Kontinuität von der Kolonialzeit bis heute

25.10.2006: Der belgische König beschönigte seine Kolonialpolitik mit der Befreiung von Sklaverei und brachte die "Segnungen des Christentums", der belgische Unternehmenr George Forrest spricht heute von freiwilligen Leistungen für Schulen und Krankenhäuser. Hinter der mildtätigen Fassade versteckt sich damals wie heute das Bestreben, die Naturreichtümer Kongos im eigenen Interesse zu vermarkten.

Es begann in der belgischen Kolonie

Schon 1920 gründete der Vater von George Forrest im Kongo eine Firma, die zu einem weit verzweigten Netz an Minen und Zementfabriken ausgebaut wurde. Unter Mobuto blieb das Unternehmen im Kongo und schloss joint ventures mit dem staatlichen Minenbetrieb Gecamines ab. Gegen Ende der Mobuto-Diktatur war George Forrest Vermittler in einem Waffendeal für den Diktator. Mobuto, der dringend Geld brauchte, ließ in der alten eigentlich aufgrund eines Wasserschadens stillgelegten Uranmine Shinkolobwe wieder oberflächlich graben und das Schürfprodukt von George Forrest nach Finnland verkaufen, um mit dem Erlös Waffen zu kaufen.

Heute übernimmt die dritte Generation

Mobuto konnte sich dadurch nicht retten, George Forrest schlug sich rechtzeitig auf die Seite seines Nachfolgers Laurent Kabilas und fungierte damals gleichzeitig als Frankreichs Honorarkonsul in Katangas Hauptstadt Lubumbashi. In Laurent Kabilas Auftrag erhielt er von 1999 bis August 2001 den Vorsitz des Verwaltungsrates von Gécamines. Nach einem Bericht des belgischen Senats im Jahre 2002 hat er diese vorteilhafte Lage dazu benutzt, die rentabelsten Sektoren Gecamines seinem eigenen Unternehmen zuzuschlagen, was auch in dem UNO-Bericht aus dem Jahre 2005 über die illegale Nutzung der natürlichen Ressourcen des Kongo vermerkt wird. Diese Verbindungen gingen nach dem Tode Laurent Kabilas nahtlos auf dessen Sohn Joseph Kabila über. Inzwischen ist die Forrest Gruppe der größte ausländische Arbeitgeber in ganz Kongo und wird von Katangern als Staat im Staate gesehen, dem sich keine Behörde widersetzen kann. Belgische Nichtregierungsorganisationen nennen Forrest als Hauptfinanzierer von Joseph Kabilas Partei PPRD. Kürzlich wurde durch eine undichte Stelle ein PPRD-Dokument bekannt, das diese Rolle bestätigte: "We should stress the outstanding role that Mr. George Forrest and his group have played since they have supported us step by step in establishing our party."

Inzwischen ist auch der Sohn in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Sein Unternehmen Malta Forrest erhielt von der Weltbank unter anderem den Auftrag zur Sanierung der wichtigen Verbindungsstrasse von Kinshasa zur Hafenstadt Matadi. Seit dem 1. Januar 2006 werden dort vom Staat Benutzungsgebühren erhoben, was bis Ende August bereits 1,2 Millionen US Dollar einbrachte, die wiederum für weitere Instandhaltungsmaßnahmen durch die Firma Malta Forrest ausgegeben werden sollen.

Unternehmen der Forrest-Gruppe

Groupement Traitement Terril L'shi(Forrest OMG)

Die "Société de Terril de Lubumbashi" (STL) wurde schon 1996 am Ende der Mobuto-Diktatur gegründet als Joint-Venture zwischen Gecamines, dessen damalige Beteiligung von 25 % inzwischen nur noch mit 1 % angegeben wird, der amerikanisch-finnischen Outokumpu Minerals Group (OMG) und der belgischen Firma George Forrest. Diese Anlage mit höheren Schmelzpunkten als früher üblich verwertet den alten Abraum der Gecaminesminen, der in Lubumbashi einen über hundert Meter hohen Berg bildet. Nach geringen Anfangsinvestitionen durch die OM-Group in Höhe von 150 Millionen Dollar konnten dank dem Wiederanstieg der Kobald-Kurse im Jahre 2003 mit 360 Arbeitern, 200 bis 250 Tonnen Kobalt, 150 Tonnen Kupfer und enorme Mangen an Zink pro Monat gewonnen werden. Die eigentliche Extraktion erfolgt dabei in einem Werk in Kokkola in Finnland.

