Ein Kriegsgewinner unter der Lupe

Bechtel: Der neo-liberale Musterkonzern

Der Name Bechtel wird unweigerlich allen begegnen, die sich mit der US Außenpolitik der letzten Jahre beschäftigen. Wo immer amerikanische Wirtschaftsinteressen realisiert werden, ist der Bechtel-Konzern dabei. Noch fordern herumliegende Streubomben im Irak ihre Opfer, da waren die lukrativen Aufträge für den Wiederaufbau wichtiger Anlagen im Irak schon vergeben. Auftragnehmer: Bechtel. Wir wollten mehr über Bechtel wissen. Das war nicht schwer: Denn die demokratische Öffentlichkeit in den USA beobachtet die Geschäftspraktiken dieses Konzerne schon lange. Es scheint, dass der Name Bechtel in den USA immer auftritt, wenn besonders gravierender Mißbrauch mit Menschen und Umwelt begangen wird.
Bechtel befindet sich in Familienbesitz. Gegründet wurde das Unternehmen 1889. Groß geworden ist der Bauriese während des Wiederaufbaubooms nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute wickelt der Konzern mehr als 20.000 Projekte in 140 Ländern ab.Darunter Öl-Pipelines in Alaska, Kanada und Saudi-Arabien, Raffinerien in Sambia. 1951 baute Bechtel den ersten Atomreaktor der Welt und setzte diesen Weg fort: 40 % der Atomreaktoren in den USA und 50 % der Atomreaktoren in den Entwicklungsländern wurden von Bechtel errichtet; zur Zeit wird eine 1450 Megawatt-Anlage in China gebaut.

Die Jahreseinkünfte des Konzerns betrugen 2001 13,4 Milliarden Dollar.Der Multi-Milliardär Riley Bechtel steht auf der Liste der reichsten Menschen der Welt an 104.Stelle.

Bereits in den 40er Jahren beginnt die Unternehmenstätigkeit im Nahen Osten. Bechtel baut Raffinierien in Saudi-Arabien und Bahrein, um die Alliierten mit Öl zu versorgen. Später folgt der Ausbau aller Ölpipelines in Saudi-Arabien und Kuweit, ein Kraftwerk und ein Flughafen für die Stadt Riad.

Am 20 12.1983 schickte Georg Shultz, damals Staatsekretär von Reagan, vorher Präsident von Bechtel, Donald Rumsfeld nach Bagdad. Er sollte dort bei Saddam darauf drängen, dass Bechtel den Auftrag für eine Öl-Pipeline von Irak nach Jordanien bekam, die später aber nicht gebaut wurde.

Nach dem ersten Irak-Krieg übernahm Bechtel die Aufräumarbeiten in Kuweit für schätzungsweise 2 Milliarden Dollar.

Der Bechtel-Konzern ist der Baukonzern, der in der letzten Wahlperiode die meisten Wahlkampfspenden eingesetzt hat. 1,3 Millionen US-Dollar fanden zu 59% ihren Weg zur Bush-Partei, der Rest zu den Demokraten. Nach dem letzten Irak-Krieg wurde Bechtel federführender Konzern für den Wideraufbau im Irak - mit irakischen Ölgeldern.

Bechtels gute Verbindungen zur Regierung: Einige Beispiele

Die personellen Verflechtungen des Bechtel-Konzerns mit staatlichen und Regierungsstellen sind nicht außergewöhnlich, wurden aber durch den Irak-Krieg einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Hier einige Beispiele:

  • George Shultz, erst Präsident bei Bechtel, später Außenminister unter US-Präsident Reagan, heute Vorsitzender des rechtsgerichteten Committee for the Liberation of Iraq und Aufsichtsratsmitglied bei Bechtel;


  • Caspar Weinberger (beteiligt an der Watergate-Affäre), war Berater bei Bechtel, dann Verteidigungsminister unter Präsident Reagan, Gegner der Abrüstungsvereinbarungen mit Gorbatschow Ende der 80er;


  • John McCone, Gründungsmitglied von Bechtel-McCone, wurde Vorsitzender der US Atom Energie Behörde, später Direktor der CIA und als Direktor des ITT-Konzerns 1973 initiativ in den Militärputsch gegen Salvador Allende in Chile verwickelt.


  • Jack Sheehan, früher Vizepräsident von Bechtel, heute Berater im Pentagon


  • Andrew Natsios, heute Administrator der US Agency for International Development (USAID) und mitverantwortlich für den Irak-Auftrag an Bechtel; vorher mitverantwortlich für die Vergabe des Bostonprojektes an Bechtel.

