Was mit Hilfe und unter den Augen der Weltbank so alles passiert..

25.10.2006: Weltbank und IWF sind die entscheidenden Schaltstellen beim Wiederaufbau im Kongo, denn sie vergeben nicht nur eigene Gelder, sondern koordinieren auch die Gelder, die auf Geberkonferenzen zur Verfügung gestellt werden. Dabei entscheiden sie nicht nur über die Investitionen, die gefördert werden, sondern beeinflussen in entscheidendem Maße die Politik der sogenannten Nehmerländer, weil die Auszahlung der Gelder über Strukturanpassungsprogramme und Länderstrategien an Voraussetzungen gebunden werden.

Weltbank-Kredite für den Diktator Mobuto

Unter der Herrschaft von Mobuto erhielt Zaire von der Weltbank mehr als 12 Milliarden Dollar an Finanzhilfen. Mobuto leitete hiervon etwa 5 Milliarden Dollar auf seine eigenen Konten. "Gelder der Weltbank und des IWF trugen dazu bei Mobuto zu stützen. Diese Institutionen wussten, oder hätten wissen müssen, dass ihre Kredite und Hilfen nicht der hoffnungslos verarmten Bevölkerung des Landes zu Gute kommen würden." Joseph Stiglitz, ehemaliger Vorsitzender der Weltbank.

Sie wußten es: Beispielsweise wies 1982 der deutsche Bankier Erwin Blumenthal in einem IWF-Bericht ausdrücklich auf die korrupte Unterschlagung der Gelder durch Mobuto hin (allerdings nicht aus der Sorge um die verarmte Bevölkerung, sondern aus der Sorge, dass die 5 Milliarden Schulden nicht zurückgezahlt werden würden). Ähnliche Berichte wurden nicht veröffentlicht. Im Gegenteil, Mobuto erhielt in den nächsten Jahren weitere 5 Milliarden Dollar an Krediten, denn er war während der Dauer des Kalten Kriegs ein strategischer Bündnispartner der westlichen Staaten. Erst nach dem Zusammenbruch der UdSSR verlor sich das Interesse an Mobutu. Die Darlehen der Weltbank begannen sich zu vermindern, Mobuto wiederum verweigerte die Zinszahlungen des Schuldendienstes. 1992 kam es zu einem Bruch mit den internationalen Finanzinstitutionen.

Um neue Kredite zu bekommen vereinbart Mobuto 1994 mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank ein Strukturanpassungsprogramm, in dem die Kredite an erste Privatisierungsmaßnahmen im Bergbau gebunden wurden. Teile des Staatsbetriebes Gecamines wurden daraufhin in joint ventures mit internationalen Unternehmen privatisiert. Ende 1997 waren über 100 vorläufige joint venture Verträge unterzeichnet und 200 weitere in der Schwebe. Viele dieser Verträge wurden von Mobutos Nachfolger Laurent Kabila allerdings 1998 revidiert.Günstig erworbene Konzessionen konnten in den folgenden Jahren wegen der unsicheren Rechtslage und der anhaltenden Kriegszustände nicht ausgebeutet werden.

Weltbank-Kredite für den gesellschaftlichen Umbau unter Joseph Kabila

Mit dem Versprechen großzügiger Wirtschaftshilfe wird eine Übergangsregierung unter Joseph Kabila installiert, der Zusammenarbeit mit westlichen Forderungen nach Privatisierung signalisiert. Der Wiederaufbau im Kongo wird in Angriff genommen. Kongos Übergangsregierung hat allerdings wenig Einfluss auf die wirtschaftlichen Rahmenprogramme für den Kongo, die vor dem Friedensvertrag von 2002 zwischen Weltbank, IWF und der damaligen Kriegsregierung von Präsident Joseph Kabila ausgearbeitet wurden.

