Auf der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag 2014:

"Kein Krieg" - "Was soll das denn?"
16.11.2014: "Der Blick zurück kann unsere Aufmerksamkeit schärfen und uns warnen, was kommen kann, wenn wir unachtsam werden." Diesen Satz aus dem Geleitwort des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Volkstrauertag 2014 nahm der Friedenskreis Castrop-Rauxel auf und forderte bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung auf dem Waldfriedhof: "Kein Krieg". Die spontane Reaktion eines Teilnehmers "Was soll das denn?" macht deutlich, dass die Mahnung der Millionen Toten zweier Weltkriege auch angesichts von Krabkränzen ungehört verhallen kann. Wir haben uns deshalb auch im Stadtanzeiger zu Wort gemeldet mit folgenden

Gedanken zum Volkstrauertag 2014

Zum Volkstrauertag organisiert der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge alljährlich Gedenkfeiern für die zivilen und militärischen Opfer der beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts.

Die unfassbaren Zahlen von 17 Millionen Todesopfern im Ersten Weltkrieg und von schätzungsweise 60 Millionen Toten im Zweiten, davon weit mehr Zivilisten als Militärangehörige, haben nach dem Zweiten Weltkrieg zu der Forderung geführt: "Nie wieder Krieg!" Über den Gräbern werden jedes Jahr friedliche Beziehungen der Staaten untereinander und gewaltfreie Lösungen von Konflikten beschworen. Aber die Mahnung aus den Gräbern ist seit 1989 wirkungslos geworden.
Das im deutschen Grundgesetz nach 1945 festgeschriebeneVerbot von Angriffskriegen wird zunehmend missachtet. Deutsche Soldaten stehen 2014 in 16 Einsatzgebieten in aller Welt von Zentralafrika bis Afghanistan. Wie viele neue Todesopfer in anderen Ländern durch neue deutsche Schuld gefallen sind, wird nicht gezählt, beziehungsweise geheim gehalten.

100 Jahre nach dem Beginn des ersten Weltkriegs und 73 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion erleben wir eine mit bewussten Lügen, Verdrehung von Fakten und erfundenen Vorwürfen gespickte Propaganda gegen Russland und seinen Präsidenten. Es ist zu befürchten, dass dies als Vorbereitung eines neuen Kriegs gegen Russland zu werten ist. Die Vorstufe, der Wirtschaftskrieg mit Sanktionen, ist bereits in vollem Gange. Der deutsche Vier-Sterne-General Hans-Lothar Domröse kündigt eine neue schnelle Eingreiftruppe der Nato an, die schon 2015 an Russlands Grenzen einsatzbereit sein soll.
Angesichts dieser Situation sind wir der Meinung, dass das Totengedenken am Volkstrauertag eine Mahnung sein muss, Kriege als Fortsetzung der Politik abzulehnen. Die Anwesenheit von Bundeswehrangehörigen in Uniformen am Volkstrauertag wird daher dem Gedenken des Tages nicht gerecht. Sie repräsentieren eine staatliche Gewalt, die schon wieder Kriegsopfer gefordert hat und die in die Planungen des nächsten Kriegs gegen genau das Land einbezogen ist, das mit 27 Millionen Toten im Zweiten Weltkrieg die meisten Opfer deutscher Aggression zu ertragen hatte.

Um in das Gedenken vor allem auch diese Opfer des deutschen Angriffskriegs einzubeziehen, hat der Friedenskreis an den Gedenkstelen für die mehr als 200 sowjetischen Kriegsopfer aus dem Zwangsarbeitslager in Castrop-Rauxel Blumen niedergelegt.
16.11.2014