Bechtel im Irak

Die Art und Weise, mit der Bechtel den Irakauftrag bekommen hat, ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie das globale Spiel gespielt wird. Ob es sich um den Wiederaufbau des Irak, um Wasserwerke in Bolivien oder Indien, stets erfolgt die Auftragsvergabe unter absoluter Geheimhaltung.

Im März 2003 wird Riley Bechtel, Verwaltungsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender der Bechtel Group, Mitglied der Bush Administration: er wurde Berater von Präsident Bush in Exportfragen. Am 21.4.2003 trifft sich der Bechtel-Vertreter von Saudi-Arabien in Kuweit mit Jay Garner. Wenige Tage später erteilt die US Agency for International Development (USAID) Bechtel den Auftrag zum Wiederaufbau in Irak. Er umfasst ein Auftragsvolumen von 680 Mio US-Dollar in dern ersten 18 Monaten. Experten schätzen aber, dass die Gesamtsumme sich am Ende auf 100 Milliarden US-Dollar belaufen kann, zahlbar von den Irakern aus dem durch die US-Besatzung organisierten Verkauf irakischen Öls.

Es sollen 2 internationale und drei nationale Flughäfen gebaut, die Trink- und Abwasserversorgung, Elektrizitätswerke, Straßen, Schulen, Krankenhäuser und das Eisenbahnnetz wiederhergestellt werden. Über die Prioritäten beim Aufbau entscheidet allein die USAID, als Subunternehmer können auch Firmen aus anderen Ländern Aufträge bekommen.

(Als der Auftrag vergeben wurde, erwähnte die Regierung nicht, dass der Bechtel-Konzern immer noch eine geschäftliche Beziehung zur bin Laden-Familie unterhält. Die bin Laden-Familie hat einen Anteil von 10 Millionen US-Dollar an der Fremont Group, ein Unternehmen mit Sitz in San Francisco, deren Haupteigentümerin die Familie Bechtel ist. Eine Liste der Aufsichtsratsmitglieder zeigt eine deutliche Überschneidung: Fünf von Fremonts acht Aufsichtsratsmitgliedern haben bei Bechtel den gleichen Posten inne.

Rick Kopf, Anwalt der Fremont Group, der etwa elf Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten verwaltet, bestätigt, daß die bin Laden-Familie vor dem 11.9. ungefähr 10 Millionen US-Dollar in einen privaten Fonds der Fremont Group investiert hat. Er merkte an, daß die bin Laden-Familie ihren Anteil seitdem nicht mehr erhöht hat, verweigerte aber die Preisgabe weiterer Details über ihre Verbindung mit dem Unternehmen. Auch weigerte er sich, den Ursprung oder die Art der Beziehung zwischen der bin Laden und der Bechtel-Familie, die beide ihre Vermögen mit gigantischen Bauprojekten in der arabischen Welt verdient hatten, zu besprechen. Die Fremont Group wird bei dem Puzzle offensichtlich nicht mithelfen. Wie Kopf sagte: "Besitzverhältnisse sind Privatangelegenheit und werden nicht offengelegt.")

Aus der Tätigkeit des Konzerns

Bechtel in der Wasserwirtschaft: Beispiel Bolivien

Im April 2000 kam es in Bolivien zu massiven Protesten, nachdem die Regierung unter dem Druck der Weltbank beschlossen hatte, die zuvor öffentliche Wasserversorgung der Stadt Cochabamba zu privatisieren. Es wurde ein Vertrag geschlossen mit einem lokalen Investor Aguas de Tunari. Hinter diesem Investor steht die britische International Water Ltd., welche wiederum grösstenteils dem US-Baukonzern Bechtel Corp. gehört. Die Regierung präsentierte einen Gesetzesentwurf, der den Zugang der Bauern zum Wasser einschränken sollte. Mit dem Verkauf der Wasserversorgung an Aguas de Tunari wurden die Preise für Wasser im Januar 2000 auf einen Schlag verdoppelt. Bei einem minimalen Einkommen von 100 US-$ pro Monat wirkte sich die Erhöhung um 20 US-$ für die ärmere Bevölkerung verheerend aus.

Auf die Proteste der Bevölkerung in Cochabamba reagierte die bolivianische Regierung mit militärischer Gewalt. Präsident Hugo Banzer, der sich bereits 1971 an die Macht geputscht hatte und Bolivien bis 1978 diktatorisch regierte, verhängte den Ausnahmezustand: Versammlungen von mehr als vier Menschen wurden verboten, die Radiostationen nach und nach durch Militärs eingenommen, eine Ausgangssperre verhängt. Die Militärs schossen nicht nur mit Tränengas und Plastikgeschossen in die protestierende Menge, sondern auch mit scharfer Munition. Mindestens drei Personen wurden erschossen und über 30 Personen verletzt. Etliche Protestierende wurden inhaftiert.

