Werbung von 14 - 16jährigen verstösst gegen die UN Kinderrechtskonvention

Krieg ist kein Funsport
29.11.2014: Unter diesem Motto hatte ein breites Dortmunder Bündnis gegen die Teilnahme des angeblich "normalen Arbeitgebers" Bundeswehr an der Jugendmesse YOU vom 28.11. - 30.11.2014 in der Westfalenhalle aufgerufen. Zahlreiche Jugendverbände und Organisationen haben sich im Bündnis "Krieg ist kein Funsport" zusammengeschlossen. Der Friedenskreis Castrop-Rauxel beteiligte sich mit einer Warnung vor Risiken und Nebenwirkungen einer Karriere in der Bundeswehr an einer Demonstration vor der U-Bahnhaltestelle, um die jugendlichen Besucher zu empfangen.



Der Umbau der Bundeswehr zu einer international einsatzfähigen Interventionsarmee erfordert Personal. Die Bundeswehr selber nennt dies "Schlagkräftige Bundeswehr 2020 - Attraktivitätsoffensive starten!". Immer häufiger werden Werbespots der Bundeswehr im Fernsehen und anderswo geschaltet. Deshalb steigt laut Spiegel der Etat für Personalwerbung der Bundeswehr 2015 auch um 18 Prozent auf 35,3 Mio. Euro an. Besuche der Jugendoffiziere in Schulen, Arbeitsämtern und auf Jugendmessen sind schon häufiger in die öffentliche Kritik geraten. Etwa 400.000 Jugendliche wurden im Jahr 2013 auf diese Weise erreicht. Das IMI beschäftigte sich damit ausführlich in dem Beitrag Schuleinsatz der Bundeswehr: Ideologiekritische Lektionen.
Die Werbung bleibt nicht ohne Wirkung. Nach Angaben der WAZ vom 8.8.2014 "melden sich rund 1000 Unter-18-Jährige jedes Jahr beim Bund und werden auch an der Waffe ausgebildet. Obwohl ein Ausschuss der Vereinigten Nationen vergangenen Februar Deutschland in einer offiziellen Erklärung aufforderte, jegliche Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu verbieten und das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre zu erhöhen, blieben Maßnahmen der Politik aus."

Die Naturfreundejugend forderte deshalb in einem Positionspapier ein Gesetz, dass es dem Militär untersagt, bei Kindern und Jugendlichen Werbung für den Dienst in der Armee zu leisten:

  • sofortiger Abzug der so genannten Jugendoffiziere aus dem Unterricht

  • kein Auftritt der Bundeswehr bei Jugend- oder Ausbildungsmessen!

  • sofortiger Stopp von Anzeigen in Jugendzeitschriften!

  • ersatzlose Kündigung der Kooperationsvereinbarung zwischen Schulministerium und Bundeswehr!


Daneben geht unbemerkt die Militarisierung im Kleinen weiter. Der "ganz normale Arbeitgeber Bundeswehr" muß mit Privilegien werben, um eine ausreichende Anzahl an Soldaten rekrutieren zu können. So gibt die Bundeswehr zur Sicherung der personellen Einsatzfähigkeit″ bis zu 5.000 Euro pro Platz und Jahr für Belegrechte in Kitas aus, also Plätze, die zuerst an Kinder von Bundeswehrangehörigen verteilt werden. In einem IMI-Beitrag "Bundeswehr und Kita" heisst es dazu: "Die Bundeswehr erwirbt zu Werbezwecken und zum Erhalt der Einsatzfähigkeit Belegrechte aus Bundesmitteln, sprich Steuergeldern. Diese Belegrechte kauft sie zum günstigen Preis von klammen Kommunen insbesondere dort, wo es zu wenig Kitaplätze gibt. Belegrechte führen dazu, dass ein für alle benötigtes und aus Steuergeldern bezahltes Gut nicht mehr gleich verfügbar ist. Während jedoch private Unternehmen ihr eigenes Geld in die Hand nehmen und unter Umständen ein Mehr an Kitaplätzen schaffen, benutzt das Verteidigungsministerium Steuergelder. Diese wären besser in den allgemeinen Ausbau von Kitaplätzen investiert – stattdessen privilegiert der Staat seine eigenen Angestellten."
Auch der Friedenskreis Castrop-Rauxel erhob deshalb bereits im Januar 2011 in einem Flugblatt, das an Aktualität nichts verloren hat, folgende Forderungen:

Keine weiteren Einladung von Bundeswehrsoldaten an Schulen

  • Auflösung der bestehenden Kooperationsvereinbarungen zwischen Bundeswehr und Kultusministerien in NRW und allen betroffenen Bundesländern

  • Keine anderen Werbemaßnahmen der Bundeswehr zur Rekrutierung Jugendlicher

  • Für zivile Konfliktlösung und gerechte internationale Beziehungen

  • und eine Erziehung im Geiste von Frieden und Verständigung zwischen den Völkern.


Wer sich über die Hintergründe und Vorgeschichte der Bundeswehrwerbung an den Schulen genauer informieren möchte, sollte die Bachelorarbeit von Lena Sachs lesen:

29.11.2014