Profitable Dienste für das Pentagon

Der Halliburton-Konzern

Halliburton ist nach eigener Darstellung der weltweit größten Dienstleister für Erdöl- und Erdgasunternehmen mit Sitz in Dallas (Texas), der 100.000 Mitarbeiter in 20 Ländern beschäftigt. Der Konzern gibt sich zivil und trägt dieses Bild auch nach außen. Aber seit langem profitiert der Konzern aus Aufträgen aus dem Pentagon.

Bereits von 1962 bis 1972 flossen Millionen an Halliburton für den Aufbau militärischer Infrastruktur in Südvietnam und den Aufbau der Luftwaffenbasis Diego Garcia im indischen Ozean, auf der sich eines der berüchtigten >Lager für Kriegsgefangene befindet. Mit der Präsidentschaft Bush wurde dank Vize-Präsident Cheney die fruchtbare Zusammmenarbeit zwischen Halliburton und dem Pentagon erheblich ausgeweitet.

Die Halliburton - Cheney - Connection

Cheney war bis 1989 Mitglied des Kongress und wurde 1989 für vier Jahre Verteidigungsminister unter Bush senior. Hier eine unvollständige Liste der Geschäfte, die er in dieser Zeit für Halliburton angekurbelt hat:

  1. Die zu Halliburton gehörende Baufirma Kellogg, Brown & Root Services (KBR) mit ihren Erfahrungen in Vietnam wurde 1992 von Cheney beauftragt, für 3,9 Millionen Dollar einen Bericht über Privatisierungsmöglichkeiten für die Logistik der Armee bei Auslandseinsätzen zu verfassen. Noch im selben Jahr erhielt die Firma weitere 5 Millionen Dollar für den Bericht und schließlich einen über fünf Jahre sich erstreckenden Vertrag für die Kooperation mit dem US Army Corps of Engineering u.a. für Stützpunkte in Somalia (62 Millionen), in Bosnien (2,2 Milliarden) oder in Saudi-Arabien (5,1 Millionen)

  2. Von 1995 bis 2000 wurde Cheney zum Dank für geleistete Dienste Direktor des Halliburton-Konzerns und blieb in dieser Position bis zu seiner Berufung in das Wahlkampfteam von Bush. Danach profitierte Halliburton weiter von Cheneys Beziehungen zum Militär. In diesen fünf Jahren erhielt Halliburton staatliche Aufträge und Bürgschaften von geschätzten 3,8 Milliarden US-Dollar - das war fast doppelt so viel wie in den fünf Jahren davor.

  3. 1995 verdiente KBR jährlich 350 Millionen Dollar, vier Jahre später bereits 650 Millionen Dollar an den Pentagon-Aufträgen. Dabei ging das Pentagon offenbar nicht unbedingt sparsam vor.

  4. Auch vor unlauteren Methoden schreckt das Unternehmen nicht zurück: Erst im Februar zahlte die Firma 2 Millionen, um einen Rechtsstreit mit dem Justizministerium niederzuschlagen, bei dem es um Betrug bei der Schließung des kalifornischen Stützpunkts Fort Ord ging.

  5. Trotzdem konnte 1999 ein weiterer 5 Jahresvertrag in Höhe von 730 Millionen für Versorgungsleistungen in Bosnien und im Kosovo abgeschlossen werden.
Die von Halliburton und KBR an das Pentagon geschickten Rechnungen liegen offenbar höher als üblich. Sogar das General Accounting Office (eine Art Rechnungshof) kritisiert die Armeeführung, weil Rechnungen einfach akzeptiert wurden, ohne vorhenden preiswertere Alternativen zu prüfen

Natürlich kosten die Dienste der Halliburton-Tochter oft mehr, als wenn die Arbeit vom Militär selbst erledigt worden wäre. , was auch vom General Accounting Office (eine Art Rechnungshof) angemahnt wurde.

Politik nach Geschäftslage

Als Cheney Verteidigungsminister unter Bush senior war, setzte er Sanktionen gegen Libyen und nach dem ersten Golfkrieg gegen den Irak durch. Als späterer Direktor von Halliburton wich diese "politische" Haltung, die er heute als Stellvertreter von Bush junior wieder auffrischt, einer eher pragmatischen Einstellung. 1998 kritisierte er etwa, dass die USA zu sehr auf Sanktionen setzen, und versuchte auch, Ausnahmeregelungen für seine Firma bezüglich Iran und Libyen zu erreichen.

