Werden die USA und ihre Verbündeten auch gegen Iran in den Krieg ziehen?

Irak und Iran - alte und neue Kriegstreiberei

29.1.2012: Am 28.1.2012 warnte der Friedenskreis Castrop-Rauxel bei seinem monatlichen Infostand mit einem Flugblatt vor der wachsenden Kriegsgefahr im Nahen Osten und erinnerten an die mediale Vorbereitung des Überfalls auf den Irak, der in der heutigen Berichterstattung über den Iran seine Parallen hat. Obwohl die damals heraufbeschworene Gefahr durch Massenvernichtungswaffen niemals bestätigt werden konnte und sich als Lüge erwiesen hat, wird nun in gleicher Weise auf eine atomare Bedrohung aus dem Iran hingewiesen, für die es ebenfalls bisher keinen Beweis gibt, um die geostrategischen Interessen der westlichen Länder unter der Führung der USA durchzusetzen: sich den "Größeren Mittleren Osten" von der Türkei bis Pakistan mit seinen Energiereserven wirtschaftlich gefügig zu machen.
Wir erinnerten noch einmal an die unmitttelbaren Folgen des Irakkrieges:

  • Nach Schätzungen der UN geht die Zahl der Toten in die Hunderttausende, die der Verletzten ebenso. Vier Millionen Iraker sind Flüchtlinge im In- und Ausland, 400.000 leben in Notunterkünften.

  • Nach einer UN-Untersuchung von 2006 sind in 13 von 18 Provinzen etwa 4000 Gebiete mit etwa 20 Millionen Minen und mehr als 50 Millionen nicht explodierter Streubomben verseucht, insbesondere landwirtschaftliche Nutzgebiete und die Dattelpalmenhaine entlang den Grenzen zu Iran und Saudi-Arabien, sowie die Ölfelder im Süden und Norden des Landes. Wieviel davon Uranmunition ist, die das Land auf Dauer verseucht und schwere gesundheitliche Schäden verursacht, ist nicht bekannt. Rund 1,6 Millionen Iraker leben in den betroffenen Gebieten, etwa ein Drittel davon sind Kinder.

  • Der Preis des Krieges für die USA: 4.500 getötete GI's, 32.000 Schwerverwundete, fast jeder dritte aus Irak zurückkehrende US-Soldat hat wegen der erlebten Vorfälle erhebliche psychische Probleme (Allein 2005 haben sich mehr als 6000 US-Veteranen aus den Feldzügen der vergangenen Jahrzehnte das Leben genommen) und 1.000 Milliarden Dollar direkter Ausgaben trotz steigender Armut im eigenen Land.


Die mediale Vorbereitung des Krieges bestand in dem immer wiederkehrenden Hinweis auf drohende Massenvernichtungswaffen, die später nie gefunden wurden.

Sie erinnern sich doch? Im Juni 2003 erblicken die Täuschungen, mit denen der Irakkrieg vorbereitet wurde, das Licht der britischen Öffentlichkeit. Aber schon vor dem Irak-Krieg wurden sie von der englischen Friedensbewegung aufgedeckt: Der britische Geheimdienst hatte Infos über die gefährlichen Waffen des Irak aus einer 12 Jahre alten Studentenarbeit abgeschrieben - samt Rechtschreibfehlern. Und an entscheidenden Stellen hat man einfach aus Sätzen wie "Unterstützung von Organisationen" solche Sätze wie "Unterstützung von terroristischen Gruppen" gemacht, damit es schön gefährlich klingt. Und die Erkenntnis des britischen Geheimdienstes, Saddam habe im Niger 500 Tonnen waffenfähiges Uran gekauft, wurde von Bush in seiner Rede an die Nation am 28. Januar verkündet. Der als Beweis vorgelegte Briefwechsel war aber schon Monate vorher als Fälschung enttarnt worden (Spiegel online, 7.6.2003). Briefkopf und Datum passten einfach nicht, weil der im Brief genannte Minister zu diesem Zeipunkt nicht Minister war. Und die Zusammenarbeit zwischen Saddam und Al Kaida? Auch hier hatte der CIA schon vor dem Irak-Krieg entschieden abgewunken. Aber all das wollte offenbar außer der Friedensbewegung vor dem Krieg niemand so genau zur Kenntnis nehmen.
Trotzdem ist heute in den Medien dieselbe Art der Kriegsvorbereitung für einen Überfall auf den Iran zu finden. Das Land, das den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und dadurch seinen Verzicht auf Atombomben erklärt hat, ist wie alle anderen Länder zu einer friedlichen Nutzung der Atomtechnologie berechtigt. Folgt man den Bestimmungen des Atomwaffensperrvertrages bedeutet die Haltung der USA, die dem Iran den gesamten Zugriff auf die Atomtechnologie verwehren wollen, einen klaren Bruch dieses Abkommens, das beide Staaten unterzeichnet haben. Für die Behauptung, nach der Atombombe zu streben, haben die Inspektionen der IAEO bisher ebensowenig Beweise gefunden wie für die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Iraks, womit aus der Behauptung eine Unterstellung wird, die nur die Aufgabe hat, in den Augen der Bevölkerung alles zu rechtfertigen, was zur Zeit an Maßnahmen ergriffen wird in einem Wirtschaftskrieg, der möglicherweise auf dem Weg zu einer Eskalation zu einem Krieg mit militärischen Mitteln ist.

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29.01.2012