Im Namen aller Opfer des Rassismus

"Nein zum Krieg" auf dem Platz der ehemaligen Synagoge
25.11.2014: Während eines Infostandes am 18. Oktober wurde der Friedenskreis von Herrn Baranski aufgefordert, ein Transparent mit der Forderung "Nein zum Krieg" aus dem Bereich der ehemaligen Synagoge zu entfernen. Wir sind dieser Aufforderung damals nicht nachgekommen, weil wir im Gegensatz zu Herrn Baranski der Meinung sind, dass diese Forderung nicht im Gegensatz steht zu der "Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1938", sondern im Gegenteil die Lehre aus den damaligen Geschehnissen zieht und deshalb nicht im Widerspruch steht zu der Bedeutung dieses Platzes. Nach einem Leserbrief von Herrn Baranski machte die Lokalpresse dies zu einer Kontroverse, zu der wir folgende Stellungnahme abgegeben haben:



Der Friedenskreis wurde bereits während des Infostandes am 18. Oktober von Herrn Baranski aufgefordert, ein Transparent mit der Forderung "Nein zum Krieg" aus dem Bereich der ehemaligen Synagoge zu entfernen. Wir sind dieser Aufforderung damals nicht nachgekommen, weil wir im Gegensatz zu Herrn Baranski der Meinung sind, dass diese Forderung nicht im Gegensatz steht zu der "Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1938", sondern im Gegenteil die Lehre aus den damaligen Geschehnissen zieht und deshalb der Ehrfurcht vor den Opfern gerecht wird.

Seit der Reichspogromnacht machte in Deutschland staatliche Gewalt im Interesse eigener Großmachtambitionen aus rassistischer Unterdrückung offenen Völkermord, der sich vor allem gegen die jüdische Bevölkerung richtete aber darüber hinaus in den überfallenen Ländern und unter den politischen Gegnern viele weitere Opfer forderte. Als politisch-geschichtlich Informierte und bewusste Bürger bemühen wir uns, diese Erfahrungen nicht nur zum Gegenstand von ehrfürchtigem Gedenken zu machen, sondern daraus die Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen.

Deshalb nehmen wir Stellung, wenn weltweit zur Durchsetzung eigener politischer oder wirtschaftlicher Interessen statt ziviler Konfliktlösung wieder vermehrt staatliche Gewalt gegen das höchste Menschenrecht, das Recht auf Leben, eingesetzt wird, und warnen vor einer Zunahme rassistischer Vorbehalte, die zur Legitimierung solcher Gewalt genutzt werden können. Der Friedenskreis sieht sich dabei als Teil der internationalen Friedensbewegung, in der Menschen vieler Nationen mit unterschiedlichen politischen Ansichten und Religionen zur Stärkung der Friedenspolitik zusammenarbeiten.

Wir stehen damit auch an der Seite jüdischer Persönlichkeiten in Deutschland, die sich mit der "Jüdische(n) Stimme für einen gerechten Frieden" (http://www.juedische-stimme.de) zwischen Palästina und Israel einsetzen. Wir stehen an der Seite von über hundert jüdischen Professoren in den USA, welche dieselben Forderungen erheben wie wir. Wir warnen wie der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, vor einer Verschärfung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern, weil israelische Politiker die Palästinenser provozierten. Wir verweisen auf den jüdischen Professor Moshe Zuckermann mit seinem neuesten Buch "Israels Schicksal: Wie der Zionismus seinen Untergang betreibt" und den jüdischen Professor Norman G. Finkelstein, Sohn von Holocaust-Überlebenden, mit dem Buch "Antisemitismus als politische Waffe. Israel, Amerika und der Mißbrauch der Geschichte." Sie alle würden an einem Spruchband mit der Aufschrift "Nein zum Krieg" im öffentlich zugänglichen Bereich einer ehemaligen Synagoge keinen Anstoß nehmen.

Unsere gemeinsame Kritik an einer Regierungspolitik, die auf gewaltsame Lösungen setzt, ist deshalb in keiner Weise gleichbedeutend mit Vorbehalten gegen die Bevölkerung eines Landes. Der von Herrn Baranski in den Raum gestellte Vorwurf des Antisemitismus wird deshalb unserem gemeinsamen Bemühen um die Überwindung des Rassismus nicht gerecht.
25.11.2014