Die eigentlichen Herrscher im Kongo

5.8.2006: Die International Crisis Group* schätzt, dass im Kongo 10 Prozent der weltweiten Kupferreserven lagern. Sie zeichnen sich durch besonders hohe Ergiebigkeit aus. Während andernorts Kupfervorkommen von 0,7 Prozent als abbauwürdig gelten, findet man im Kabolela Kupfergürtel im südlichen Kongo einen durchschnittlichen Kupfergehalt von drei bis acht Prozent. Am wichtigsten und am weitesten entwickelt ist der Abbau von Kupfer in Katanga im Südosten Kongos. Viele Vorkommen dort sind aber immer noch weit unterdurchschnittlich genutzt.

Es begann mit der belgischen "Union Minière"

Während der belgischen Kolonialherrschaft 1908 bis 1960 war der eigentliche Herrscher im Kongo die belgische private Bergbaugesellschaft "Union Minière", die dort die Kupfervorkommen ausbeutete. Unter Mobuto wurde die Bergbauindustrie verstaatlicht und das im Staatsbetrieb Gecamines geförderte Kupfer blieb weiter der wichtigste Exportartikel. Während die Förderung Anfang der 80ger Jahre weiter bei 5000.000T Kupfer pro Jahr lag, war aber seit Mitte der 70ger Jahre aufgrund des drastischen Verfalls des Weltmarktpreises für Kupfer ein deutlicher Einbruch der Erlöse zu verzeichnen.

Diese Erlöse waren bereits unter Mobuto zum großen Teil an der Staatskasse vorbei auf Privatkonten des Diktators und seiner Freunde geflossen. Das änderte sich nicht wesentlich, nachdem unter dem Druck von Weltbank und IWF bereits am Ende von Mobutos Herrschaft, verstärkt aber unter Laurent Kabila wieder internationale Bergbaukonzerne an Teilbereichen der staatlichen Berbaugesellschaft Gecamines mehrheitlich beteiligt wurden, nur änderten sich die Besitzer der Privatkonten. Während der Kriege in den folgenden Jahren konnten allerdings viele Anlagen nicht mehr industriell ausgebeutet werden und der Abbau stagnierte lange Zeit auf niedrigem Niveau: 2004 betrug die offiziell erfasste Produktion mit 21.000 Tonnen lediglich ein 20tel der früheren Ausbeute. In den stillgelegten Anlagen wurde aber auf individueller Basis von Tausenden von Schürfern mit primitiven Methoden der Abbau fortgesetzt und legal oder illegal über einflussreiche Händlernetze verkauft. Damit die Minen wieder industriell genutzt werden können, sind umfangreiche Investitionen erforderlich. Bereits in einer Weltbank-Studie aus der Mitte der 1990er Jahre wurden mindestens 2 Milliarden USD an Investitionskosten projektiert, um die Kupferproduktion wieder auf ungefähr 300.000 Tonnen pro Jahr zu bringen.

Anfang 2006 erreichte der Kupferpreis wieder mehr als das Fünffache des Preises von 2002, weil die weltweite Nachfrage beginnt, die aktuellen Abbaukapazitäten zu übersteigen. Um den Bedarf der rohstoffverarbeitenden Konzerne der großen Industriestaaten zu sichern, spielen sich die Auseinandersetzungen zwischen ihnen um die Rohstoffe im Kongo besonders auf dem Kupfersektor ab.

Bezüglich des Koppelprodukts Kobalt, das u.a. wichtig ist als Speziallegierung für Flugzeug- und Kraftwerksturbinen, ist die kongolesische Weltstellung noch bedeutsamer als bei Kupfer: Die DR Kongo liegt bei Förderung und Reserven auf Platz 1 in der Welt. Bereits 1986 wurden die Kobaldreseven auf 2 Mio.Tonnen geschätzt. Das ergäbe nach heutigen Preisen einen Marktwert von ca. 70 Milliarden Dollar.

Kein Wunder , dass "Euromoney", eine führende internationalen Fachzeitschrift für die Finanzwelt, feststellte, dass es südafrikanische und internationale Grubengesellschaften zum Investieren in den Kongo zieht, obwohl er als eines der risikoreichsten Länder der Welt eingestuft wurde.

