deBeers gibt nicht auf

5.8.2005: Seit 1910 werden im Kongo systematisch Diamanten abgebaut. Der Finanzmagnat Oppenheimer erkennt ihren zukünftigen Wert als Industriediamanten. Er trifft mit der belgischen Regierung einen Deal: Das führende Unternehmen im Diamantenhandel deBeers, das er kontrolliert, erhält den gesamten Zugriff auf alle Diamanten, die im Kongo gefördert werden, wenn die dabei geförderten Schmuckdiamanten an die belgische Schleifindustrie abgegeben werden Um sich die angestrebte Position auf dem Industriediamantenmarkt zusätzlich zu sichern, erwarb Oppenheimer auch noch Aktien des belgischen Unternehmens "Sibeka". Sibeka hielt die Aktienmehrheit an der Minengesellschaft MIBA, die in Belgisch-Kongo die Diamanten abbaute. Im Jahre 2005 ist deBeers wieder im Geschäft.

Mobuto

Unter Mobuto wurden 1973 die Anteile der Sibeka an der MIBA zunächst verstaatlicht, später wurde Sibeka allerdings wieder mit 20% beteiligt und übernahm auch die Führung des Unternehmens. Zu der Zeit erbrachten die Minen Zaires 2/3 der Weltproduktion an Industriediamanten. Allerdings musste Zaire an die private Handelsfirma deBeers eine Provision in Höhe von 20% für den Verkauf der Diamanten zahlen, womit Zaire eine bis zu 8 % höhere Provision zu zahlen hatte als andere Staaten.

Zu Beginn der 80er Jahre wollte Mobuto deshalb mit deBeers günstigere Vereinbarungen aushandeln. Da gleichzeitig die Nachfrage nach Industriediamanten wegen der zunehmenden Produktion von synthetischen Diamanten und neu entdeckten Vorkommen in Australien sank, verweigerte deBeers günstigere Konditionen. Diamanthändler in Antwerpen und London boten Mobuto allerdings höhere Preise und zusätzliche Investitionen für den Aufbau einer Schleifindustrie und die Modernisierung der Minen.

De Beers traf Gegenmaßnahmen: er überflutete den Markt mit großen Mengen an Industriediamanten und bewirkte damit einen derartigen Preisverfallein, daß die Minen Zaires nicht mehr kostendeckend produzieren konnten. Zudem errichtete er in der Nähe der Grenze Zaires Kaufbüros, in denen ein hoher Preis für unverarbeitete Schmuckdiamanten geboten wurde und bewirkte so eine Zunahme des Diamantschmuggels, der die Einnahmen des Staates stark verminderte. Nach zwei Jahren war Präsident Mobuto gezwungen, ungünstigere Verträge einzugehen, als er vorher gehabt hatte.

Laurent Kabila

Als 1997 der Rebellenführer Laurent Kabila die Macht in Zaire übernahm, versorgte er vornehmlich die Unternehmen mit Konzessionen, von denen er sich Unterstützung erhoffte: AMF , die seine Rebellenbewegung finanziert hatte, erhielt unter anderem eine Diamantenkonzession, einer israelischen Gesellschaft, die militärische Ausrüstung zu liefern versprach, räumte Laurent Kabila ebenfalls ein Diamantenmonopol ein.

Auch das Aufkaufmonopol, das der südafrikanische Konzern De Beers in einigen Regionen für Diamanten hatte, wurde widerrufen. Stattdessen durfte das AMF-Tochterunternehmen American Diamond Buyers die im ganzen Land verstreuten Diamanten zu Spottpreisen aufkaufen.

Zwei Jahre später brauchte er allerdings Unterstützung gegen eine neue Rebellenbewegung gegen ihn selber. Er widerrief viele dieser Konzessionen, führte das kongolesische Staatsmonopol auf den Diamanenexport wieder ein und überließ nun einem Konsortium aus Simbabwe als Gegenzug für 13.000 Soldaten die Diamantengruben von Mbuji-Mayi.

Joseph Kabila

Nach der Machtübernahme Joseph Kabilas im Jahr 2001 machte die Diamantenausfuhr 58 % des kongolesischen Exportwerts aus. Er machte sich unter anderem dadurch bei den westlichen Staaten beliebt, dass er das von seinem Vater wieder eingeführte Staatsmonopol auf den kongolesischen Diamantenexport wieder aufhob.

Im Kimberlit-Korridor im Anschluß an die angolanische Diamanten-Provinz Lunda Norte werden noch große Vorkommen vermutet. Hier hat sich ein Joint Venture des kanadischen Unternehmens SouthernEra Diamonds Inc. mit der weltweit größten Minengesellschaft, der australisch-südafrikanischen BHP Billiton, Lizenzen für eine mehr als 13000 km² große Fläche (nahezu die Größe Schleswig-Holsteins) gesichert.

