Damit man weiß, wofür die andern sterben:
Die richtige Eroberung findet erst nach dem Krieg statt

Haben Sie Aktien der Firma Halliburton? Nicht? Schade. Dann wären Sie jetzt ein ganzes Stück reicher. Denn seit Januar haben diese Papiere gegen den allgemeinen Trend kräftig zugelegt. Satte 20 Prozent. Und all das nur, weil der Konzern dick im Irak-Geschäft steckt. Die Ölquellen überstanden die Bombardierungen fast völlig unbeschädigt und sind in der Lage, innerhalb weniger Monate große Mengen Öl zu liefern. Das Ölministerium war das einzige Regierungsgebäude, das während des Krieges nicht bombardiert wurde. Und es war das einzige Gebäude, das von US-Truppen vor Plünderern bestens geschützt wurde. Ja, das nenne ich unternehmerische Weitsicht: Eine direkt in den Militärapparat eingebettete Profitmaschine.

Nehmen wir etwa die Firma Kellogg, Brown and Root (KBR). Sie wurde unter anderem mit der Löschung der Brände auf den irakischen Ölfeldern beauftragt. Auftragsvolumen insgesamt: Im Milliardenbereich. Der Mutterkonzern dieser Firma ist der Halliburton-Konzern. Der bekam einen selbst für amerikanische Verhältnisse unanständig lukrativen Auftrag, nämlich die Rekonstruktion des kompletten irakischen Fördersystem. Klartext: Halliburton hat die Hand auf Förderung und Verteilung des Öls für das zweitgrößte Vorkommen der Welt. Dabei wird in Milliarden gerechnet. Ach ja: Die Rechnungen aller Firmen gehen übrigens nicht nach Washington, sondern nach Bagdad. Sonst macht's ja keinen Spaß, nicht wahr?

Was sagen Sie? Irgendwer muß das schließlich machen? Gewiß, dumm ist nur, daß Halliburton nicht irgendwer ist. Das ist nämlich derselbe Konzern, dem bis vor kurzem einen gewisser Dick Cheney vorstand. Richtig, derselbe Cheney, der heute Vizepräsident der USA ist. (Dessen Fähigkeiten, sich als Firmenchef über manipulierte Aktienkurse und Steuerflucht erfolgreich zu bereichern, sind in den USA gerichtsbekannt, wenngleich noch unbestraft.) Die Riesenaufträge für Cheneys alte Kumpels wurden von der US-Regierung ohne öffentliche Ausschreibung vergeben. Begründung: Sicherheitsinteressen der USA.

Die enge Verflechtung von Politik und Wirtschaft und den eigenen Taschen ist nicht neu, hat aber unter Bush eine Dreistigkeit erreicht, die selbst hartgesottenen Republikanern die Sprache verschlägt. Und die Halliburton-Cheney-Beziehung ist nur die prominente Spitze des Eisbergs. Nehmen wir die dubiosen Insider-Geschäfte des Robert Perle, der immer noch ein einflußreichen Berater von Kriegsminister Rumsfeld ist und im Vorstand zahlreicher Rüstungsfirmen sitzt. Für die große Investmentgesellschaft Goldman Sachs hat er schon vor dem Irak-Krieg Investoren über Profitmöglichkeiten danach informiert - und dabei kräftig die Werbetrommel für diesen Krieg gerührt.

Oder nehmen wir die kalifornische >Bechtel Group Inc. Auch die hat ein Riesenstück vom Irak-Kuchen erhalten. Das Unternehmen war schon einmal im Gerede, als der ehemalige Unternehmenschef George Shultz 1982 Außenminister wurde. Der heutige Unternehmensboß hat es zwar "nur" bis zum Mitglied im Außenwirtschaftsrat gebracht. Aber deren Mitglieder sind auch eine illustre Gesellschaft. Zusammen haben sie zum Beispiel über drei Millionen Dollar für den Bush-Wahlkampf gespendet. Eine offenbar totsichere Investition.
13.05.2003