Germanium

Im Gründungsvertrag der STL ist von der Förderung und dem Verkauf von Kupfer, Kobalt und Zink die Rede, nicht aber von Germanium. In dieser Halde ist aber auch ein Viertel des weltweiten Germanium-Vorkommens enthalten, das nach gegenwärtigem Weltmarktpreis etwa 2,6 Milliarden Dollar wert ist. Germanium ist Bestandteil von Glasfasern und wird in der Infrarot-Sensorik verwendet, ist somit auch in der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie relevant. Sein Preis lag 2002 bei 880 Dollar pro Kilo, viel höher als der des Coltans in seinen besten Zeiten. Die Germaniumproduktion des Kongo wurde damals auf 20 Tonnen jährlich geschätzt, was dem Unternehmen 2002 immerhin fast 18 Millionen Dollar einbrachte.

Kamoto Copper Company ( Kinross-Forrest)

Kamoto sollte nach den IMC-Empfehlungen eine der Grundlagen für eine Wiederbelebnung des Staatsunternehmens Gecamines sein. Allerdings waren die Anlagen von Kamoto Gegenstand eines Rechtsstreits. Beteiligt war der südafrikanische Stahlhersteller Iscor und die Firma Kinross-Forrest.
Der Vertrag mit Iscor wurde im IMC-Bericht als beispielhaft für zukünftige Verträge bezeichnet, weil die Anlagen von Gecamines nicht auf den Privatinvestor übertragen wurden. Dieser erhielt lediglich für 10 Jahre die Berechtigung, mit ihnen zu arbeiten und sie zu restaurieren. Außerdem sollte Iscor eine 30% Beteiligung erhalten, Gecamines aber eine Mehrheitsbeteiligung von 70 % behalten.

Das Kinross-Forrest-Projekt dagegen wurde von IMC abgelehnt. Gecamines sollte nur zu 30% beteiligt werden. Kinross-Forrest aber erhielt die exklusive Verfügung über riesige Anlagen und Vorkommen für mindestens 20 Jahre. Auch dieser Vertrag sollte ohne genauere Exploration abgeschlossen werden. Für den Fall, dass die zukünftigen Erträge die Erwartungen unterschritten, wurden Kinross-Forrest Ansprüche auf Ersatz-Konzessisonen zugesprochen, so dass er sich auf jeden Fall unermeßliche Reserven für die Zukunft sicherte. Die Verpflichtung von Kinross-Forrest bestanden dagegen in einer lächerlich kleinen Investitionssumme von 200 Millionen Dollar auf Kreditbasis.

Entgegen den Empfehlungen von IMC wurden noch im Juni 2003 die Verträge zwischen Gecamines und Kinross-Forrest vom Bergbnauminister unterzeichnet. Fünf Tage später musste er mit Beginn der Übergangsregierung seinen Ministersessel an einen Vertreter der Opposition abgeben.
Die Lutundula-Kommission der Übergangsregierung empfahl eine Suspendierung der Verträge über Kamoto bis nach den Wahlen. Auch diese Empfehlung wurde übergangen: Mit Dekret des Präsidenten und Wissen der Weltbank wurden die Verträge mit Kinross-Forrest 2005 ratifiziert. Gecamines wird nur noch zu 25 % beteiligt.

Inzwischen läßt sich George Forrest in kongolesischen Medien geradezu als Retter der Nation feiern. Insbesondere das Wohlergehen der Stadt Kolwezi, in der er selber zur Welt gekommen ist, liegt ihm nach eigenem Bekunden so sehr am Herzen, dass er dort bei der Wiedereröffnung einer Bergbauanlage in Tränen ausbricht und die Einrichtung von Schulen und Krankenstationen fördert. Immer wieder wird betont, dass der Staat in den nächsten 20 Jahren 56% der anfallenden Gewinne aus der Mine Kamoto erhalten wird. Die NZZ vom 19.8.2006 bemerkt dazu: "Bei der Durchsicht des vorgelegten Zahlenmaterials fällt allerdings auf, dass Forrest bei der Berechnung dieses Anteils auch Gehälter und Energiekosten einbezieht, die zusammen immerhin rund einen Viertel der angeblich an den Staat fliessenden Gelder ausmachen. Hilfswerke werfen Forrest und den anderen Bergbaukonzernen zudem vor, die Gewinne der lokalen Betriebsgesellschaften, an der die Gécamines beteiligt ist, künstlich tief zu halten. Die Rohstoffe würden einfach unter ihrem Marktwert an Offshore-Gesellschaften verkauft, erläutert der Berater Bulambo. Darauf angesprochen, antwortet Forrest: "Wir bewegen uns strikt im Rahmen der Legalität und bezahlen dem Staat die Steuern, die wir ihm schulden." (1) Womit wir wieder am Anfang der Geschichte wären, denn dass ausgerechnet George Forrest keine langfristigen Steuererleichterungen eingeräumt wurden, ist schlicht nicht vorstellbar.

(1) NZZ 19.8.2006

TAZ 8.5.2006 und 7.6.2002

25.10.2006