Von der kolonialen bis zur neokolonialen Ausbeutung

3.8.2006: Banro ist eine Tochtergesellschaft der Anglo-American Corp., der größten Minengesellschaft der Welt. Möglicherweise ist Banro von Anglo-American Corp überhaupt nur zu dem Zwecke gegründet worden, Sominki zu übernehmen.

Belgische Aktionäre gründen Sominki (Société Minière du Kivu)

Auf der Berliner Konferenz 1885 - an der weder ein Afrikaner teilnahm noch jemand, der Afrika bereist hatte - wurde der Kongo dem belgischen König als Privateigentum zugesprochen.

1902 überließ Leopold II. dem belgischen Baron Empain eine grosse Konzession im Kongo, auf deren Grundlage mehrere belgische Bergbaufirmen gegründet wurden.

1967 fusionierten einige von ihnen und gründeten die Firma Sominki, die 47 Minenkonzessionen im Ostkongo umfasst. Dabei machte die Goldförderung vier Fünftel ihrer Aktivitäten aus, Cassiterit (ein Erz, aus dem Zinn extrahiert wird) und Coltan den Rest.

Der Verfall der Zinnpreise und die Erschöpfung bekannter Vorkommen führten ab 1985 zu einer Krise und Umstrukturierung: zunächt wurden mechanisierte Betriebe geschlossen und ihre Arbeiter entlassen. Einzelpersonen wurde weiterhin erlaubt, eigenverantwortlich und manuell auf Sominki-Konzessionen nach Mineralien zu schürfen.

Ab 1989 suchte die Gesellschaft dann einen Käufer, der mit einem unausgebeuteten Twangitza-Goldvorkommen geködert werden und die unrentablen Zinnkonzesionen miterwerben sollte.

Erst 1995 war die Suche erfolgreich. Zu dem Zeitpunkt hielten die belgischen Aktionäre von Sominki noch über 72 % der Aktien, 28 % gehörten der kongolesischen Regierung unter Mobuto. Die Belgier verkauften ihren 72 %igen Sominki-Anteil an die US-Firma Cluff Mining und die kanadische Banro-Gruppe, die ihrerseits bereits ein Jahr später die Cluffs-Anteile erwarb und mit 72 Prozent der Aktien Mehrheitseigentümer wurde.

Gründung von Sakima durch Banro

Nun wollte Banro auch noch die letzten 28 % kaufen und zügig mit dem Abbau der Bodenschätze in Kivu im Ostkongo beginnen. Zu diesem Zweck gründete Banro am 23.Oktober 1996 die kongolesische Tochtergesellschaft Sakima (Société Aurifère de Kivu et Maniema). Mobuto wurde zu diesem Zeitpunkt mithilfe von Kreditverweigerungen durch Weltbank und IWF zu weiteren Privatisierungen gezwungen und traf am 13. Februar 1997 mit Banro eine Vereinbarung, nach der sich der Anteil des zairischen Staates an Sominki auf sieben Prozent reduzierte und der von der Banro-Tochter Sakima auf 93 Prozent erhöhte.

6 Wochen später befanden sich die Minen im Osten des Landes aber schon unter Kontrolle der AFDL-Rebellen von Laurent-Désiré Kabila, der Mobuto am 17. Mai 1997 stürzte. Einen Monat später bestätigte er zunächst die Vereinbarung mit Banro, versuchte jedoch, die Bedingungen der Zusammenarbeit mit Banro zu verändern. Er verlangte von Banro als Hauptanteilseigner Kapitalinvestitionen in Höhe von 340 Millionen Dollar, um in den ehemaligen Sominki-Konzessionen den industriellen Bergbau neu zu beginnen. Banro gründete seinerseits am 3. Oktober 1997 eine weitere Tochtergesellschaft RMA (Ressources Minières Africaines), um Cassiterit und Coltan zu fördern, was von der Regierung unter Laurent Kabila als unrechtmäßig angefochten wurde. Am 29. Juli 1998 annullierte Kabila den Vertrag mit Banro vollständig.

Gründung von Somico durch Laurent Kabila

Die Regierung Laurent Kabila gründete daraufhin eine eigene neue Minengesellschaft Somico (Société Minière du Congo) und stellte sie als Nachfolgerin der aufgelösten Sominki dar. Sakimas Eigentum, einschließlich seines Geschäftssitzes in Kinshasa, wurde von der kongolesischen Regierung zugunsten Socimos am 31. Juli beschlagnahmt.

Banro und die RCD-Rebellen

Aber am 2.August 1998, zwei Tage später, brach die zweite kongolesische Rebellion aus, und die neue Rebellenbewegung RCD im Osten des Kongo genoss die Unterstützung der ehemaligen Direktoren von Sakima. Die RCD-Rebellen übernahmen schnell die Kontrolle über die meisten Sominki-Konzessionen und nutzten sie für ihren Krieg. Im Oktober 1999 übergaben die RCD-Rebellen Sakima wieder an Banro und verlangte im Gegenzug eine monatliche Steuerzahlung von 300.000 Dollar. Inzwischen waren die Minen allerdings ruiniert und systematisch ausgeplündert worden, so dass sie kurzfristig nicht mehr rentabel waren.

Vermutlich um trotzdem bessere Bedingungen auszuhandeln, annullierte die RCD am 2.Juni 2000 den von ihr zuvor bestätigten Sominki/Banro-Deal wieder, Sakima und RMA wurden zwar eingeladen, einen neuen Vertrag zum erneuten Erwerb der Minen von Sominki auszuhandeln, aber dieses Angebot stand auch anderen Investoren offen. So erhielt auch die südafrikanische Firma MPC von den RCD-Rebellen Rechte an Sominki.

Banro und die Zentralregierung

Neben ihrer Zusammenarbeit mit den RCD-Rebellen hatte Banro nach ihrer Enteignung die kongolesische Regierung unter Laurent Kabila vor ein Schiedsgericht in den USA zitiert, nach seiner Ermordung aber eine Einigung mit seinem Sohn und Nachfolger Joseph Kabila präsentiert. Nach dieser Vereinbarung vom 21. Dezember 2001 wurde Banro als rechtmäßiger Eigentümer von Sakima und damit der ehemaligen Sominki-Konzessionen anerkannt.

Daraufhin stiegen die Banro-Aktien in den nächsten beiden Jahren um 75 Prozent und ab 2003 begannen die ersten Investitionen. Zunächst sollten zusammen mit "American Mineral Fields" die Kupfer- und Kobaltminen um Kolwezi in Katanga für 350 Millionen Dollar instand gesetzt werden. (TAZ 17.12.2003)

Im Mai 2006 erreichten die Aktien der Banro Corp. ein neues 52-Wochenhoch, nachdem eine Rentabilitätsstudie für eine Goldmine im Twangiza-Namoya-Goldgürtel hohe Gewinnmargen versprach. (Finanzen.net 5.5.2006)

01.01.2007