Zum Antikriegstag 2012

Nie wieder Krieg″ ohne deutsche Beteiligung ?
2.9.2012: Der Anti-Kriegstag 2012 wurde in der Fußgängerzone durch eine Veranstaltung des DGB gewürdigt, an der auch der Friedenskreis Castrop-Rauxel teilnahm. Der 1. September 1939, als deutsche Truppen Polen überfielen und damit die Gräuel des zweiten Weltkriegs einläuteten, dürfe niemals in Vergessenheit geraten, mahnte der Vorsitzende des DGB Castrop-Rauxel Udo Behrenspöhler und forderte: "Stadt und Land brauchen mutige Bürger, die nicht wegschauen, wenn das friedliche Miteinander gefährdet ist". Dieser Aufforderung entspricht der Friedenskreis Castrop-Rauxel seit Jahren durch regelmäßige Informationsveranstaltungen zur zunehmenden Militarisierung sowohl der internationalen Beziehungen als auch des gesellschaftlichen Klimas in Deutschland . Auch an diesem 1. September nahmen wir an einem Infostand mit einem Flugblatt Stellung und ließen dabei getreu der Bergpredigt "Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?" die Rolle der Bundesregierung nicht außer Acht, die im Laufe der Zeit aus dem "Nie wieder Krieg" ein "wieder Krieg" macht.

Wie der DGB betrachten auch wir mit tiefer Sorge, dass Konflikte zwischen Ländern mit Waffengewalt ausgetragen werden und haben seit Jahren dagegen protestiert. Dabei konnten wir im Verlauf der letzten zehn Jahre eine zunehmende Gewöhnung an und Befürwortung von Gewalt zur Durchsetzung der eigenen Ziele registrieren, die von den jeweiligen Regierungskoalitionen gefördert wurden. Auch der aktuelle Bundespräsident leitete in seiner Antrittsrede bei der Bundeswehr im Juni 2012 aus der deutschen Geschichte nicht etwa eine Verpflichtung zum Frieden, sondern zum Krieg ab. "Militärische Gewalt", so Bundespräsident Gauck, "kann - solange wir in der Welt leben, in der wir leben - eben nicht einer geheilten, sondern in einer tief gespaltenen Welt, sinnvoll sein, um ihrerseits Gewalt zu überwinden oder zu unterbinden. Deshalb: Ohne uns' als purer Reflex kann keine Haltung sein, wenn wir unsere Geschichte ernst nehmen." Die Bundeswehr müsse "einem gerechten Frieden' den Weg bahnen" und in der Lage sein, "friedliche Koexistenz zu schaffen , dort wo Hass regiert."

Afghanistan, ein Beispiel friedlicher Koexistenz?
Wie lange soll ein "gerechter Frieden" mit militärischen Mitteln durchgesetzt werden, die immer mehr Widerstand hervorrufen? 550 Mrd. Dollar haben die USA, über 20 Mrd. Dollar hat auch die Bundesregierung bisher für den Krieg ausgebeben. Nach mehr als zehn Jahren wurde damit keine friedliche Koexistenz erreicht, sondern die Widerstandsaktionen nehmen zu, weil sich die soziale Lage dramatisch verschlechtert und die Zahl der zivilen Opfer ständig steigt. In den vereinzelten Meldungen der Presse wird die zunehmende Intensität der Auseinandersetzungen im letzten Jahr nicht wiedergegeben, z.T. weil die meisten Kampfhandlungen mittlerweile "innerafghanisch" zwischen Widerstands- und Regierungstruppen ausgetragen werden, während westliche Militärs als Berater im Hintergrund bleiben.
Das Versprechen "friedlicher Koexistenz" durch militärische Mittel wird durch die Entwicklung in Afghanistan seit Jahren Lügen gestraft und erweist sich bei unvoreingenommener Betrachtung als Versuch, den Einsatz von Krieg zur Durchsetzung der eigenen Interessen zu legitimieren.

Wir sind deshalb der Meinung, dass jeder, der die Aufrufe des Antikriegstages 2012 ernst nimmt, sich über allgemeine Stellungnahmen heraus fragen muss, wie er zu den aktuellen militärischen Auseinandersetzungen steht, an denen die eigene Regierung beteiligt ist und entsprechend Zeichen setzen sollte. Stellvertretend für diese Einstellung sei die Stellungnahme des Friedensratschlags in Kassel genannt.
03.09.2012