Grundlagen des Wiederaufbaus

PRSP
IWF und Weltbank verlangen, dass Länder mit niedrigem Einkommen, die sich für externe Finanzmittel und Schuldenerleichterung qualifizieren wollen, ein Strategiepapier zur Armutsbekämpfung ("Poverty Reduction Strategy Paper" - PRSP) vorlegen - eine Art "nationale Entwicklungsstrategie" für drei Jahre. Bei der Ausarbeitung eines PRSP werben Regierungen oft um Mitarbeit einer breiten Palette einheimischer Wähler. Vorgeblich ist ein Hauptzweck von PRSPs, eine stärkere Eigenverantwortung ("Ownership") der Länder für ihre zukünftige Entwicklung zu sichern. Diese Eigenverantwortung kommt aber in der Realität häufig deshalb nicht zustande, weil Geber und Gläubiger bei der Ausarbeitung der PRSPs wegen der Kredite, die sie zu vergeben haben, die dominierende Rolle spielen. In diesem Sinne muss jedes PRSP vom Exekutivdirektorium des IWF und der Weltbank gebilligt werden. Das PRSP soll eigentlich einen Rahmen für Auslandshilfe schaffen, aber das ist nicht immer der Fall. Die Bank nimmt die in den PRSPs enthaltenen politischen Maßnahmen nur selektiv in ihre Länderstrategien CAS auf.

Auch im Kongo ist ein PRSP Voraussetzung für Kredite von Weltbank und IWF sowie Schuldenerlass. Im März 2002 legte Kongo ein Interim-PRSP vor, in dem folgende Grundsätze verankert sind:

  • Wiederherstellung und Konsolidierung des Friedens sowie Good Governance
  • Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums, wobei Wirtschaftswachstum an sich als armutsmindernd angesehen wird
  • Veränderungen im Steuer- und Zollsystem, um die Einnahmen der Regierung zu vergrößern und effizientere Gestaltung der Ausgaben.
    (Bei der Sanierung des Staates ist die Priorität von IWF und Weltbank vor allem Sparen. So war eine Bedingung für die Freigabe eines Weltbankkredits für den Bergbausektor 2003 die Frühverrentung von 10.000 Mitarbeitern des größten staatlichen Bergbaukonzerns Gécamines. Im gesamten Staatsdienst verlangen die Geldgeber jetzt über 70.000 Entlassungen.)TAZ 22.6.2004
  • Ein Nationales Frauenförderprogramm für besserer Zugang zu Bildung und anderen sozialen Dienstleistungen, sowie Abschaffung rechtlicher und kultureller Diskriminierung von Frauen.
Partizipation

Hinsichtlich der partizipativen Ausarbeitung des Papiers bemerkt die Organisation PRSP-watch, dass die Regierung sich um eine breit angelegte Partizipation bemühe, das Echo von NGO's, Privatsektor und Medien allerdings relativ gering sei. Als Gründe dafür werden neben anhaltender Verwicklung in den Krieg fehlende Kompetenz in den Bereichen "Advocacy und Wirtschaftspolitik" gesehen. Entscheidend für die Ernsthaftigkeit des Bemühens um breite Partizipation scheint uns allerdings der Hinweis, dass der Entwurf des PRSP nur in Englisch veröffentlicht wurde.
"Alle Vorgaben kommen aus Washington", ereifert sich CNONGD-Generalsekretär Félicien Malanda (Nationalrat der NGOs für Entwicklung). "Die Regierung lädt uns in Hotels ein, damit wir irgendwelchen Strategien zustimmen, aber wir würden gern bei der Ausarbeitung einer Strategie mitmachen. Wir haben schließlich auch Experten." (TAZ 22.6.2004 )

Länderstrategie CAS (Country Assistance Strategy)

Für jedes Nehmerland arbeitet die Bank eine Länderstrategie aus, in der die geplanten Investitionen für einen mittelfristigen Zeitraum (z.B. drei Jahre) festgehalten werden, ebenso welche politischen Bedingungen ("performance triggers") eine Regierung umsetzen muss. Das Dokument ist von Bedeutung, weil es festlegt, welche von der Bank finanzierten Vorhaben in Zusammenarbeit mit anderen Gläubigern und Gebern an Ort und Stelle tatsächlich durchgeführt werden. Wenn eine politische Bedingung für einen Kredit in einer Länderstrategie der Weltbank enthalten ist, so hat die Nichtbefolgung harte Konsequenzen. Bei Nichterfüllung kann einem Staat der Zugang zu einer Kette von Darlehen verwehrt werden, und in bestimmten Fällen kann die Weltbank die Unterstützung für einen Sektor oder ein Land ganz streichen und zusammen mit dem IWF die Schuldenerleichterung aussetzen.

