The Curse of Gold

5.8.2005: Zur Zeit ist der Abbau im globalen Maßstab gering. Kongo war 2003 nicht unter den ersten 19 in der Welt zu finden. Das hat aber auch damit zu tun, dass die Abbaugebiete vor allem im Distrikt Ituri liegen, wo die Kämpfe zwischen verschiedenen Rebellenbewegungen und der Zentralregierung noch andauern. Wer sich dort den Zugang zum Gold sichern will, scheut vor nichts zurück.

Schürfer in Ituri

Im Bezirk Ituri wird das Gold bisher fast nur in Handarbeit geschürft. "Tief im Berg wird im Licht der Taschenlampen unter Lebensgefahr das Gestein losgeschlagen. In offenen Minen wird der nasse Matsch Schippe für Schippe gewaschen, gesiebt und anschließend mit bloßen Händen im Quecksilberbad verrührt, um das darin enthaltene Gold zu binden. Dann wird das derart gewonnene Erz über Feuer erhitzt, bis der Erlös eines langen Arbeitstages als unscheinbarer, matt schimmernder, kleiner Klumpen zurückbleibt." Deutschlandradio 7.5.2006

Das teilweise auch durch Zwangsarbeit geschürfte Gold wird zum großen Teil illegal über Uganda exportiert. So konnte MONUC "nachweisen, dass Uganda 2004 Gold im Werte von 60 Millionen Dollar exportiert, dabei selbst jedoch nur im Wert von neun Millionen Dollar gefördert hat. Die Differenz kann nur aus illegaler Einfuhr aus Ituri stammen" . Das ist möglich, weil der ugandische Staat keinen Herkunftsnachweis verlangt und entgegen einem UNO-Vorschlag auch nicht dazu gedrängt wird. (Albrecht Conze, Internationale Politik, April 2006, S. 44).

Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) vom Mai 2005 "The Curse of Gold" dokumentiert, wie lokale bewaffnete Gruppierungen immer noch um die Kontrolle der Goldminen und Handelswege kämpfen, dabei Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen begehen und ihre Aktivitäten und Waffenkäufe durch Gewinne aus dem Goldverkauf finanzieren. Dabei herrschen in den Minen kaum vorstellbare Zustände: Räuberische Erpressung, Massenexekutionen, ethnische Konflikte sowie Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen und ohne jegliche Sicherheitsstandards, die weitere Todesopfer fordern. Den Profit teilen sich, so Human Rights Watch, kongolesische Mittelsmänner, ugandische Händler und internationale Unternehmen.

Internationale Unternehmen

Anglo American

Anglo American gehört zusammen mit deBeers zum Oppenheimer-Finazimperium. Eine südafrikanische Tochter von Anglo American, AngloGold Ashanti, hat 1996 in Ituri Schürfrechte in einem 10.000 km² großen Gebiet bekommen. Aber erst nach dem Friedensabkommen 2003 sollte mit den Vorbereitungen für den Goldabbau in Mongbwalu begonnen werden. Der Regierung ist es aber nicht gelungen, die Ituri-Region unter Kontrolle zu bringen und die Gebiete um Mongbwalu blieben in den Händen der Rebellengruppe FNI (Nationalist and Integrationist Front), die für schwerste Menschenrechtsverbrechen verantwortlich gemacht werden. "The Curse of Gold" beschreibt nun im Detail, wie AngloGold Ashanti trotzdem mit der FNI in Verbindung trat, beachtliche finanzielle und logistische Hilfe leistete, obwohl das UNO-Embargo seit 2003 jegliche finanzielle und logistische Unterstützung bewaffneter Gruppen im Kongo verbietet, und die FNI im Gegenzug dabei behilflich war, dass AngloGold Ashanti die goldreichen Bergbaugebiete in der Nähe der Stadt Mongbwalu in der Region Ituri erschließen konnte. In einem Brief an Human Rights Watch erklärte AngloGold Ashanti, dass sie "kein Arbeits- oder sonstiges Verhältnis mit der FNI" habe, aber dass Kontakte mit der Führung "unvermeidbar" seien. Das Unternehmen gab zu, dass es in der Vergangenheit Zahlungen an die FNI getätigt hätte - eine davon im Januar 2005 nur unter "Protest" und aus der "Notwendigkeit", die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten.

Banro

Eine weitere Tochter von Anglo American ist Banro, die speziell für Aktivitäten im kongolesischen Minensektor gegründet wurde. Banros Aktien stiegen, nachdem das Unternehmen viel versprechende Ergebnisse von den jüngsten Bohrarbeiten auf seinem Lugushwa-Projekt berichtet hatte. Im Gegensatz zu den Abbaugebieten in Ituri sind dort sicherere Verhältnisse, so dass 2006 bereits fünf Bohranlagen arbeiten und noch drei weitere in Betrieb genommen werden sollen.

US-Firma Barrick-Gold

Die US-Firma Barrick-Gold, seit 2006 die Nr. 1 in der Weltgoldproduktion, besitzt ein Claim von 82.000 km² in der Provinz Oriental, eine Fläche so groß wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zusammen. Sein Goldgehalt wird mit 100 t angegeben, was einem Marktwert von derzeit 1,7 Milliarden USD entspricht.

Moto Goldmines Limited

Ein weiteres Unternehmen, das in der DRK sehr erfolgreich exploriert, ist die australisch-kanadische Moto Goldmines Limited. Im Lutundula Bericht war festgehalten worden, dass viele Verträge mit privaten Investoren ohne Machbarkeitsstudie geschlossen wurden, d.h. ohneBerücksichtigung des Gewinns, der nach 2 - 3 Betriebsjahren aus dem Unternehmen erwachsen würde. So ergab auch eine unabhängige Ressourcenschätzung im April 2006 für die Konzessionen von Moto Goldmines wesentlich höhere Ergiebigkeit als vorher angenommen. "Seit ungefähr zwei Jahren sind wir im Kongo aktiv und haben in dieser Zeit mit Moto Goldmines mehr Gold gefunden, elf Millionen Unzen, als in den letzten zehn Jahren auf dem gesamten australischen Kontinent entdeckt wurden." Sagt dazu in einem Interview der deutsche Geologe und Geschäftsführer Klaus Eckhof, der die Exploration durchführte. "Eine jährliche Produktion von 500.000 Unzen Gold über einen Zeitraum von zwölf Jahren, so sieht nun das vorläufige Ziel aus." Moto verfügt damit angeblich über das aussichtsreichste Goldminenprojekt der vergangenen zwanzig Jahre. Zuletzt wurden Vorkommen dieser Größenordnung in den 1980er-Jahren gefunden

weitere Quellen:

Fischer Weltalmanach 2005

www.derstandard.at, 1.3.06.

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Kongo/henken.html http://hrw.org/german/docs/2005/06/02/congo11044_txt.htm
http://www.finanzen.net/news/news_detail.asp?NewsNr=395746
http://www.goldsucher.de/goldsuche/afrika/kongo/index.html
01.01.2007