Bei Industriediamanten hält Kongo im Jahr 2003 Platz 4 der weltweiten Förderung. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Um sich die Steuereinnahmen zu sichern, kämpft die Übergangsregierung offiziell gegen Diamantenschmuggel und will auch der britischen Initiative EITI (Extractive Industries Transparency Initiative) beitreten, die freiwillige Mindeststandards für rohstoff-fördernde Industrien festlegt. (Deutschland ist dieser Initiative übrigens nicht beigetreten.)

2006 erwirbt Elemental Minerals das Kasai Diamanten-/Goldprojekt. Es umfasst 7.000 Quadratkilometer in Katanga mit 30 Konzessionen vorbehaltlich des Joint Ventures mit De Beers. De Beers hat im Februar 2005 ein Joint Venture über alle 30 Konzessionen abgeschlossen, um dort zunächst Exploration zu betreiben. In diesem Vertrag wurde kein Minimal-Budget festgelegt, aber vereinbart, dass das Programm dazu dienen soll, sämtliche Kimberlite oder andere primäre Diamanten Lagerstätten auf dem Gebiet zu identifizieren. Je nach Ergebnis bleiben deBeers alle Möglichkeiten offen: nach Abschluss einer Durchführbarkeitsstudie kann de Beers einen Anteil von bis zu 70 Prozent erwerben oder sich nach Abschluss des ersten Explorationsprogramms jederzeit zurückziehen.

Diamantenschmuggel

Bekannt ist, dass Diamantenschmuggel im Kongo schon lange zur Finanzierung von Rebellenbewegungen dient. Weniger bekannt ist, dass nicht nur deBeers den Diamentenschmuggel förderte, sondern bereits die USA über zairische Mittelsmänner und Diamantenschmuggler die UNITA-Rebellen in Angola mit Waffen beliefert haben. (Reno, New South African Business, S. 14)

Auch alle Kriegsparteien im Kongo haben dann mit dem Diamantenhandel einen Teil ihrer Waffen finanziert und der Kampf um die Kontrolle der Minen wurde einer der wesentlichen Motoren des Bürgerkriegs. Seit Ende 2002 ist der Krieg offiziell beendet, doch der illegale Handel mit Diamanten geht weiter. Die UN-Experten haben eine Liste von Unternehmen veröffentlicht, die mit kongolesischen Diamanten handeln und somit diessen Schmuggel erst ermöglichen. Textpassagen, die Ruanda, Uganda und die kongolesische Regierung selbst mit dem illegalen Handel in Zusammenhang bringen, wurden dabei zunächst nicht veröffentlicht.

Der Kimberley-Prozess, der den illegalen Diamantenhandel durch Herkunftsnachweise unterbinden soll, (Das 2003 in Kraft getretene Zertifikationssystem des Kimberley-Prozesses verpflichtet jeden Erzeugerstaat, einen Nachweis der Herkunft seiner Diamanten zu erbringen. )hat sich im Kongo als wirkungslos erwiesen, weil die Diamanten auf Schmuggelrouten über den Kongo-Fluss nach Kongo-Brazzaville gebracht wurden, dann dort mit einem Zertifikat versehen und weiter nach Antwerpen geliefert wurden. Die Regierung in Kinshasa vermutet, dass Diamanten im Wert von mehr als 400 Millionen Dollar außer Landes geschmuggelt wurden. Das entspricht etwa der Hälfte der jährlichen Produktion. Auch heute noch werden individuell geschürfte Diamanten illegal außer Landes geschafft. Bekannt ist beispielsweise, daß die Diamantenexporte Ruandas in den letzten Jahren sprunghaft stiegen, obwohl Ruanda keinerlei Diamantenvorkommen vorweisen kann.

Individualschürfer

Denn der Großteil der Industriediamanten wird z.Zt. noch durch Zehntausende Individidualschürfer ausgebeutet, zumeist für weniger als einem Dollar pro Tag. Die Menschen arbeiten mit den einfachsten Mitteln, mit Hacken und Schaufeln, und wenn es sein muss, mit bloßen Händen." In den Minen werden auch häufig Kinder beschäftigt. Ein von libanesischen Familien kontrolliertes Händlernetz schafft die Diamanten dann teils legal, teils illegal außer Landes. Rheinischer Merkur Nr. 15, 13.04.2006

weitere Quellen:
(www.goldinvest.de, abgelesen 5.5.2006).
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Kongo/henken.html
http://www.finanzen.net/news/news_detail.asp?NewsNr=395746
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Afrika/diamanten2.html
http://www.jyotish-gems.com/init.php?c=c_mono&m=phil&l=4&PHPSESSID=47d5e621f0c9f3670842846bdc65cfff
http://www.financial.de/newsroom/englisch/70890.html



01.01.2007