Abraum für das schnelle Geld und Exploration der künftigen Gewinne
Lubumbashi ist die Hauptstadt der rohstoffreichen Region Katanga. Ein internationales Konsortium mit überwiegender amerikanischer Beteiligung hat sich dort den schnellen Zugriff auf kongolesisches Kupfer gesichert. Mit 130 Millionen Dollar Kapital wurde eine Anlage zur Zweitverwertung von Abraum der alten Gecaminesminen errichtet, die mit modernen Anlagen mit höheren Schmelzpunkten neben 5000 Tonnen Kobalt im Jahr auch Kupfer und enorme Mengen Zink aus dem Abraum herauskochen.

Um den Kupferreichtum des Landes durch erneute industrielle Förderung auszubeuten, sind zunächst genauere Explorationen und Machbarkeitsstudien erforderlich. Nachdem der staatliche Minenbetrieb Gecamines Stück für Stück in Joint ventures mit ausländischer Mehrheitsbeteiligung überführt worden war, ohne dass der zukünftige Wert der veräußerten Konzessisonen überhaupt genauer bekannt war, machen sich nun die ausländischen Investoren mit ihrem Geld und ihrem Know-how daran, ihre Gewinnchancen genauer auszuloten.

Tiger Resources und Kipoi-Kupfer-Kobalt-Lagerstätten

"Tiger Resources Limited (Tiger) ist ein australisches Erz-Explorations-Unternehmen, das auch an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt wird und zeitweise von deutschen Analysten enthusiastisch, wenn auch als Risikokapital angepriesen wurde. Nach eigenen Aussagen ist die Strategie des Unternehmens "die Entdeckung und Akquisition von bedeutenden Lagerstätten an Kupfer, Kobalt, Gold, Platin, Palladium und Uran mit hohen Gehalten und nahe der Oberfläche" im Kongo.

In der Kupfer-Kobalt-Lagerstätte Kabolela, die bis 1945 ausgebeutet wurde, will das Unternehmen zunächst mal durch Verwertung des alten Abraums das schnelle Geld machen: "Gutes Potenzial für frühen Cash Flow aus der Verarbeitung von geschätzten 440.000 t von Erz mit geringen Gehalten auf Abraumhalden". Gleichzeitig werden die weiteren Potenziale der Lagerstätten exploriert.

Anfang Mai 2006 meldete Tiger die Mehrheitsbeteiligung an den Kipoi-Kupfer-Kobalt-Lagerstätten in der Nähe von Lubumbashi. Das Gebiet erstreckt sich auf 55 Quadratmeilen und enthält mindestens fünf bereits bekannte Lagerstätten. Das staatliche Bergbau-Unternehmen Gecamines schätzte für nur einen Teil des Projektgebietes eine Ressource von 200.000 t Kupfer.

Die Lagerstätte von Kipese bietet als besonderen Leckerbissen neben Gold, Palladium und Kobalt auch Uran. Kein Wunder dass das Unternehmen für alle Liegenschaften 2006 "ein aggressives Arbeitsprogramm" geplant hat, um die Ressourcen genauer zu erkunden und zu erhöhen.

Phelps Dodge

"Die amerikanische Phelps Dodge Corporation, 1834 gegründet, schiffte anfangs in den USA angebaute Baumwolle nach England und auf der Rücktour Zinn, Eisen und Kupfer in die USA. Als die Amerikaner im Westen Kupfer entdeckten, begann die Firma mit dem Aufbau von eigenen Minen und fertigte Kupferwaren und Kupferkabel für die wachsende amerikanische Wirtschaft. Im Kupfersektor ist Phelps Dodge gegenwärtig das führende Unternehmen mit Kupferbergwerken in den USA, Chile und Peru.