Nach vier Tagen des Widerstands gab die Regierung schließlich nach und kündigte an, den Vertrag mit Aguas de Tunari aufzulösen. Recherchen ergaben, dass Aguas de Tunari für die Wasserversorgung in Cochabamba offiziell weniger als 20.000 US-$ bezahlt hatte.

Nach Aufkündigung des Vertrages verklagte Bechtel das Land Bolivien bei der Weltbank auf 25 Millionen Dollar Schadenersatz. Dieser Prozess ist noch im Gange- unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Eine Klage auf Offenlegung des Prozesses wurde im August 2002 abgelehnt.

Kohleförderung bei den Hopi-Indianern

In der Black Mesa, einem Reservat der Hopi-Indianer, wird die Kohle im Tagebau gefördert. Der Oberboden wird in kilometerlangen Streifen von der darunterliegenden Mineralschicht abgezogen, wobei eine graue Fläche zurückbleibt, kahl und bar jeder Vegetation. Die Luft ist von Kohlenstaub durchsetzt und das Grundwasser und die Wasserstellen sind mit giftigen Abwässern verunreinigt, die für die daraus trinkenden Wild- und Nutztiere tödlich sind.

Bei der Aufsetzung des Vertrags zwischen der Fördergesellschaft Peabody Coal und den Hopi wurden die Indianer unter anderem von John Boyden vertreten, der - ungesetzlicherweise - gleichzeitig für die internationale Bergbaufirma Kennecott (die Peabody Coal aufgekauft hatte) arbeitete. Auf diese Weise wurden eine Reihe für die Hopi nachteiliger Vertragsbedingungen eingebracht, insbesondere eine, die der Firma Peabody die Genehmigung verschaffte, pro Jahr eine Mrd. Gallonen Wasser (ca. 3,8 Mrd. Liter) für den Betrieb einer Kohleschlamm-Pipeline abzupumpen, der einzigen ihrer Art in den USA, die vor allem auch als Probelauf der neuen, für China und Russland bestimmten Technik gedacht war). Erbauer der Kohleschlamm-Pipeline war die Firma Bechtel.

Kohleschlammförderung funktioniert etwa wie ein riesiger Müllschlucker, wobei die Kohle in kleine Stückchen zermahlen, mit Wasser vermengt und anschließend durch ein Rohr gespült wird. Dabei werden innerhalb weniger Jahrzehnte die in Jahrtausenden entstandenen Wasservorkommen aus der Grundwasserblase der Black Mesa entnommen, dem einzigen, unersetzlichen Wasservorrat der Menschen in diesem Gebiet.

Inzwischen ist der Grundwasserspiegel gesunken, Brunnen und Quellen sind versiegt und das gesamte Ökosystem hat sich verändert, nachdem Pflanzen nicht mehr aussamen und bestimmte Pflanzenarten ausgerottet wurden.

1989 standen Proteste gegen eine Verlängerung der Fördergenehmigung einem Regierungsbericht über Umwelteinwirkungen gegenüber, welcher zu dem Schluss kam, dass das Thema Wasser "außerhalb des Untersuchungsrahmens lag", so dass mit dem Abbau fortgefahren wurde.

Kraftwerke bei den Navajo-Indianern

Die Firma Bechtel, welche die Kohleschlamm-Pipeline gebaut hatte, baute auch das Mohave-Kraftwerk in Nevada, das 1972 eröffnet wurde - als "1,5-Millionen-Megawattwunder des Westens" und gleichzeitig als Erprobungsstufe für die Entwässerung von Kohleschlamm. Zusammengenommen bestand die politische Macht der Eigentümer, dem WEST-Energiekonsortium, aus 7 Staatsgouverneuren, 14 Senatoren und mindestens 48 Kongressabgeordneten.

Heute gilt das Werk als "größte unkontrollierte Schwefeldioxidquelle des Südwestens - einer der Hauptverursacher des abgasgeschwängerten Dunstes, welcher den Blick über den Grand Canyon trübt."

1974 eröffnete die Firma Bechtel ein neues Werk, das Navajo-Kraftwerk bei Page an der Grenze von Arizona nach Utah, dem zweitgrößten Versorgungswerk der USA.

Dessen Haupteigentümer war das Innenministerium, welches das Central Arizona Project (CAP) durchführen wollte, bei dem das Wasser des Colorado über drei Gebirgsrücken hinweg nach Phoenix und Tucson befördert wird, und zwar unter Einsatz verschiedener technischer Vorrichtungen, u.a. 15 elektrische Pumpstationen, die, wie könnte es anders sein, mit Kohleenergie aus Black Mesa betrieben werden.