2001 erarbeitet die Weltbank die erste Strategie für ihre Kongo-Aktivitäten (Transitional Support Strategy) und eröffnet wieder ein Büro in Kinshasa. 2004 schätzt die Weltbank ein, dass sie ihre Strategieziele von 2001 erfolgreich umsetzen konnte und nennt als Meilensteine dieser Entwicklung:

1. vor allem die intensive Beratung bei politischen Entscheidungen, insbesondere:
- bei der Formulierung des iPRSP
- bei der Ausarbeitung und Formulierung der neuen Gesetzgebung: Minengesetz, Forstgesetz, Bankengesetz und Investitionsgesetz

2.die praktische Hilfe bei der Regierungsführung, insbesondere:
- Unterstützung des Antikorruptionsprogramms der Regierung
- Revision der öffentlichen Ausgaben
- Einrichtung einer Investitionsförderungsagentur,
- Einrichtung eines Komitees zur Reform der Staatsunternehmen
- Einrichtung einer Regulierungsbehörde im Telekommunikationssektor

In der zweiten Transitional Support Strategy von 2004 werden erneut Prioritäten und Art der Hilfe nach einem vorgeblich partizipatorischen Diskussionsprozess für 2 Jahre festgelegt. Beteiligt sind dabei außer der Weltbank nicht nur Regierung und NGO's im Kongo, sondern auch der Privatsektor und andere Geber. Diese Strategie unterstellt ausdrücklich einen mit demokratischen Mitteln nie erhobenen "breiten Konsens zu einer Marktwirtschaft mit Rückzug des States aus produktiven Wirtschaftsunternehmen und Beschränkung des Staates auf soziale Aufgaben in Zusammenarbeit mit NGOs".

Die neue Strategie umfasst Maßnahmen zur:
- Demobilisierung und Reintegration ehemaliger Kämpfer,
- regelmäßigen und angemessenen Bezahlung von Staatsangestellten und Eliminierung von "Geisterarbeitern" (Korruptionsbekämpfung)
- Klärung der Beziehungen zwidschen zentralen und regionalen Autoritäten
- Wiederherstellung juristischer Sicherheiten
- weiterhin intensive Beratung bei der Entwicklung von Wirtschaftsfragen, Infrastrukturmaßnahmen, Privatisierungsmaßnahmen, Nutzung der Naturreichtümer und Landwirtschft.
- Förderung zentraler und dezentraler Institutionen, Transparenz und juristischer Reformen
- Soziale Projekte bei Erziehung, Gesundheit, insbesondere Aids und Wasserversorgung.

Weltbankprojekte zum Wiederaufbau

Diese Ziele werden durchgesetzt mithilfe einzelner Projekte. Offizielles Ziel der Weltbank ist die Sicherung des Friedens, Förderung des Wirtschaftswachstums, gute Regierungsführung und Armutsbekämpfung. Sehen wir uns an, welche Projekte gefördert werden:

1. 2001 wurde als erstes ein 50 Millionen-Kredit für ein Wiederaufbau-Notprogramm zur Verfügung gestellt. Damit werden sofort die entscheidenen Weichen gestellt: Es bietet Unterstützung bei Wirtschaftsreformen, insbesondere bei der Ausarbeitung eines neuen Minen- und Investitionsgesetzes. Ferner soll die Regierungsführung bei der Verwaltung öffentlicher Einnahmen unterstützt werden. Als erste Infrastrukturmaßnahme soll die Verbindungsstrasse von Kinshasa zum Meer wiederhergestellt werden. Ein Bruchteil der Gelder dient der HIV-Bekämpfung.

2. Economic Recovery Project
Es folgt ein Jahr später im Juni 2002 ein weiterer Kredit über 450 Millionen für ein Wirtschaftsförderungsprojekt. Die Bemühungen um strukturelle Reformen werden intensiviert: Korruptionsbekämpfung, Kontrolle des Staatshaushaltes, Privatisierung der Staatsunternehmen, erste Maßnahmen in der Forstwirtschaft.

