Wessen Taschen füllt das schwarze Gold?

Von Korrupton, Privatisierung und unruhigen Ostprovinzen

15.10.2006: Bis zum Jahr 2015 sollen mindestens 25% der US-Ölimporte aus Zentralafrika stammen. Deutschland bezieht aus der DR Kongo derzeit neben Tropenholz hauptsächlich Erdöl (Juni 2005 bis Mai 2006 insgesamt 127.000Tonnen, vergleichbar einem Zehntel der Einfuhr aus England). Das Interesse am Erdöl ist auch ein Teilaspekt der internationalen Interessen im Kongo. Die nationale Elite darf sich derweil bedienen...

Erdölförderung

Die Erdölförderung im Kongo begann 1975 durch die amerikanische Firma Gulf Oil, die wegen der engen Beziehungen von Mobuto zum amerikanischen CIA belgischen Firmen vorgezogen wurde. Sie wurde 1984 von Chevron übernommen, die heute noch als Chevron-Texaco, neben Unocal, der japanischen Firma Teikoku Oil und der französischen Total-Fina-Elf an der Förderung im Kongo beteiligt ist.

2003 lag die Förderung im unteren Mittelfeld afrikanischer Förderstaaten bei 9, 2 Millionen Barrel. 2005 und 2006 konnten durch die steigenden Ölpreise die staatlichen Einnahmen gesteigert werden, so dass die kongolesische Regierung die Erdölförderung intensivieren will.

Ölfirmen

Staatliche Ölfirma Cohydro

Seit 1976 wird im Kongo durch eine staatliche Firma Öl gefördert. Unter dem derzeitigen Namen La Congolaise des Hydrocarbures COHYDRO ist sie wie Gecamines einer Restrukturierung unterworfen als Voraussetzung für finanzielle Unterstützung durch den IWF. In der Tat ist eine Revision der Geschäftsgrundlagen dringend erforderlich, diente doch auch diese Staatsfirma bis in die jüngste Zeit hauptsächlich der eigenen Bereicherung einflußreicher Eliten. Als die Mitglieder der Übergangsregierung sich noch schnell vor den Wahlen einflußreiche Posten sicherten, ging die Leitung der staatlichen Ölfirma Cohydro an Vertreter der MLC von Jean-Pierre Bemba. Daran hat auch die Beratung von Weltbank und IWF nichts geändert, obwohl die kongolesische Regierung bereits 2002 eine externe Finanzrevision von Cohydro vorlegen musste, die erhebliche Unregelmäßigkeiten ans Tageslicht brachte: so genehmigte sich der Vorsitzende von Cohydro neben einem Monatsgehalt von 17.000 Dollar noch ein Urlaubsgeld von 68.000 Dollar, während ein normaler Arbeiter nominal 50 Dollar im Monat verdiente, aber viele mehr als drei Jahre gar kein Geld ausbezahlt bekamen.

Allerdings wird auch im Ölsektor der Schwerpunkt der Sanierung à la Weltbank und IWF auf die Privatisierung gelegt:

  • Cohydro hat heute eine Minderheitsbeteiligung in einem Konsortium mit Chevron an einer off-shore-Lagerstätte an Kongos 22 Km langen Küstenstreifen am Atlantik, wo Reserven von 1.5 Milliarden Barrel vorhanden sein sollen. Zur Zeit liegt die Förderung noch bei 21.000 - 25.000Barrel pro Tag, eine baldige Steigerung auf 37.000 Barrel/Tag wurde von der Chevron-Führung bereits angekündigt.
  • Eine Tochterfirma der internationalen Ölfirma SOCO International hat im Juli 2006 eine 85% Mehrheitsbeteiligung an einem der Ölfelder von Cohydro erworben.
  • Im Dezember 2005 hat eine kongolesiche Tochter von Energulf Resources eine weitere Ölkonzession erworben, an der Cohyro nur noch mit 10 % beteligt bleibt.
Weitere Konzessionen zur Exploration oder eventuellen späteren Ausbeutung wurden vergeben, ohne dass daraus bisher eine aktive Ölförderung resultiert.

Heritage Oil

Dazu gehört ein Vertrag mit der kanadischen Firma Heritage Oil. Heritage Oil wurde 1992 von Tony Buckingham, einem ehemaligen britischen Söldnerführer bei Executive Outcomes (EO), gegründet. Er ist bereits in Angola, Sierra Leone und Kongo-Brazzaville in verschiedenen geschäftlichen und politischen Konstellationen an Versuchen von Regierungen beteiligt gewesen, sich im Laufe eines Krieges die Kontrolle über rohstoffreiche Gebiete zu sichern.

Im Juni 2002 überließ Joseph Kabila Heritage Oil das Exklusivrecht zur Exploration in einem Gebiet von der größe Belgiens in Ituri, obwohl die Übergangsregierung das entsprechende Gebiet damals gar nicht kontrollierte. Es handelt sich um fast das komplette Grenzgebiet des Kongo zu Uganda, wo Ölreseven von bis zu 2,4 Milliarden Barrel vermutet werden. Allerdings schloss Kabila im Mai 2003 den Beginn der Ölförderung in diesem Gebiet vor einer erfolgreichen Wiedervereinigung des Landes und der Installierung der Übergangsregierung in Ituri aus, so dass bis heute dort keine Förderung stattfindet. Auch ist die Firma Heritage Oil nicht in der Lage, die erforderlichen Investitionen alleine aufzubringen. Derzeit ist die wahrscheinlichste Lösung die Bildung eines französisch-kanadischen Konsortiums mit der Firma Total/Fina/Elf.

In diesen Konsortien bestimmt die kongolesische Seite weder die Quantitäten des geförderen Öls noch die Preise. Die internationalen Firmen bestimmen über die Produktion, alle Installationen bleiben ihr Eigentum und werden zukünftig in diesen Gebieten weitere Lagerstättgen entdeckt, besitzen die internationalen Ölfirmen das Exklusivrecht auf Exploration und Ausbeutung dieser Ölfelder. Im Gegenzug verpflichten sich die Konzerne lediglich zu relativ geringen Abgaben, sie betragen im Kongo 12,5 % des Gewinnes, während weltweit 16 - 20 % üblich sind.



Verwendete Quellen:

Lühr Henken: Rohstoffe, Militär und Interessen in der DR Kongo
Diskussionspapier SWP: Öl und Gas am Golf von Guinea 2003
Dominic Johnson: SHIFTING SANDS: OIL EXPLORATION IN THE RIFT VALLEY AND THE CONGO CONFLICT, a Pole Institute Report
Digitalcongo 28.3.2006: La Rdc dispose aussi d'un potentiel pétrolier important
Digitalcongo 24.6.2003 : Le pétrole ou le nerf de la guerre en Ituri
(heritageoil.pdf, 192 kB), März 2003
Le Potentiel Le jeudi 8 septembre 2005
Digitalcongo 23.11.2005 : Autopsie des accords de concession signés entre la Rdc et les exploitants pétroliers
BBC News 19.10.2004: Congolese shock at 'fat cat'
ENERGULF GRANTED WEST AFRICAN OIL EXPLORATION CONCESSION
Douglas A. Yates: Changing Patterns of Foreign Direct Investment in the Oil-Economies of the Gulf of Guinea

15.10.2006