eingreiftruppe auf, stellt in Polen und Rumänien Anti-Raketen-Stellungen auf, führt ein Manöver nach dem anderen in russischer Grenznähe durch, simuliert dabei Atombombenabwürfe, schafft Panzer samt Munition und Soldaten in russische Grenznähe. USA und NATO erhöhen damit systematisch die Spannungen.

Ich will keine Konfrontation, sondern Kooperation mit Russland. Ich glaube, das wollen wir alle.

Um die Konfrontation finanzieren zu können, beschloss die NATO, dass jedes Mitglied möglichst zwei Prozent seiner Wirtschaftskraft, das BIP, für ihr Militär ausgeben soll. Das war 2014 auf dem NATO-Gipfel. Dabei spielte die Bundesregierung eine bedeutende Rolle. Sie gab nach dem Beginn der Ukraine-Krise ihre Zurückhaltung auf und setzte sich im NATO-Rat aktiv für die Erhöhung der Rüstungsausgaben ein. Zwei Prozent klingt wenig, ist aber viel. Wenn das in den europäischen NATO-Ländern bis 2024 umgesetzt wird, bedeutet das pro Jahr eine Erhöhung um 100 Milliarden Euro in Europa. Deutschland trägt daran einen hohen Anteil. Deutschlands Militärausgaben würden sich von 37 Milliarden in diesem Jahr verdoppeln auf ungefähr 75 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Russland gab 2015 nur 66 Milliarden Dollar aus. Die wahnsinnige Steigerung der Militärausgaben führt nicht zu mehr Sicherheit in Europa und der Welt, sondern provoziert militärische Gegenmaßnahmen, die wiederum hier Anlass sind, weiter an der Rüstungsspirale zu drehen.

Das Zwei-Prozent-Ziel hat in Europa noch einen zweiten Effekt: ein Verschieben der Kräfteverhältnisse in der EU zugunsten Deutschlands - insbesondere nach dem Brexit. Warum?

Deutschland ist in der EU mit Abstand die größte ökonomische Macht. Denn unser BIP ist um fast 20 Prozent größer als das britische und um fast 30 Prozent größer als das französische.

Britannien sagt der EU good bye. Gibt Frankreich, die nächstgrößte Wirtschaft der EU, ebenso zwei Prozent des BIP für das Militär aus wie Deutschland, ist Deutschland neben der ökonomischen Macht auch im Militärischen die Führungsmacht in Europa. Das kann in der Nachbarschaft - bei dieser leidvollen Geschichte aufgrund deutscher Angriffskriege - nur Ängste hervorrufen.

Deshalb kann es nur diese Forderung geben: Stoppt die Aufrüstungsvorhaben der Bundeswehr und senkt den Rüstungshaushalt! Abrüstung ist das Gebot der Stunde!

Aber daran denkt die Bundesregierung nicht. Ministerin von der Leyen hat angekündigt, bis 2024 die Zahl der Bundeswehrsoldaten von jetzt knapp 180.000 auf knapp 200.000 erhöhen zu wollen. Das will finanziert werden. Die Bundeswehr wird seit 25 Jahren auf Auslandseinsätze ausgerichtet, sie wird in Kriege und Auslandseinsätze geschickt. Dafür erhält sie neue Waffentechnik.

Das deutsche Heer bildet schwerpunktmäßig aus für die Aufstandsbekämpfung im Stadt-, Orts- und Häuserkampf, erhält dafür neue Schützenpanzer und Kampfhubschrauber, die Marine konzentriert sich weltweit auf fremde Küsten und dem Land dahinter, erhält dafür Hochseekorvetten mit Marschflugkörpern und neue Fregatten mit Kanonen für den Landbeschuss sowie U-Boote. Die Luftwaffe erhält Military Airbusse, um alles das, was nicht schwimmt, schnell weltweit transportieren zu können - sowie Kampfdrohnen. Mit mehr Soldaten, mehr Waffen und mehr Geld werden die Bundeswehreinsätze weltweit zunehmen. Das soll unter dem Deckmantel von mehr Verantwortungsübernahme geschehen. Der Begriff Verantwortung dient der Verschleierung. Die wahren Absichten waren deutschen Leitmedien zu entnehmen, als sie das neue Weißbuch der Bundeswehr vorstellten. Die FAZ sieht Deutschland als globale Gestaltungsmacht und die Süddeutsche schrieb: "Das neue Weißbuch ist - gemessen an seinen Vorgängern - von neuer Klarheit. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich das Land so deutlich zu seiner führenden Rolle in der Welt bekannt und daraus auch eine sicherheitspolitische Verpflichtung abgeleitet." Was der Süddeutschen noch im Weißbuch auffiel, war: dass bei der Interessendefinition Deutschlands "an dritter Stelle bereits - Prosperität und ungehinderter Welthandel" stehen. "Will heißen", so ihr Außenpolitik-Chef: "Die Freiheit der Meere und die Versorgung mit Rohstoffen stehen im Interessenkatalog ganz oben." Also, worum geht es? Wir haben es schwarz auf weiß: Macht, Einfluss, Rohstoffe und Profit!


Liebe Friedensfreundinnen, liebe Friedensfreunde:

Ich will keine Auslandseinsätze der Bundeswehr! Ich will den Rückzug der Bundeswehr aus dem Ausland!

Macht, Einfluss und Profit sichern sich deutsche Konzerne und Regierungen auch durch den exzessiven Rüstungsexport. Ja, exzessiv! Im Februar legte SIPRI, das Friedensforschungsinstitut in Stockholm, Exportzahlen für deutsche Großwaffen vor. Sie sind für 2016 skandalös. Der Weltmarktanteil Deutschlands erhöhte sich von 6,3 auf 9 Prozent. Damit liegt Deutschland 2016 wieder auf Platz 3 weltweit und in Europa auf Platz 1. Und das ist eine Schande. Bei Kleinwaffen zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Genehmigungen für Kleinwaffen stiegen im vergangenen Jahr um 47 Prozent gegenüber 2015. Das zeigt: wir dürfen auch im Kampf für ein Waffenexportstopp nicht nachlassen.

Danke.
18.04.2017