3. Emergency Multisector Rehabilitation And Reconstruction Project, EMRRP
Nur zwei Monate später im August 2002 folgt ein weiterer Kredit über 454 Millionen Dollar, mit dem sich die Weltbank an dem hauptsächlichen Wiederaufbauprojekt im Kongo beteiligte. Der Betrag wurde inzwischen wegen der Einbeziehung der ehemaligen Rebellengebiete auf 579 Millionen Dollar aufgestockt. Das "Multisektorielle Notprogramm für Wiederaufbau und Rehabilitation" über insgesamt 2,5 Milliarden deckt Projekte im Bereich Infrastruktur, Landwirtschaft, Gesundheit, Erziehung und Soziales ab.
Inhalte und Ausführung der Einzelprojekte unterliegen der Aufsicht der Weltbank, die alle Entscheidungen der kongolesischen Regierung kontrolliert. Im Programmdokument heisst es: "Das Finanzministerium wird alle wichtigen Verträge unterzeichnen, wenn kein Einspruch von der Weltbank eingeht" und "Zwei hochrangige internationale Berater werden dem Minister helfen. Sie werden im Regierungsauftrag den gesamten Bereich von Ausschreibung und Management überwachen."
Jetzt plötzlich muss die früher geduldete Korruption als Begründung für die Kontrolle der einheimischen politischen Organe durch die Institutionen der Welbank herhalten. Seit der Mobutu-Pleite herrscht Konsens im Ausland, dass zumindest Zentralbank und Finanzministerium des Kongo der internationalen Aufsicht bedürfen. "Wir haben in Zaire unsere Lektion gelernt!", betont Onno Rühl, der ständige Weltbankvertreter in Kinshasa. (TAZ 22.6.2004)

Die französische Beratungsfirma Sofreco, die in zahlreichen ehemaligen französischen Kolonien in Afrika Wirtschaftsreformen plant, soll das Projekt evaluieren. Dieselbe Firma wurde allerdings von der Weltbank mit der Übergangsverwaltung von Gecamines betraut. Interessenkonflikte im eigenen Lager scheinen vom Diskurs über Korrruption ausgenommen.

Als Teil dieses Projektes wird seit März 2004 mit einem Kredit von 102 Millionen Dollar ein Projekt zur Bekämpfung von HIV gefördert. Begründung in der Projektbeschreibung: Da 4 - 7 % der Bevölkerung infiziert ist, wird das Problem als Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes angesehen.
Bereits 2001 hatte die Weltbank 8 Millionen zur HIV-Bekämpfung zur Verfügung gestellt. Auch in derartigen Projekten wird unter der Hand der private Sektor gefördert. Zwar wird die Zusammenarbeit mit lokalen, kirchlichen und anderen NGO's gesucht und gefördert. Das finanzielle Managment des Projektes aber wird von der Weltbank einer privaten Beratungsfirma übertragen und die kongolesische Regierung wird angewiesen, finanzielle Kontrolle und Managment ebenfalls professionellen Beratern außerhalb des öffentlichen Sektors zu überlassen.

4. "Private Sector Development and Competitiveness Project"
Ab Juli 2003 soll mit 120 Millionen Dollar nach der offiziellen Projektbeschreibung die Privatisierung und Wettbewerbsfähigkeit gefördert und das Investitionsklima verbessert werden. Dazu sollen die Staatsunternehmen im Bergbau insbesondere im minenreichen Katanga, im Bankensektor, bei Transport und Energie sowie Telekommunikation zunehmend privatisiert werden. Es werden Maßnahmen unterstützt, die die ehemaligen Staatsunternehmen in halbstaatliche Unternehmen mit privater Beteiligung überführen.
Gleichzeitig soll die juristische Absicherung der Eigentumstitel gestärkt werden. Dazu soll ein regierungsunabhängiges zentrales Schiedsgericht eingerichtet werden.

5. "Emergency Economic And Social Reunification Support Project
Mit 215 Millionen Dollar soll ab September 2003 ein Notprogramm für die Entwicklung von Infrastruktur und regionaler Wiedereingliederung gefördert werden. Ziel ist, die ökonomischen Reformen im gesamten Staatsgebiet zu verankern. Gefördert werden Infrastrukturmaßnahmen (42%), Transportmöglichkeiten durch Wiederherstellung großer Verbindungsstrassen und administrative Maßnahmen (30 %), insbesondere das Forstgesetz soll im ganzen Land eingehalten werden. In ausgewählten Städten und ländlichen Gebieten werden Wiederaufbaumaßnahmen gefördert, wobei in großen Städten dabei auf vorhandene private Anbieter zurückgegeriffen werden soll, in kleineren Orten, wo diese nicht zur Verfügung stehen, soll auf ausländische NGO's zurückgegegriffen werden.

