Deal mit dem Rebellenführer

3.8.2006: Eine kurze Geschichte von den wechselvollen Beziehungen zwischen den Mächtigen dieser Welt. Treu bleiben sie nur ihren eigenen Interessen:

Die Firma wurde 1995 gegründet, um in Brasilien Diamanten zu fördern, wandte aber 1996 ihr Interesse dem Kongo zu. Der Hauptaktionär Jean-Raymond Boulle mit Kontakten zu Bill Clinton hatte sein Hauptquartier 1995 nicht ohne Grund nach Hope, Arkansas, in den Wohnort des damaligen US-Präsidenten verlegt. Seine Manager wurden bald "the friends of Bill" getauft.

Zunächst agierte AMF im Kongo als Partner der südafrikanischen Anglo American, wo das mit De Beers verbundene Bergbauunternehmen bereits Förderkonzessionen besaß. Zu der Zeit war Mobuto unter dem Druck von Weltbank und IWF zu Verhandlungen über die Gewährung von Minenkonzessionen gezwungen, allerdings zogen sich die Verhandlungen mit AMF bereits über Monate hin, als der Vormarsch der AFDL unter Laurent Kabila begann,. Er wurde von den USA unterstützt, um einer Reihe westlicher Firmen zu ermöglichen, die kongolesischen Bodenschätze neu aufzuteilen.

AMF löste sich zunächst von Anglo American und stellte im November 1996 einen Kontakt zu Kabila her, der in gegenseitigem Interesse ausgebaut wurde. Bereits am 9. Mai organisierte AMF ein Treffen zwischen Laurent Kabila und hochrangigen Vertretern der internationalen Finanzwelt. Ersterer wollte seine Macht stärken, um aus der Rebellion gegen Mobuto erfolgreich hervorzugehen, für letztere sprach der AMF-Vertreter: "Zaire ist wie ein Konkursverfahren. Es hat gute Besitztümer, und die möchte man in seine Finger bekommen.".

Beide Gruppen zusammen begannen, die Plünderung der Bodenschätze im Kongo zu planen. AMF konnte in den Verhandlungen die Nähe zur US-Regierung nutzen, weil Kabila auf die spätere Hilfe der USA hoffte. Schließlich waren für eine erfolgreiche Etablierung seiner Macht neue Kredite von IWF und der Weltbank erforderlich, die Mobuto zuletzt verweigert worden waren.Laurent Kabila und AMF einigten sich wenig später auf einen Deal:

Die AMF gewähren Laurent Kabila Unterstützung mit:
  • Finanzieller Hilfe in Höhe von 20 Millionen für seine Rebellenbewegung
  • Vermittlung des belgischen Ex-Oberst Willy Mallants als Militärberater mit ausreichender Erfahrung, da er bereits als Polizeioffizier im Belgisch-Kongo und von 1964 bis 73 bei Mobutu gedient hatte. (Außerdem sollen bereits 1996 amerikanische Special Forces Kabilas Milizen in Uganda trainiert und mit Ausrüstung wie Nachtsichtgeräten versorgt haben)
  • Für seine persönlichen Belange wurde ihm ein Privatjet zur Verfügung gestellt.
Die Gegeleistung von Laurent Kabila an AMF:

1997 erhielt die amerikanische AMF umfangreiche Konzessionen zu äußerst profitablen Förderungsbedingungen und konnte damit DeBeers und die Anglo-American Corporation aus Südafrika zunächst ausstechen. Dabei handelte es sich um
  • 51% der Kobalt-, Kupfer- und Zinkminen von Kolwezi und Kapushin, ein Gebiet von der Größe der Schweiz, in dessen Boden Werte von über 20 Milliarden Dollar liegen.
  • dazu einen Diamantenvertrag in der Provinz Kasai Oriental
  • Außerdem erlaubte Kabila American Diamonds, einer Schwesterfirma von AMF, im April 1997 die Eröffnung des ersten von der AFDL lizenzierten Diamantenhandels in Kisangani. Damit hatte der frühere Monopolist, Anglo-Americans Schwesterfirma De Beers, sein Monopol verloren.
Allerdings hielten die Vereinbarungen nicht sehr lange, denn Lauent Kabila forderte Monate später Neuverhandlungen mit Berücksichtigung eines neuen Interessenten aus Südafrika, ohne daß die AMF Einspruch erheben konnte. Es kam dabei zu keiner Einigung über das von AMF gewünschte Kolwezi-Projekt. Die Investitionsprojekte wurden deshalb unter Laurent Kabila wieder auf Eis gelegt und wenig später warb Robert Stewart, ehemals Vorsitzender von AMF, offen für seinen Sturz. Seine Ermordung Anfang 2001 kam AMF deshalb nicht ungelegen. Die Firma befand sich dann auch unter den ersten Gratulanten für seinen Nachfolger Joseph Kabila und brachte ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass er die Bergbaugesetzgebung reformieren wollte.

Zuvor (1999) hatte die belgische Bergbaufirma Union Miniere zunächst 11% später 20% Anteil an AMF erworben und auch die Zusammenarbeit mit Anglo American war 2002 wieder erneurt worden, um das Kolwezi-Projekt endlich zu realisieren.

01.01.2007