Schon 1995 wurde KBR zu einer Geldstrafe wegen der Verletzung der Sanktionen gegen Libyen verurteilt. Und wie andere US-Firmen auch, umging Halliburton über europäische Mittlerfirmen die Sanktionen gegenüber dem Irak und lieferte Technik, um die Ölförderanlagen Husseins zu modernisieren. Unter der Führung von Cheney war Halliburton der größte amerikanische Handelspartner des Irak und machte mit dem Land über zwei Mittlerfirmen Geschäfte in Höhe von 23 Millionen offziell.

Cheney profitiert von Halliburton

Als Direktor dürfte Cheney jährlich über zwei Millionen Dollar verdient haben und war zugleich der größte Aktienbesitzer des Konzerns. Im Jahre 2000 verkaufte er, in Blick auf seine poltiischen Ambitionen, für 20 Millionen Halliburton-Aktien, die restlichen soll er Stiftungen vermacht haben. Der Kurs war im August 2000 wunderbar hoch, viermal höher als heute.

Auch dabei kamen wohl unlautere Methoden zur Anwendung: zumindestens bemüht sich Halliburton, mit der Zahlung von sechs Millionen Dollar um die Einstellung eines Verfahrens wegen betrügerischer Buchhaltung. Aktionäre werfen der Firma vor, durch den Wechsel in der Buchhaltungspraxis den Unternehmensgewinn von 1999 bis 2001 um 445 Millionen Dollar zu hoch bewertet zu haben. Das habe den Aktienpreis zunächst in die Höhe getrieben, nach den Kursverlusten im vergangenen Jahr habe dies jedoch zu Millionenverlusten für die Anleger geführt.

Am 16. August 2000 gab Cheney sein Amt als Chairman und Chief Executive des Halliburton-Konzerns ab. Zum Abschied soll er eine Abfindung von 36 Mio. US$ samt Aktienoptionen bekommen haben. So ist dafür gesorgt, dass er in seiner neuen Funktion seine alten Verbindungen nicht vergisst.

Cheney wird Vizepräsident unter Bush junior

In seiner neuen poltischen Funktion unterstützt Cheney die zunehmende Privatisierung militärischer Logistik, d.h. die Versorgung der Armee mit Unterkünften, Energie, Nahrungsmitteln usw. Immer noch und immer mehr arbeitet Kellogg, Brown & Root Services (KBR) als Ausrüster für die US-Armee und US-Navy in aller Welt; Zunächst erhielt der Konzern einzelne Aufträge:

  1. in Somalia seit 1992

  2. in Ruanda, Haiti und Saudi Arabien/Kuweit seit 1994

  3. in Italien seit 1995

  4. auf dem Balkan seit 1995

  5. Mit der zum Rüstungskonzern Northrop Grumman/TRW zählenden Vinnell Corp. betreibt KBR die wichtigen US-Luftwaffenbasen Incirlik und Izmir in der Türkei.

  6. Für zwei Millionen baute KBR im November 2001 die Schutzmaßnahmen für die US-Botschaft in Taschkent aus.

  7. Auch für die Lebensmittelversorgung der amerikanischen Soldaten in Usbekistan ist die Firma zuständig, ebenso wie für einen Großteil des Betriebs des Luftwaffenstützpunkts in Khanabad in Usbekistan, auch wenn dies 10 bis 20 Prozent mehr kostet, als wenn das Pentagon dies selbst machen würde. Khanabad ist die Ausgangsbasis für militärische Operationen in Afghanistan.

  8. Seit Mai 2002 versorgt KBR auch US-Stützpunkte in Afghanistan selbst.

    Man sollte bei all dem nicht vergessen, dass Halliburton natürlich großes Interesse daran hat, bei der Ausbeutung der Erdöl- und Erdgasvorräte in Zentralasien sozusagen in vorderster Front zu sein, vor allem in Usbekistan und Turkmenistan, also gerade dort, wo KBR bereits aktiv ist.

  9. Nach einem Bericht der New York Times erhielt KBR unter Bush/Cheney den Exklusivvertrag für die Versorgung der Marine und Armee mit Lebensmitteln, Bauten, Energie und Treibstofft. Der erstaunliche Vertrag wurde Ende 2001 über 10 Jahre abgeschlossen- und enthält keinerlei Kostenobergrenze. Wie eine Lizenz fürs Gelddrucken.