6. Southern African Power Market Project
Im November 2003 werden 178 Millionen Dollar für die Entwicklung im Energiesektor bewilligt, um die Voraussetzungen für schnellere Investitionen in diesem Bereich zu schaffen.

7. Post-Reunification Economic Recovery
Mit einem 200 Millionen Kredit für die Wirtschaftsförderung wurde von Februar 2004 bis Dezember 2005 eine Reform der öffentlichen Verwaltung unterstützt. Hintergrund des Kredites war nach der Projektbeschreibung die Sorge um die internationale Kreditwürdigkeit des Kongo, da trotz Schuldenerlass kurzfristig der Betrag der nicht zurückgezahlten Schulden angewachsen war. Unterstützt wurden Maßnahmen im Bankensektor, Rechtsprechung und Verwaltung, die die Zahlungsfähigkeit insbesondere auch bei den Versorgungsunternehmen verbessern sollten.

8. Emergency Demobilization and Reintegration Project

100 Millionen Dollar werden im Mai 2004 für die Demobilisierung von Kämpfern bewilligt.

9. Emergency Social Action Project
Mit 60 Millionen Dollar soll im August 2004 auf lokaler Ebene die soziale Lage der armen Bevölkerung verbessert werden. Sowohl demobilisierten Kämpfern als auch Opfern der Auseinandersetzungen sollen Einkommensmöglichkeiten geschaffen werden. Ein Großteil der Gelder wird für technische Ausrüstung aufgewendet, kommt also eher den Lieferfirmen zugute.

10. Emergency Living Conditions Improvement Support Project
Für Mai 2005 bis September 2010 werden 82 Millionen Dollar bewilligt. Wer bei dem Titel an die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung denkt, ist auf dem Holzweg. Hauptsächliche Entwicklungsziele: Verbesserung der Infrastruktur zur Förderung des privaten Sektors 50 %, weitere 30 % für Energieversorgung und Wasserversorgung

11. Health Sector Rehabilitation Support Project
150 Millionen Dollar Kredit ab Sept 2005 für ein fünfjähriges Projekt zur Stabilisierung des Gesundheitswesens zur Reduzierung der Kindersterblichekit bes. im Rahmen von Mutter/Kindübertragung von HIV, zur Bekämpfung von Malaria in ausgesuchten Zonen, darunter den wirtschatlich interessanten Gebieten Kinshasa und Katanga.

12. Transitional Support for Economic Recovery
Dezember 2005: weitere 90 Millionen sollen im Erziehungs- und Gesundheitsbereich eingesetzt werden, aber auch bei der Umsetzung von Forst- und Minengesetz.

Die Zusammenstellung zeigt, dass der Schwerpunkt der Maßnahmen auf der Herstellung eines funktionierenden Wirtschaftsraumes liegt. Soziale Projekte werden dort gefördert, wo die vorhandene Problematik den Aufbau der Wirtschaft behindert. Das Hauptanliegen der Weltbankaktivitäten besteht entsprechend ihrer allgemeinen Strategie (Comprehensive Development Framework ) in der Förderung der Privatisierung. (Dabei ist sie inzwischen auch selber an Bergbauunternehmen im Kongo beteiligt.) Staatliche Aufgabe soll es bleiben, soziale Dienste zur Verfügung zu stellen, die nicht gewinnbringend angeboten werden können. Die erforderlichen finanziellen Mittel dazu sollen aber nicht mehr in Staatsunternehmen erwirtschaftet werden. Zunehmende Beteiligung internationaler Unternehmen an den ehemaligen Staatsbetrieben wird dazu führen, dass die erwirtschafteten Gewinne zum großen Teil ins Ausland transferiert werden und nicht der kongolesischen Bevölkerung zugute kommen. Wachsende Unzufriedenheit wird auf diese Weise erneut zu Konflikten führen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass diese Gelder hauptsächlich in Krediten an die kongolesische Regierung bestehen, die in Zukunft wiederum einschließlich der Zinsen zurückgezahlt werden müssen. Der Kongo wird auf diese Weise nicht nur seinen Wiederaufbau selber finanzieren, sondern zusätzlich die Zinsen erwirtschaften müssen, so dass für die dringend erforderliche Armutsbekämpfung wenig Mittel übrig bleiben.

