Friedliche Nutzung von Atomenergie in einem unfriedlichen Land

Uran und die Atomenergie

29.10.2006: Eckart von Klaeden, der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, bemerkt im Gespräch mit dem Spiegel zum Kongo: "Es gibt dort eine Reihe von sicherheitsrelevanten Bodenschätzen - etwa Uran oder Beryllium, die nicht in die Hände von Unbefugten kommen dürfen".( SPIEGEL ONLINE.17.3.2006.) In den Händen derjenigen, die zu seinem Abbau befugt waren, war es allerdings nicht besser aufgehoben: Uran aus dem Kongo war in den Bomben von Hiroshima und Nagasaki.

Die Mine Shinkolobwe

Es kam aus den Minen von Shinkolobwe in Katanga. 1915 eröffnete die belgische Gesellschaft Union Minière du Haut-Katanga dort eine Mine und förderte Uran. Mit dem Verkauf für das US-amerikanische Atombombenprogramm machte sie zunächst gute Gewinne. Nach der deutschen Okkupation Belgiens im Mai 1940 mussten die Belgier aber die Anlage schliessen und die USA konnten ihren Einfluss auf die Uran-Radium-Vorkommen ausbauen. 1942 zwangen die USA Belgien und Großbritannien, ihnen das Erwerbsrecht auf alles in Belgisch-Kongo geförderte Uranerz zu überlassen.

Nach 1945 erneuerten die Belgier ihre Besitzansprüche und die Minen förderten bis zur Unabhängigkeit 1960 insgesamt 326.361 Tonnen Mineral. Damals legten die belgischen Besitzer die Anlage still, nachdem sie überflutet war, und nahmen dabei auch alle technischen Unterlagen mit.

Unter Mobuto blieb das Gelände unter militärischer Bewachung bis 1997. Kurz vor seinem Sturz durch die Rebellion von Laurent Kabila brauchte er Geld. Er ließ in Shinkolobwe wieder graben und das Schürfprodukt von seinem belgischen Freund George Forrest nach Finnland verkaufen, um mit dem Erlös Waffen zu kaufen.

Ohne Erfolg. Mobuto wurde kurz darauf gestürzt, Forrest schlug sich auf die Seite des Siegers Laurent Kabila. Die Mine befindet sich heute noch im Besitz von Gecamines, allerdings wurden bereits 2001 Konzessionsrechte an Rautenbachs Firma Ridgepoint International vergeben. Auf den ungeschützten Abbauhalden der alten Mine suchen seither Individualschürfer unter unmenschlichen Bedingungen völlig ungeschützt nach Mineralien, um zu überleben. Das radioaktive Material wird ebenfalls völlig ohne Schutzmaßnahmen auf Lastern nach Lubumbashi transportiert und illegal und unkontrolliert über die Grenzen verkauft. Zielländer sollen Indien, Pakistan, China und Südkorea sein.

2004 untersuchte eine Kommission der IAEA und der UNO die Mine und stellt höchste Gefährdung fest. Auf ihre Veranlassung ließ Joseph Kabila die Anlage schliessen, aber die Schürfer haben keine Alternative zum Überleben. Sie machen weiter. Auch die Präsidialgarde, die zumindest unter Laurent Kabila bei den Schürfern abkassiert haben soll, setzt das Dekret nicht durch.Verschiedene afrikanische Medien berichten im März 2005, dass das Uran weiter illegal über die Grenzen verkauft wird. Auf Druck der US-Regierung sollen die Sicherheitsmaßnahmen inzwischen verschäft werden.,

An die eigentlichen Uranvorkommen in größerer Tiefe kommen die Schürfer nicht heran. Sie werden zunehmend für internationale Unternehmen wieder interessant, denn nach einer Statistik der World Nuclear Association wurde in den vergangenen Jahren weniger Uran gefördert als verbraucht, so dass im Verlauf des Jahres 2005 der Uranpreis um 85 Prozent anstieg.( FAZ.net 28.3.2006).

US-Regierung fördert Atomenergie im Kongo

Währenddessen hatte die US-Regierung die Uranvorkommen im Kongo nicht aus den Augen verloren. Mit ihrer Hilfe wurde im Kongo der erste atomare Forschungsreaktor auf afrikanischem Boden gebaut. "Triga Mark I" wurde 1959 in Kinshasa als Atomforschungszentrum der Universität Kinshasa, Centre régional d'études nucléaires (Crenk) ) eröffnet, das seither ununterbrochen arbeitet, inzwischen aber mit einem anderen Atomreaktor Triga MK II. Dieser befand sich 2001 nach Angaben der IAEA in sehr schlechtem Zustand und sollte auf Drängen der USA geschlossen werden, aber die Regierung in Kinshasa leistete Widerstand. Heute befindet sich der Reaktor unter Aufsicht der IAEA, mit deren Geldern die friedliche Nutzung der Atomenergie im Kongo unterstützt wird. Gefördert werden Projekte zum Ausbau der Nuklearmedizin und zur Bekämpfung der Tuberkulose und der Tsetsefliege.

29.10.2006