Der atomare Krieg findet längst statt

Abgereichertes Uran: Die Waffe, die immer weiter mordet
11.8.2012: 67 Jahre nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki erinnerte der Friedenskreis Castrop-Rauxel an die Opfer und nahm das Gedenken an die 200.000 Toten und Verstrahlten zum Anlass, über den gegenwärtigen alltäglichen Einsatz von atomaren Waffen mit angereichertem Uran zu sprechen, über den offiziell geschwiegen wird.

Bei der zivilen Nutzung von Atomenergie entsteht bei der Anreicherung von Uran 235 als Abfallprodukt abgereichertes Uran 238. Statt es zu entsorgen – aber wie und wo? - wurde es an die Rüstungsindustrie verkauft, die damit besonders gehärtete Munition mit panzer- und bunkerbrechender Wirkung entwickelte. Diese Munition wurde in allen NATO-Kriegen seit dem ersten Golfkrieg von George Bush Vater 1991 eingesetzt, die demnach alle atomare Kriege waren.
Beim Aufprall der Uranmunition auf ein gepanzertes Ziel explodiert die Munition bei extrem hohen Temperaturen von 3.000 bis 5.000° Celsius. Dabei entstehen sehr feine Uranoxidstäube, die, weit über das Land verstreut, eingeatmet werden oder über die Nahrung und das Grundwasser in den menschlichen Körper gelangen. Der Mensch kann ihnen nicht mehr entkommen. Die Partikel bewirken Leukämie, Lungen- und Nierenkrebs. In den Spermien verändern sie das Erbgut, was zu Krebskrankheiten der Kinder und Missbildungen bei Neugeborenen führt. In allen anderen Kriegsgebieten, in Bosnien, dem Kosovo, Serbien und Montenegro, im Irak und Afghanistan treten auffallend gehäuft dieselben Folgen auf. Irak ist von den Folgen der Uranmunition wahrscheinlich irreparabel getroffen. Im zweiten Golfkrieg wurden 2.000 Tonnen radioaktiven Materials dort abgefeuert. Die Uranpartikel lagern überall. Bei jedem Sandsturm werden sie über das ganze Land verteilt.

Da die Lebensdauer von abgereichertem Uran (DU) 4,5 Milliarden Jahre beträgt und eine Dekontamination des Landes kaum möglich ist, wird der Krebstod zehntausendfach weiter wüten, zumal genetische Schäden an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden. Viele Kriegsopfer sind also noch gar nicht geboren. Im Irak wurde, wie in den anderen Ländern, ein atomarer Krieg geführt. Das Ergebnis läuft auf Völkermord hinaus.

Nach den Genfer Konventionen müssten die Uranwaffen verboten sein, weil sie besonders grausam sind, zu überflüssigen Leiden führen und vor allem die Zivilbevölkerung schädigen. Da die USA, aber auch Großbritannien und Frankreich auf Uranwaffen wegen deren Effektivität und Preisgünstigkeit nicht verzichten wollen, bestreiten sie den Zusammenhang von atomarer Strahlung und gesundheitlichem Desaster. Wissenschaftliche Untersuchungsreihen müssten erst den Nachweis bringen. Diese aber werden nur wenige vor Ort durchführen wollen, weil sie mit der eigenen Verstrahlung enden könnten.

Gegen einen Resolutionsentwurf zur Ächtung der Uranmunition, der von der Bewegung der blockfreien Staaten bei der UN eingereicht worden war, stimmten 2010 Frankreich, Großbritannien, Israel und die USA. Das Europäische Parlament hat bereits 2008 die internationale Ächtung der Uran-Munition gefordert. In Deutschland hat DIE LINKE die Bundesregierung ebenfalls 2008 dazu aufgefordert, sich für ein Verbot der Uranmunition einzusetzen. Die Organisation Ärzte gegen den Atomkrieg IPPNW setzt sich für eine internationale Uranwaffen-Konvention ein.

Wir forderten anläßlich des Gedenktages an die Toten von Hiroshima und Nagasaki erneut von Bundesregierung und Bundestag, im wahren Sinne des Wortes Verantwortung in der Welt zu übernehmen und beizutragen zur:

Abschaffung und Ächtung aller Atomwaffen

Vernichtung und Ächtung aller Uranmunition
11.08.2012