Im August 2005 sicherte sich Phelps Dodge von der staatlichen Minengesellschaft Gécamines mit dekretierter Zustimmung der Übergangsregierung Kabila eine Mehrheitsbeteiligung von 57,75 Prozent an der Kupfer-Kobalt-Mine Tenke-Fungurume in Katanga für nur 60 Millionen (!) Dollar. Es handelt sich dabei um die Konzession zum Abbau der größten bislang unberührten Kupferreserven der Welt. Allein die dort bisher nachgewiesenen Reserven von sieben Millionen Tonnen Kupfer und 1,5 Millionen Tonnen Kobalt sind nach heutigen Preisen 90 Milliarden (!) Dollar wert, was etwa 50 Jahresbudgets des Landes entspricht. Es nimmt nicht wunder, dass Lutundula in seinem Bericht ans Parlament die Annullierung und Neuverhandlung dieses Vertrags fordert.

Metorex

Die südafrikanische Firma war zunächst ein Außenseiter im Minengeschäft, bis Südafrikas erfolgreichster Fondsmanager Allan Gray 25% von Metorex aufkaufte.
Ab 2008 will das Unternehmen im Kongo in einem Tagebau für eine Investitionssumme von 150-180 Millionen Dollar Kobalt und Kupfer abbauen. Der Einstieg war aber auch für Metorex eine Mehrheitsbeteiligung (84%) bei der Wiederverarbeitung der Kupfer-Kobalt Halden in der Ruashi Grubenregion für ein relativ günstiges Investitionsvolumen von 15-20 Mill. Dollar (Kölner Stadtanzeiger 22.7.2006.) Ein BBC-Bericht beleuchtet, mit welchen Methoden das Unternehmen seine Gewinne erwirtschaftet: In der Mine arbeiten vom Morgengrauen bis zur Dämmerung 800 Kinder zwischen 5 und 16 Jahren hüfttief in vergiftetem Wasser für etwa 1 Dollar pro Tag, wobei jüngere Kinder bevorzugt werden, weil sie weniger verdienen. Nach eigenen Angaben hat Metorex mit dem Erwerb der Anlage auch die Individualschürfer, die vorher informell dort arbeiteten "geerbt" und sie (eigene Anmerkung: zumindestens den billigstenTeil) nun gnädigerweise dort weiter beschäftigt, weil sie sonst vollkommen erwerbslos wären. Sie würden aber gerne alle Individualschürfer los werden.

First Quantum

Die kanadische Gesellschaft First Quantum ist ein reiner Kupferproduzent mit Bergwerken in der Demokratischen Republik Kongo und Sambia. Die Philosophie des Unternehmens erläutert der Präsident Clive Newall: "Kongo ist der letzte verbliebene Platz in der Welt, wo man noch große und ergiebige Lagerstätten finden kann, die sich billig im Tagebau fördern lassen","Es ist verdammt riskant hier, aber die Gewinne sind riesig."

Die Strategie ist erfolgreich: Im Kupfer-Kobalt-Projekt Lufua wird bereits mit Erfolg Kupfer produziert, wobei Erfolg bedeutet, dass bereits 2004 die Gewinne dank des gestiegenen Kupferpreises mit 28 Mio. US-Dollar gegenüber 4,6 Mio. US-Dollar im Vorjahr einen rasanten Anstieg verzeichneten.

Konkurrenz aus China: Feza Mining

China braucht für seinen wirschaftlichen Aufschwung riesige Mengen an Kupfer und ist auch mit Abstand der größte Abnehmer kongolesischen Kobalts. In den letzten Jahren profitierte China hauptsächlich vom Individualabbau. Das mit primitiven Methoden geschürfte Kupfer und Kobald wurde und wird immer noch von Händlern zur weiteren Veredelung legal oder illegal nach Sambia verbracht, dort unter chinesischer Beteiligung industriell veredelt und nach China verkauft.

Seit einigen Jahren intensiviert China aber auch seine offiziellen Beziehungen zum Kongo. Neben Investitionen in Infrastruktur z.B. der Schnellstraße von Kinshasa nach Matadi, dem wichtigsten Hafen am Kongofluss, nahm das kongolesisch-chinesische Unternehmen Feza Mining in der Rohstoffprovinz Katanga den Betrieb auf. Es soll jährlich bis zu 4000 Tonnen Kupfer- und Kobaltlegierungen produzieren.

