Saddam Hussein

Seit 1958 Kontaktmann und Informant des CIA. In diesem Jahr scheiterte ein von ihm betriebener Putsch gegen den damaligen irakischen Diktator Abdel Karim Kassem. Saddam floh damals nach Kairo – in die Arme seiner Gönner. Die ermutigten ihn zum abermaligen Putsch, nachdem Kassem die Ölindustrie verstaatlichte, sich der Sowjetunion näherte und aufhörte, die irakischen Kommunisten zu verfolgen.

1963 putschte sich die Baath-Partei an die Macht. Tausende wurden verhaftet und hingerichtet. Ihr Henker war der irakische Sicherheitschef Saddam Hussein. Gleichzeitig der Beginn einer fast 30 Jahre währenden, offenbar für beide Seiten nützlichen Partnerschaft.

Höhepunkt dieser Beziehung wird der August 1980: Die CIA signalisiert Saddam freie Bahn gegen den fundamentalistischen Iran. Im September greift er die iranische Ölprovinz Kusistan an. Doch die Iraner leisten starken Widerstand. Um einen iranischen Sieg mit allen Mitteln zu verhindern, wird die Regierung Reagan aktiv und erteilt Weisung, den Irak energisch zu unterstützen. Der damalige CIA-Direktor William Casey kümmerte sich persönlich darum und versorgt Saddams Armee mit Waffen und Dienstleistungen.

Über dieses Geschäft weiß man seit einer Untersuchung im US-Kongress 1995 einiges mehr: Man nutzte Ägypten als Drehscheibe. Kairo bekam neue M-60-Panzer und verkaufte dafür gebrauchte sowjetische T-62 an den Irak. Als dessen Fronten dennoch instabil wurden, schickte die CIA zusätzlich Fotos von US-Spionagesatelliten samt Auswertungsergebnissen an das irakische Kommando. Der Pentagon-Geheimdienst DIA stellte extra über sechzig Mitarbeiter ab. Das ganze peinliche Ausmaß der amerikanischen Unterstützung für einen der brutalsten Kriege der Gegenwart ist jedoch immer noch nicht vollständig aufgedeckt, da die Regierung Clinton, natürlich im Interesse der Sicherheit, sehr schnell die Untersuchungsergebnisse zur geheimen Verschlusssache erklärte und im Safe verschwinden ließ.

So bleibt immer noch unklar, was der heutige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Dezember 1983 und 1984 als Sonderbotschafter des US-Präsidenten in Bagdad zu erledigen hatte. Allerding weiß man genau, was er dort nicht getan hat: Er protestierte z.B. nicht gegen den C-Waffeneinsatz der Iraker gegen iranische Soldaten und gegen aufständische Kurden. Im Gegenteil, man überließ sogar den irakischen B-Waffen-Experten Basismaterial, z.B. Milzbrand-, Pest- und Botulismus-Bakterien aus amerikanischen Beständen. Die streng geheimen Geschenke an den Diktator gingen 1985 und 1990(!) über die Bühne. Und ans Licht kam diese Ungeheuerlichkeit auch nur deshalb, weil man später angesichts der wissenschaftlichen Beweise nicht leugnen konnte, dass die von den UN-Inspektoren im Irak gefundenen Mikrobenstämme mit jenen identisch waren, die man in US-Labors gezüchtet hatte.

Übrigens: Als Kongressmitglieder in Washington nach dem Iran-Irak-Krieg wegen der Massaker an der kurdischen Bevölkerung Sanktionen gegen Saddam Hussein verlangten, legte sich die Regierung Reagan quer. Grund: So etwas widerspräche US-Interessen! Die Regierung Bush (senior) folgte dieser Politik, obwohl die CIA schon damals darauf aufmerksam machte, dass der Irak "außer Kontrolle" gerate. Erst nach Saddams Einmarsch in Kuwait fand die freundliche Umarmungspolitik der USA ein plötzliches Ende. Aus dem Statthalter, den man mit Waffengeschenken bei Laune hielt, wurde der Lieblingsfeind.
04.2003