Hiroshima und Nagasaki mahnen

Atomwaffen endlich abschaffen
7.8.2011: 66 Jahre nach den verheerenden Atombombenabwürfen über Hiroshima (6. August) und Nagasaki (9. August 1945) fanden in Deutschland über 70 Veranstaltungen statt, um an die Oper zu erinnern und auf die weiter bestehenden atomaren Gefahren hinzuweisen. Der Friedenskreis Castrop-Rauxel beteiligte sich mit einem Infostand am 6.8.2011 vor der Lambertuskirche.

66 Jahre nach der grauenhaften Vernich- tung der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki durch zwei Atombomben der USA ist die Einsicht in die Verwerflichkeit dieser Waffen noch immer nicht zu einer Grunderkenntnis der internationalen Politik geworden.

Abrüstungsverträge bisher kein Weg zu echter Abrüstung

Zwar hat die Gefahr eines weltumgreifen- den Atomkriegs bereits 1970 zum Atom- waffensperrvertrag geführt; zwar gibt es seit 1996 den Nuklearen Teststoppvertrag und die "START"-Verträge zwischen den USA und Russland, aber sie alle führten nicht zu einer echten Abrüstung auf Null, wie sie der Atomwaffensperr- vertrag verlangt.

Zahlenangaben über die in der Welt gelagerten Atomwaffen weichen je nach Quelle stark voneinander ab. Nach dem seriösen schwedischen SIPRI-Institut wurde für 2011 weltweit insgesamt die ungeheure Zahl von 20.500 Sprengköpfen ermittelt. Bis zu 11.000 davon soll Russland horten, 8.500 die USA; 200 Atombomben der USA lagern in 5 NATO-Staaten in Europa, 20 davon in Büchel in der Eifel!

Die Regierungen tricksen und täuschen

Die im April 2010 zwischen den USA und Russland im neuen "Start"-Vertrag ausge- handelten Reduzierungen haben nur zur Ausmusterung von überalterten Sprengköpfen geführt; statt abzurüsten wurden die tatsächlichen Bestände klein gerechnet und überzählige Waffen als Reserven eingelagert. Natürlich können diese im Ernstfall wieder aktiviert werden. Schuld an dieser Trickserei ist Friedensnobelpreisträger Obama, der nicht auf den Bau des von Präsident Bush geplanten "Raketenabwehrschirms" verzichten will. Russland sieht sich davon bedroht und fürchtet Überraschungsangriffe der USA.

Abrüstung scheitert an den USA

US-Präsident Obama hat in seiner Rede vom 4. April 2009 in Prag Hoffnung geweckt, als er von seiner Vision einer atomwaffenfreien Welt sprach. Allerdings sah diese Vision nur alle anderen Staaten atomwaffenfrei; für die USA behielt er sich den Einsatz von Atomwaffen zur Abschreckung und zur "Verteidigung" seiner Verbündeten ausdrücklich vor.
Obama ist entweder ein Lügner und Täuscher oder aber er ist hilflos dem USA-Militärapparat ausgeliefert. Denn dieser arbeitet daran, die atomare Überlegenheit der USA für die nächsten Jahrzehnte massiv auszubauen. Die Militärstrategen des Pentagon fordern die unglaubliche Summe von 213 Milliarden US-Dollars für die Modernisierung der Atomwaffen innerhalb der nächsten zehn Jahre. Die Kosten liegen deutlich über denen aus den Zeiten von George Bush. 92 Milliarden Dollar hat Obama schon genehmigt. Auch die in Europa lagernden Bestände sollen zur Verlängerung ihrer Nutzungsdauer modernisiert werden. Die "Eifelbombe" in Büchel soll zwecks größerer Zielsicherheit mit steuerbaren Heckflossen neu kon- struiert werden. 2017 soll das erste Exemplar einsatzbereit sein.

Die NATO bleibt ein nukleares Bündnis

Auch die NATO hat 2010 auf ihrem Gipfeltreffen in Lissabon ihre Atomstrategie bekräftigt und sogar den Ersteinsatz von Atomwaffen nicht ausge- schlossen. Frankreich und Großbritannien modernisieren ihre eigenen Atomwaffen. London plant zu Kosten von 28 Milliarden Euro die Modernisierung der vier atombestückten und atombetriebenen U-Boote. Jedes dieser U-Boote kann bis zu 16 Langstreckenraketen aufnehmen, die ihrerseits mit je 200 Sprengköpfen versehen sind. Jeder dieser Sprengköpfe hat die 200fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe! Es fragt sich, in welchen Kriegen diese alle eingesetzt werden sollen!

Atomwaffen in der Eifel

Seit 50 Jahren lagern beim Jagdbomber- geschwader 33 in Büchel in der Eifel 20 US-Atombomben. Da die Bundesrepublik den Atomwaffensperrvertrag unterschrie- ben hat, ist dies illegal. Ebenso illegal ist es, dass in einem von der NATO ausgerufenen (Atom)krieg, deutsche Kampfpiloten diese Bomben abwerfen sollen. Viele Friedensinitiativen bemühen sich seit Jahren um einen Abzug der Bomben. Sogar der Bundestag hat 2010 die Bundesregierung aufgefordert, die USA zum Abtransport der Waffen zu bewegen. Geschehen ist allerdings nichts. Die Bundesregierung fürchtet offensichtlich den Zorn der USA

Atomwaffenfrei bis 2020

Zahllose Friedensinitiativen, darunter die "Bürgermeister für den Frieden", denen sich Bürgermeister Johannes Beisenherz angeschlossen hat, fordern unermüdlich die vollständige Beseitigung aller Atom- waffen. Angesichts der Aufrüstungsaktivitäten der USA, der NATO und der EU-Länder ein beinahe aussichtsloses Bemühen, zumal die Kriege der USA und ihrer Willigen gegen Irak, Afghanistan und jetzt gegen Libyen verheerende Signale sezten: weitere Länder werden nach der Atombombe streben, um vor NATO-Überfällen sicher zu sein. Libyen und Gaddafi sind das beste Beispiel dafür: 2003 hatte Gaddafi auf sein Atomwaffenprogramm verzichtet, wofür er im Gegen- zug eine Sicherheitsgarantie der USA erhielt. Derartige Hinterhältigkeit in der internationalen Politik kann nur zu atomarer Aufrüstung weiterer Länder führen. Auch Saddam Hussein wäre nicht angegriffen worden, wenn er die behaup- teten Atomwaffen tatsächlich gehabt hätte.

Der Friedenskreis forderte deshalb von der Bundesregierung und den Bundestagabgeordneten

  • die Ablehnung weiterer Kriegsbeteiligungen

  • die Beendigung des Kriegs gegen Afghanistan

  • auf ein sofortiges Ende des Kriegs gegen Libyen hinzuwirken

  • die Atomaufrüstung der NATO-Staaten abzulehnen.
07.08.2011