  10. Dazu gehört auch ein Vertrag zwischen KBR und der US-Marine vom Februar über 16 Millionen Dollar zur >Errichtung eines Gefangenenlagers mit 400 Zellen auf dem kubanischen Stützpunkt in Guantanamo Bay. Weitere 7 Millionen wurden dann im April für die Ausbauphase II bewilligt.
KBR auch in Großbritannien

Auch mit den britischen Militärs ist KBR bestens im Geschäft: Dem Konzern gehört der größte Marine-Hafen Europas, Devonport Royal Docklands, im englischen Plymouth. In Wales managt KBR mit einer Partnerfirma die Luftwaffen-Ausbildungsbasis RAF Valley, für die Landstreitkräfte seiner Majestät stellt ein KBR-geführtes Konsortium eine Flotte von 92 Schwertransportern bereit, die britische Challenger-Panzer überall auf der Welt schnell an die Front bringen sollen. Seit neuestem gehört auch die >(kostenspielige) Wartung der britischen Atomflotte zu Halliburtons Geschäftsfeldern.

KBR im Irak

Bevor in der Wüste Iraks der erste Schuß gefallen war, hatten rund 1.800 Mitarbeiter der Halliburton-Tochterfirma Kellogg, Brown and Root bereits einen Vorvertrag erfüllt: Sie bauten Zeltstädte für 80.000 Soldaten in Kuweit und organisierten Logistik und Unterkunft für US-Truppen in Afghanistan, Georgien, Jordanien und Usbekistan. Das Pentagon zahlt für diese Kriegshilfsarbeiten 840 Millionen Dollar.

Außerdem hatte die KBR bereits Wochen vor Kriegsbeginn einen geheimen Exklusivauftrag über 7 Milliarden Dollar zur Bekämpfung von Ölbränden im Irak bekommen. Erst später wurde bekannt, dass KBR ohne öffentliche Ausschreibung auch die Förderung und den Vertrieb irakischen Öls übernehmen soll. Ein Sprecher des US-Militärs bezifferte das Auftragsvolumen für die Halliburton-Tochter auf 75 Mio. Dollar. Schätzungen zufolge wird die Auftragssumme insgesamt 600 Mio. Dollar erreichen.

Ziviler Sektor, aber unzivilisierte Methoden

Die Aktivitäten von Halliburton in Bangladesh sind ein Beispiel für ganz besonderes "Krisenmanagment". Halliburton und Cairn Energy sind Partner bei der Erschließung der Erdgasvorkommen Bangladeshs im Golf von Bengalen. Cheney unterhält enge persönliche Beziehungen mit Scheich Hasina Wazed, dem Premierminister des Landes, aber auch mit dem Oppositionsführer (und früheren Premierminister) Begum Khaleda Zia. 1998 besuchte Cheney die Offshore-Felder von Sangu, ein Joint-Venture, an dem neben Halliburton und Cairn auch Shell und die staatliche Ölgesellschaft Bangladeshs, Petrobangla, beteiligt sind.

Bushs und Cheneys Interessen in Indien und Bangladesh sahen sich vor wenigen Monaten mit einer Rebellion im nahen Nepal konfrontiert. Die US Army drängte auf militärische Unterstützung für die nepalesische Armee, um die Rebellion militärisch niederzuschlagen. Im Mai konnte die Army dem Repräsentantenhaus berichten, die USA unterhalte jetzt Truppen in Nepal. Nepals König Birendra hatte jedoch andere Pläne als seine Offiziere; er wollte mit den Rebellen verhandeln und eine militärische Konfrontation verhindern. Im vergangenen Juni wurde er zusammen mit seiner Frau und einer Reihe hochrangiger Berater in einem Blutbad vom Kronprinzen erschossen, der sich daraufhin selbst umbrachte. Dass die CIA ihre Finger im Spiel hatte, bestätigen auch ehemalige Geheimdienstoffiziere aus den USA und Kanada. Der neue König, Gyanendra, kann auf langjährige gute Beziehungen mit der CIA zurückblicken.

Die US-amerikanische Militärintervention in Nepal ist Teil des Projekts "Tempest Express", das anstrebt, US-Truppen für "friedenserhaltende Maßnahmen" und "Krisenmanagement" in Asien zu stationieren und die militärischen Beziehungen zwischen Nepal und Bangladesh zu intensivieren. Wer die neuen Stützpunkte baut?
20.08.2003