Keine Führungszentrale für künftige Luftkriege in Kalkar

Kriegsgegner demonstrierten in Kalkar am Tag der deutschen Einheit
6.10.2012: Klein und belächelt war die Demonstration von 134 Kriegsgegnern in Kalkar, die den "Tag der Deutschen Einheit" am 3. Oktober 2012 auf etwas andere Weise begehen wollten. In teils heftigem Regen demonstrierten sie auf dem Marktplatz von Kalkar und vor der "Von-Seydtlitz-Kaserne" unter dem Motto "Krieg beginnt hier". Aufgerufen dazu hatten die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) und das "Ostermarsch Rhein Ruhr Komitee".

"Raketen sind Magneten"

Ohne jede Diskussion im Bundestag und unbemerkt von Medien und Öffentlichkeit haben sich in Kalkar-Uedem die Bundeswehr mit ihrer "Führungszentrale Nationale Luftverteidigung" und die NATO - Führungszentrale "Combined Air Operation Centre" für künftige Luftkriegsoperationen zusammengetan, durch autonome Handlungen der Militärapparate ohne Beschlüsse der Politik. Von Kalkar-Uedem aus wird der gesamte nordeuropäische Luftraum nördlich der Alpen überwacht. Hier simulierte die NATO auch das neue Raketenabwehrsystem, das sich angeblich gegen die (imaginäre) Gefahr iranischer Raketenangriffe richtet, in Wahrheit aber gegen Russland. Eine gefährliche Einrichtung, denn sie könnte zum Ziel russischer Raketen werden, sollte die NATO von Kalkar aus tatsächlich einmal Luftangriffe auch auf Russland oder Iran starten.

NATO frisst das nächste Hauhaltsloch mit Planungen für den Krieg

Auf der Demonstration sprach Reiner Braun von der IALANA, der Vereinigung internationaler Juristen gegen atomare, biologische und chemische Waffen, von den immensen Geldern , die für die Rüstung ausgegeben werden: 1,7 Billionen Euro jährlich, davon 75 Prozent durch die NATO. Er kritisierte, dass die NATO, statt die Atomwaffen abzuschaffen, sie für 700 Milliarden Euro modernisiere. Kalkar stehe für die Planung von Krieg, einen Krieg für Interessen, die nicht unsere seien, sondern die der Wirtschaft und Konzerne. NATO stehe für Krieg und es sei nötig, die NATO und ihre Kriegseinsätze immer wieder zu deligitimieren.

Auch Ulrich Sander von der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" ( VVN/BdA) stellte heraus, dass es in Kalkar nicht um Verteidigung gehe, sondern um Kriegsführung im 21.Jahrhundert und verwies auf die unter genau diesem Titel angesetzte NATO-Tagung in Kalkar. Das Wort "Frieden" tauche im Sprachschatz der NATO nirgendwo auf. Bereits 2013 wolle man in Kalkar für die weltweite Luftkriegsführung "gerüstet" sein. Die Zahl der Soldaten vor Ort sei deshalb schon um 400 aufgestockt worden. Er verurteilte die Pläne von Bundesverteidigungsminister de Maiziere zur Anschaffung von Drohnen und die in Kalkar bereits durchgeführten Simulationsspiele zum Abschuss von zivilen Passagierflugzeugen, was das Bundesverfassungsgericht ja eindeutig für verfassungsgesetzwidrig erklärt hatte. Die Bundeswehr probt es trotzdem.

"Wir kommen wieder"

Ulrich Sander rief dazu auf, den 3.Oktober von nun an als alternativen nationalen Feiertag zu begehen, um daran zu erinnern, dass im Vereinigungsvertrag von DDR und BRD vor 22 Jahren ausdrücklich festgelegt worden war, dass das vereinte Deutschland sich nicht an Kriegseinsätzen beteiligen werde. Kalkar würde nun zum Symbol dieser vertragsbrüchigen Militärpolitik. Die Friedensbewegung solle an diesem Tag vor der Von-Seydtlitz-Kaserne den Anfang für wiederkehrende Proteste gegen die Kriegspolitik setzen. "Wir kommen wieder!" rief er den vereinzelten Soldatenzuschauern hinter dem Zaun zu.

06.10.2012