Die beiden Werke verbrauchen pro Jahr insgesamt 12 Mio. Tonnen Kohle über mindestens 50 Jahre. Um das Ziel zu erreichen, mußte der Widerstand der Navajo, die in der Black Mesa lebten, überwunden werden.

Daraufhin setzte John Boyden beim Kongress ein Gesetz durch, das den Hopi-Indianern 900.000 Acres (ca. 3.642 km²) zugestand und gleichzeitig die dort lebenden Navajo zu Eindringlingen machte, welche durch die Indian Relocation Commission umgesiedelt werden mussten.

Da die Regierung keinerlei Ersatzländereien oder Maßnahmen für die Integration der Navajo in eine städtische Umgebung eingeplant hatte, wurden bald Selbstmorde und Alkoholabhängigkeit bei den zwangsausgesiedelten Navajo fester Bestandteil ihres Alltags.

Klimaanlagen in Los Angeles, Neonreklamen in Las Vegas, Wasser für Golfplätze und Swimming-Pools in Phoenix und Tucson - nur wenige wissen, dass dies alles nur durch den Kohleabbau in der Black Mesa ermöglicht wird, und kaum jemand ist sich über den Preis dieses Fortschritts im Klaren.

Bechtel in Boston

Bechtel wurde beauftragt, die Stadt Boston für 2,5 Milliarden Dollar mit einem Highway zu untertunneln. Leider "übersah" der Konzern bei der Planung das große Baseball-Center im Stadtzentrum, was später die Kosten um 1,1 Milliarden Dollar in die Höhe trieb. Insgesamt ist die Kostenspirale 2003 bei 14,6 Milliarden Dollar angelangt.

Atomkraftwerke in Kalifornien

Bechtel ist der Betreiber mehrerer Atomanlagen in Kalifornien, die jedes Jahr steigende Umweltprobleme bereiten. Beispielsweise werden mit dem benötigten Kühlwasser große Mengen an Plankton, Fischen und sogar Seehunden mit eingesogen, das überwärmte Abwasser führt dagegen im Meer zu einer ökologischen Katastrophe. Einer dieser Reaktoren befindet sich in einem erdbebengefährdeten Bereich. Durch ständige geringe seismische Bewegung sind die Mauern bereits auf die Hälfte der ursprünglichen Dicke vermindert, ohne dass der Konzern daraus Konsequenzen zieht.

Bechtel in Deutschland

Für rund eine Milliarde Mark will das US-Unternehmen InterGen im Chemiepark Hürth-Knapsack ein neues Gas- und Dampfkraftwerk bauen. Die 800-Megawatt-Anlage soll im zweiten Halbjahr 2003 ans Netz gehen. Sie leistet genug, um 800.000 Menschen mit Strom zu versorgen. Intergen-Vizepräsident Martin Giesen ist überzeugt, mit dem Erdgas-Kraftwerk gegen die heimische Braunkohle antreten zu können.

Anfang Dezember übernahm InterGen, ein Gemeinschaftsunternehmen der niederländischen Shell und des US-amerikanischen Anlagenbauers Bechtel, die Projektplanung.

Bechtel am Roten Meer

Die Aqaba Special Economic Zone (ASEZA) hat bestimmt, dass die US-Engineering Corporation Bechtel die Aufgabe der Bereiche Management, Marketing und Promotion dieses Handelsmittelpunktes am Roten Meer übernimmt, und zwar in Verbindung mit einer privaten Entwicklungsgesellschaft. Bechtel wird als ein "Interims-Manager" zur Verfügung stehen. Die ASEZA und die US-Firma werden unter Einbeziehung lokaler und ausländischer Investoren eine öffentliche "developing company" errichten. Zukünftig wird Bechtel seine Mitwirkung graduell abbauen, um der "developing company" und ASEZA die Möglichkeit zu verschaffen, die ökonomische Zone gemäß internationalen Standards zu verwalten und zu vermarkten. Der strategische Partner wird technische Sachkunde und Know-how für Projekte und Marketing im Ausland bereitstellen. Studien prognostizieren, dass die ASEZA ein Kapital von 6,5 Milliarden Euro in Form ausländischer und lokaler Investitionen vereinigen und etwa 70.000 Arbeitsplätze innerhalb der nächsten 10 Jahre schaffen wird.

Bechtel in Neuguinea

Seit 1970 betreibt Bechtel in Neuguinea Goldminen, teilweise auf geheiligtem Land der Ureinwohner. 260.000 Tonnen giftiger Abfälle werden täglich direkt in die umgebenden Flüsse geleitet und richten irreversible Schäden in den tropischen Wäldern an.

08.06.2003