Bereits jetzt haben 17 kongolesischen NGOs und die Journalisten-Organisation Journaliste en Danger (JED) bei einem Treffen am 18./19. April 2006 in einer Erklärung der Weltbank vorgeworfen, sie treibe mit ihrer Politik der Forcierung von Bergbau und Waldnutzung die Verarmung der lokalen Bevölkerung voran.

Institutionen des Wiederaufbaus

Wiederaufbau und Armutsbekämpfung sind Sache spezieller Agenturen, die nominell dem Finanzministerium unterstehen, tatsächlich aber unter Ägide der Weltbank operieren. Kongos Regierung hat keinen Einfluss auf die Entscheidungen dieser beiden Agenturen, wie überhaupt auf sämtliche wirtschaftlichen Rahmenprogramme für den Kongo, die von den Gebern finanziert werden. Denn sie alle wurden vor dem Friedensvertrag von 2002 zwischen Weltbank, IWF und der damaligen Kriegsregierung von Präsident Joseph Kabila ausgearbeitet.

Das "Bureau Central de Coordination" (BCECO)
Für die Vergabe der Sozialprojekte ist das Zentrale Koordinationsbüro BCECO zuständig. Es steht unter der Leitung des Belgiers Tony Reekmans, der die Institution in einem Vortrag als "Ergebnis des Misstrauens gegen die kongolesische öffentliche Verwaltung" darstellte. Das Mißtrauen wird berechtigt sein. Allerdings gilt auch die Ausschreibungspraxis der BCECO, die ihre Aufträge offiziell auf Grundlage von internationalen Ausschreibungen nach Weltbank-Konditionen vergibt, als undurchsichtig. Die Agentur hat nicht einmal Büros außerhalb der Hauptstadt. Georges Tshionza vom NGO-Ausbildungsverband Seracob (Unterstützungsdienst für Basisgemeinschaften) meint: "BCECO ist in der Hand einiger internationaler Organisationen, die sich hier niedergelassen haben und die von der Weltbank Aufträge bekommen. Sie haben die Erfahrung und die Kapazitäten, die wir nicht haben, und stellen nur einzelne Kongolesen ein."TAZ 22.6.2004

Im Juli 2006 veröffentlicht die französische Zeitung Figaro einen Bericht, nach dem sich seit 2001 ganze 500 Millionen Dollar an Weltbankgeldern auf dem Weg durch die BCECO in Rauch aufgelöst haben, weil die Ausschreibungspraxis ebenfalls dubiös ist und die BCECO sich keiner Kontrolle unterwirft. In einem Interview mit der kongolesischen Zeitung Le Potentiel vom 18.07.2006 weist der Generaldirektor der BCECO diese Vorwürfe zurück. Im Anschluss an diesen Skandal werden der kongolesischen Regierung allerdings erweiterte Kontrollmöglichkeiten eingerämt. Uns interessiert dabei seine Angabe, dass von 2001 bis Ende 2005 überhaupt nur 293 Millionen Dollar über die BCECO und damit für Sozialprojekte vergeben worden sind.

Das "Bureau de Coordination des Marchés d'Infrastructure" (BCMI)
Das BCMI, angesiedelt im Gebäude der Citibank in Kinshasa, ist zuständig für die Infrastrukturprojekte. BCMI ist praktisch eine Filiale des US-Unternehmens Louis Berger, weltweit in Großprojekten des Straßenbaus von Brasilien bis Afghanistan tätig; Kein Zufall dass diese Firma mit den Infrastrukturmaßnahmen des EMRRP beauftragt wurde und vor allem Kongos Überlandstraßen instand setzen soll.

Verwendete Quellen:

Financial Times vom 25. März 2004
Joseph E. Stiglitz Die Verantwortung der Unternehmen für Menschenrechte
Venro: PRSP – Chancen und Grenzen zivilgesellschaftlicher Beteiligung
Auswärtiges Amt: Länderinformationen DR Kongo
Weltbank-Projekte
Weltbankseite zur DRC
Monterrey-Report
La Conscience 18.7.2006
Digitalcongo 29.12.2003

25.10.2006