Die Zusammenarbeit mit China ist auch für andere Staaten in Afrika attraktiv, weil sie nicht an politische Bedingungen geknüpft wird. Wie andere Staaten auch wird der Kongo auf diese Weise aber zu einem Feld der Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten, die ihre Einflußspähren sichern wollen.

Großmächte unter sich

In der ideologischen Auseinandersetzung scheut man dabei nicht davor zurück, dem anderen das vorzuwerfen, was man selber tut oder tun möchte:

Nachdem deutsche Unternehmer mit Bergbau-Interessen an einer Kongo-Reise teilgenommen hatten, die der Afrika-Verein für expansionswillige Firmenvertreter organisiert hatte, stösst der Phelps Dodge-Deal in Berlin auf massive Kritik. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass derartige Ausbeuterverträge vor einem internationalen Gericht Bestand haben werden", urteilt der Bundeswehrgeneral a.D. und ehemalige deutsche Beigeordnete des UN-Generalsekretärs Manfred Eisele nach Informationen von german-foreign-policy vom 18.5.2006

Und der Rheinische Merkur vom 13.4.2006 bemerkt: "Die chinesische Strategie zur Gewinnung wirtschaftlichen Einflusses basiert im Kongo in erster Linie auf gewaltiger Rohstoffnachfrage, insbesondere nach Kupfer. International geforderte Kriterien wie staatliche Ordnung, gute Regierungsführung und Beachtung der Menschenrechte fallen für Peking bei der Verfolgung von Wirtschaftsinteressen nicht ins Gewicht. ...China nutzt das Fehlen staatlicher Strukturen auch zur sozial rücksichtslosen Zerstörung des ohnehin schwachen innerkongolesischen Textilmarkts. Fabriken werden aufgekauft, die einheimischen Stoffmuster kopiert und sodann in China billiger produziert. Danach werden die Fabriken im Kongo geschlossen. Niemand scheint sich dagegen wehren zu können. Die kongolesischen Politiker beginnen zu verstehen, dass ihnen hier ein neuer Kolonialismus droht, dem sie im Augenblick nichts entgegenzusetzen haben."

Der Artikel vergaß anzumerken, dass viele Verträge westlicher Unternehmen bis zu den aktuellen Abschlüssen mithilfe einer korrupten Regierung zustande kamen und dass gute Regierungsführung im Kongo unter anderem hieß, den Staatsbetrieb Gecamines zu privatisieren und 1000 Minenarbeiter zu entlassen, um Kredite zu erhalten. Aber er informierte uns dankenswerterweise darüber, worum es im Kongo geht: um einen neuen Kolonialismus.



* International Crisis Group (ICG): ein internationaler "think tank" aus Politikern, Diplomaten und Militärs zur Analyse von internationalen Konflikten, der im wesentlichen von US-Stiftungen finanziert wird. Aus Deutschland sind Friedbert Pflüger(CDU) und Uta Zapf (SPD) vertreten. Die Berichte der ICG werden an die Außenministerien und internationale Organisationen gesendet, sowie auf der Website der Organisation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Quellen:
(The International Crisis Group, Katanga: The Congo's Forgotten Crisis, Africa Report Nr. 103, 9.1.2006, Seite 8).
http://www.finanzen.net/news/news_detail.asp?NewsNr=402767
http://www.az.com.na/index.php?page=news/news.php&identifier=1097443095&id=15557
http://www.finanzen.net/news/news_detail.asp?NewsNr=395746
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4964070_REF1,00.html
http://www.axino.de/public/story_detail.asp?sid=1&mm=24&msub=10&lid=1&mid=1411&a=300&sc=&y=6383&&offset=
http://de.wikipedia.org/wiki/Phelps_Dodge
www.ksta.de/html/artikel/1152898226070.shtml
http://www.goldseitenforum.de/thread.php?threadid=1387&sid=85836b847b14f1fc3b505af4480889cf
Kölner Stadtanzeiger 22.7.2006
http://www.timesonline.co.uk/article/0,,2089-2251243,00.html
http://www.theminingnews.org/news.cfm?newsID=824
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=12778&CP=0&F=47#newmsg
http://www.mineweb.net/sections/mining_finance/324228.htm
01.01.2007